Foto v.l.n.r.: Friso Janßen, Prof. Dr. Ralf Zahn, Dr. Fred Blaschke, Prof. Dr. Ibrahim Akin, Prof. Dr. Uwe Zeymer, Dr. Michael Henschel.
Ludwigshafen/Mannheim/Metropolregion Rhein-Neckar – Mit einer neuen Informations- und Aufklärungskampagne wollen das Klinikum Ludwigshafen, die Universitätsmedizin Mannheim und die Stiftung Institut für Herzinfarktforschung (IHF) gemeinsam den Kampf gegen den plötzlichen Herztod verstärken. Die Initiative „LU-MA gegen den plötzlichen Herztod“ wurde am heutigen Mittwoch (9. September 2026) im Rahmen einer Pressekonferenz im Klinikum Ludwigshafen vorgestellt. Ein zentraler Bestandteil ist das bereits bestehende App-basierte Ersthelfersystem KATRETTER. Die App soll in der Bevölkerung bekannter werden und weitere qualifizierte freiwillige Ersthelfer für das Netzwerk gewinnen.
Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses entscheiden oftmals wenige Minuten über Leben und Tod. Genau diese kritische Zeitspanne zwischen dem Notruf und dem Eintreffen des professionellen Rettungsdienstes steht im Mittelpunkt der neuen Kampagne.
Ziel ist es, mehr Menschen für die Bedeutung einer sofortigen Wiederbelebung zu sensibilisieren und gleichzeitig das bestehende Netzwerk freiwilliger Ersthelfer auszubauen. Über die KATRETTER-App können geeignete Helferinnen und Helfer, die sich in unmittelbarer Nähe eines Notfalls befinden, alarmiert werden und im Idealfall bereits vor dem Rettungsdienst mit lebensrettenden Maßnahmen beginnen.
Das gemeinsame Projekt wird unter Beteiligung der Rettungsdienststrukturen wissenschaftlich begleitet und von der Deutschen Herzstiftung e. V. gefördert.
Kampagne soll zum früheren Beginn der Reanimation beim plötzlichen Herztod durch die Katretter-App beitragen.
Im Mittelpunkt der heute in Ludwigshafen vorgestellten Initiative steht neben der allgemeinen Aufklärung über Wiederbelebungsmaßnahmen vor allem die Frage, wie noch mehr Menschen für das bestehende Ersthelfernetzwerk gewonnen werden können.
Denn die Wirksamkeit eines solchen Systems hängt wesentlich davon ab, dass möglichst viele geeignete Ersthelfer registriert sind. Je dichter dieses Netzwerk ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand eine qualifizierte Person in unmittelbarer Nähe befindet.

„Beim Herz-Kreislauf-Stillstand ist Zeit der entscheidende Faktor. Je früher mit einer Reanimation begonnen wird, desto größer ist die Chance, einen Menschen mit gutem neurologischem Ergebnis zu retten. Mit unserem Projekt wollen wir deshalb dort ansetzen, wo wir besonders viel erreichen können: bei der schnellen Hilfe durch Menschen, die bereits in unmittelbarer Nähe sind“, erklärt Prof. Dr. Uwe Zeymer, Vorstand der Stiftung Institut für Herzinfarktforschung und Studienleiter.
Die entscheidenden Minuten vor dem Rettungsdienst
Wird ein Herz-Kreislauf-Stillstand gemeldet, können über das App-System registrierte und entsprechend geeignete Helferinnen und Helfer in der Umgebung alarmiert werden.
Sie machen sich unmittelbar auf den Weg zum Einsatzort und können dort im Idealfall bereits Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten, während Rettungsdienst und Notarzt noch unterwegs sind.
KATRETTER ersetzt dabei ausdrücklich nicht den professionellen Rettungsdienst. Das Ersthelfernetzwerk soll vielmehr jene zeitliche Lücke schließen, die bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand entscheidend sein kann.

„Die professionelle Versorgung durch Rettungsdienst und Klinik bleibt unverzichtbar. Aber die ersten Minuten spielen sich häufig ab, bevor unsere Teams beim Patienten eintreffen können. Wenn Menschen in dieser Phase beherzt handeln und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen, ist bereits ein ganz entscheidender Schritt getan“, betont Dr. Fred Blaschke, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst.
Klinikum Ludwigshafen: Rettungskette muss in der ersten Minute beginnen

Welche Bedeutung eine möglichst früh einsetzende Reanimation für die spätere Behandlung im Krankenhaus hat, unterstrich bei der Vorstellung der Kampagne auch Prof. Dr. Ralf Zahn, Direktor der Medizinischen Klinik B des Klinikums Ludwigshafen.
„Wir können in der Klinik heute sehr viel für Patientinnen und Patienten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand tun. Voraussetzung dafür ist aber, dass Gehirn und andere Organe möglichst früh wieder mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Genau deshalb ist eine funktionierende Rettungskette von der ersten Minute an so wichtig.“
Die Möglichkeiten moderner Notfall-, Intensiv- und Herzmedizin allein reichen demnach nicht aus. Entscheidend ist, dass bereits unmittelbar nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand gehandelt wird und möglichst keine wertvolle Zeit verloren geht.
Universitätsmedizin Mannheim beteiligt sich an gemeinsamer Initiative
Die Kampagne verbindet die medizinischen und rettungsdienstlichen Strukturen auf beiden Seiten des Rheins.

Prof. Dr. Ibrahim Akin, Direktor der Sektion Invasive Kardiologie und Elektrophysiologie und stellvertretender Direktor der I. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim, erklärt: „Bei vielen außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillständen liegt eine kardiale Ursache zugrunde. Medizinischer Fortschritt allein reicht aber nicht aus, wenn wertvolle Minuten ungenutzt verstreichen. Mit der Verbindung von Aufklärung, digitaler Alarmierung und professioneller Notfallmedizin wollen wir die gesamte Versorgungskette stärken.“
Dr. Michael Henschel von der Notfallmedizin der Universität Mannheim sieht dabei insbesondere die Bevölkerung als wichtigen Teil der Rettungskette: „Reanimation ist keine Aufgabe, die erst mit dem Rettungsdienst beginnt. Jeder und jede kann im Ernstfall zum Lebensretter werden. Unser Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen und Menschen zu ermutigen, im Notfall sofort zu handeln.“

KATRETTER in Ludwigshafen bereits seit 2023 im Einsatz
Die KATRETTER-App selbst ist in Ludwigshafen und der Region keineswegs neu. MRN-News berichtete bereits am 31. Oktober 2023 über den offiziellen Start des Ersthelfersystems im Dienstbereich des Rhein-Pfalz-Kreises und der Integrierten Leitstelle Ludwigshafen.
Rhein-Pfalz-Kreis – VIDEO – Katretter Einführung 2023
Die Aktivierung fand damals auf dem Gelände der Feuerwache 1 in Ludwigshafen statt. Bereits zum Start umfasste das System ein Gebiet mit mehr als 620.000 Einwohnern. Neben Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis waren auch Frankenthal, Speyer, Neustadt an der Weinstraße und der Landkreis Bad Dürkheim eingebunden.
Rund 300 qualifizierte freiwillige Ersthelfer hatten sich seinerzeit bereits registriert.
Die damalige Einführung zeigte zugleich die Zusammenarbeit über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg. Gemeinsam mit Vertretern aus Ludwigshafen, Frankenthal, Speyer, Neustadt und dem Landkreis Bad Dürkheim wurde KATRETTER offiziell aktiviert.
Die heute vorgestellte Kampagne ist damit kein Neustart von KATRETTER, sondern soll ein bereits vorhandenes und funktionierendes System stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung rücken und das Netz freiwilliger Ersthelfer weiter verdichten.
Wirkung der Kampagne wird wissenschaftlich untersucht
Die Informationskampagne ist gleichzeitig Bestandteil einer wissenschaftlichen Untersuchung. In einer ersten dreimonatigen Phase wurden Daten zu außerklinischen Reanimationen in Ludwigshafen und Mannheim erfasst und ausgewertet. Mit der jetzt gestarteten, ebenfalls dreimonatigen Interventionsphase stehen die verstärkte Information der Bevölkerung, die Bedeutung der Laienreanimation und der Ausbau des Ersthelfernetzwerks im Mittelpunkt.
Nach Abschluss dieser Phase werden erneut über drei Monate Daten zu außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillständen erhoben.
Anhand anonymisierter Daten soll insbesondere untersucht werden, wie sich die Zahl erfolgreich durchgeführter Reanimationen entwickelt und in welchem Umfang bereits frühzeitig Laien mit der Wiederbelebung begonnen haben.
Vom bestehenden Netzwerk zu noch schnellerer Hilfe
Die heute im Klinikum Ludwigshafen vorgestellte Initiative verbindet damit drei entscheidende Bausteine: Aufklärung der Bevölkerung, digitale Alarmierung freiwilliger Ersthelfer und professionelle Notfallmedizin.
KATRETTER schafft bereits seit 2023 die technische Grundlage für die schnelle Alarmierung geeigneter Ersthelfer in der Region. Die neue Kampagne soll nun dafür sorgen, dass dieses Angebot bekannter wird und sich noch mehr qualifizierte Menschen daran beteiligen.
Denn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kann nicht allein entscheidend sein, wie gut ein Rettungsdienst oder eine Klinik ausgestattet ist. Entscheidend ist auch, was in den ersten Minuten passiert – und ob jemand vor Ort sofort mit der Wiederbelebung beginnt.
Quelle: Stiftung Institut für Herzinfarktforschung / MRN-News
Zuletzt aktualisiert am 9. September 2026, 19:25
































