Ludwigshafen / Metropolregion Rhein-Neckar. Bisher fehlte in Ludwigshafen ein Tagesaufenthalt ausschließlich für wohnungslose Frauen. Dadurch fehlte ein niedrigschwelliger Zugang zur Zielgruppe sowie eine Möglichkeit mit betroffenen Frauen in Kontakt zu treten und sie an weiterführende Hilfen heranführen zu können. Doch das soll sich nun ändern. Seit Anfang Juni gibt es ein solches Angebot, und zwar in Friesenheim. Im Café MittenDrin in der Schuckertstraße 37 betreibt das Evangelische Diakoniewerk Zoar den Tagesaufenthalt und hat seither bereits die ersten Frauen beraten. Das Café ist angegliedert an das Zoar-Haus „Wohnen am Ebertpark“. Sozialdezernent David Guthier, Anja Seepe (Leiterin Eingliederungs- und Jugendhilfe Kaiserslautern-Kusel-Vorderpfalz bei Zoar) und Hans Michael Eberle (Bereichsleiter Teilhabe, Pflege und Senioren der Stadt Ludwigshafen) stellten das Angebot vor.
Die Grundlage der Einrichtung sind die „Leistungen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten“, die in den Paragrafen 67 und 68 im Zwölften Buch Sozialgesetzbuch geregelt werden. Zu diesen „besonderen sozialen Schwierigkeiten“ zählt auch Wohnungslosigkeit oder eine drohende Wohnungslosigkeit.
Zu den Aufgaben der beiden Fachkräfte, die den Tagesaufenthalt bestreiten, gehört: die Frauen stabilisieren und in weiterführende Hilfen vermitteln. Ihre Zielgruppe sind wohnungslose Frauen mit gewöhnlichem Aufenthalt in Ludwigshafen. Sie gilt es zu erreichen und dabei zu unterstützen, ihre Lebenssituation wieder zu verbessern. „Wir denken hier vor allem an die sogenannte verdeckte Wohnungslosigkeit, die bei Frauen viel häufiger auftritt als eine offensichtliche Obdachlosigkeit. Gemeint ist damit, dass Frauen keine eigene Wohnung haben, sondern beispielsweise zeitweise bei Bekannten oder Verwandten zum Schlafen unterkommen. Sie müssen dann zwar nicht auf der Straße schlafen, aber werden in manchen Fällen beispielsweise zu Sex gezwungen als Gegenleistung für die Unterbringung“, erläutert David Guthier. „Dass sie keine eigene Wohnung mehr haben, kann vielfältige Gründe haben. Manche Frauen fliehen vor dem gewalttätigen Partner, wieder andere verlieren ihre Arbeit und ihre Wohnung aufgrund einer Alkohol- oder Drogensucht“, ergänzt der Beigeordnete.
Der Tagesaufenthalt bietet den Frauen zumindest zeitweise einen geschützten Aufenthaltsraum. Er dient insbesondere der Sicherstellung einer Grundversorgung, der sozialen Anbindung sowie der niedrigschwelligen Beratung. Konkret bedeutet dies: Es gibt einen Rückzugs- und Ruhebereich, einen Beratungsraum, die Möglichkeit zu duschen und Wäsche zu waschen sowie eine kostenlose Mahlzeit. Auch ein Internetzugang ist vorhanden. Seit der Eröffnung hat Zoar zunächst beispielsweise mit Flyern in Frauenarztpraxen auf das neue Angebot aufmerksam gemacht. Weitere Öffentlichkeitsarbeit soll folgen. Geöffnet ist der Aufenthalt zunächst montags bis freitags jeweils von 10 bis 14 Uhr.
„Wir werden den Tagesaufenthalt evaluieren und falls nötig das Angebot anpassen. Geplant sind bereits gemeinsame Essen, eventuell auch Freizeitangebote, Gesprächsrunden oder ähnliches – je nach Bedarf“, kündigt Anja Seepe an.
„Die Finanzierung des Tagesaufenthalts erfolgt über die Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten. Wir als Stadtverwaltung und Träger der Sozialhilfe haben die Maßnahme beschrieben und nach einem geeigneten Partner gesucht. In einer Vereinbarung mit Zoar als Leistungserbringer sind Umfang, Art und Qualität der Leistung genau festgehalten – dies gibt sowohl uns als auch Zoar rechtliche Sicherheit“, erläutert Bereichsleiter Eberle. Am Anfang habe die Erkenntnis gestanden, dass es für wohnungslose Frauen in Ludwigshafen eine Versorgungslücke gibt. „Ein Angebot gab es deshalb aber noch lange nicht. Die erste Aufgabe bestand vielmehr darin, diese Versorgungslücke in eine konkrete Leistung zu übersetzen. Wir mussten zunächst also beantworten: Was soll dieses Angebot eigentlich leisten? Welche Zielgruppe soll erreicht werden? Welche Hilfen sollen erbracht werden? Welche Qualitätsstandards sollen gelten?“, so Eberle weiter. Daraus entstanden dann Leistungsbeschreibung und Vertrag mit Zoar. „Nun sind wir dabei, diese Vereinbarungen mit Leben und mit konkreten Angeboten zu füllen“, ergänzt Anja Seepe. Und auf dieser Grundlage kann das Angebot evaluiert und in Zukunft bei Bedarf weiterentwickelt werden.
Quelle Stadt Ludwigshafen
Zuletzt aktualisiert am 4. September 2026, 10:35

































