Frankenthal/Metropolregion Rhein-Neckar. Die 1920er Jahre waren eine Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und politischer Umbrüche – und auch die Kunst suchte nach neuen Ausdrucksformen. Mit der Neuen Sachlichkeit entstand in Deutschland eine Kunstrichtung, die sich bewusst von den emotionalen und subjektiven Tendenzen früherer Strömungen wie Symbolismus, Impressionismus und Expressionismus absetzte. Im Mittelpunkt des Vortrags „Die Kunst zwischen den Weltkriegen – Neue Sachlichkeit als deutscher Sonderweg in den 20er Jahren“ von Dr. Helmut Orpel steht diese prägende Kunstepoche der Weimarer Republik. Ausgangspunkt ist die wegweisende Ausstellung „Neue Sachlichkeit“, die 1925 in der Kunsthalle Mannheim stattfand. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler hatten den Ersten Weltkrieg unmittelbar erlebt. Ihre Werke zeichnen sich häufig durch einen distanzierten, geradezu sezierenden Blick auf die gesellschaftliche Wirklichkeit aus – vergleichbar mit der nüchternen Beobachtung eines Mediziners. Hinter dieser scheinbar sachlichen Darstellungsweise verbargen sich jedoch sehr unterschiedliche Haltungen.
Bei Otto Dix und George Grosz zeigt sich eine fundamentale Kritik an Kapitalismus und Militarismus. Georg Schrimpf dagegen wandte sich einer privaten, idyllischen Lebenswelt zu. Auch im Umgang mit dem aufkommenden Nationalsozialismus unterschieden sich die Künstler erheblich: Während einige ihrer Kunst und ihren politischen Haltungen in deutlichem Gegensatz zu den Vorstellungen der späteren nationalsozialistischen Machthaber sahen, erwiesen sich andere Stilrichtungen als mit deren Kunstverständnis vereinbar. Der Vortrag richtet den Blick zudem über Deutschland hinaus. Im europäischen Vergleich stellt sich die Frage, inwieweit die Neue Sachlichkeit tatsächlich einen deutschen Sonderweg darstellte. Ein Blick auf zeitgleiche Entwicklungen in Frankreich und Italien ermöglicht dabei eine Einordnung der deutschen Kunstentwicklung in den europäischen Kontext. Dr. Helmut Orpel ist Kunsthistoriker und Schriftsteller. Bereits während und nach seinem Studium arbeitete er als freier Redakteur für verschiedene Kunstzeitschriften und veröffentlichte zahlreiche Texte zu kunsthistorischen Themen. Heute arbeitet Orpel als freier Journalist, Dozent und Lehrer für Deutsch als Fremdsprache. Daneben verfasst er Erzählungen und Romane.
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Quelle
vhs Frankenthal e. V.
Zuletzt aktualisiert am 1. Oktober 2026, 14:18

































