Wiesbaden / Hessen – Mit dem schrittweisen Start des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder stehen Kommunen, Schulen und Familien vor großen Herausforderungen. Die FREIEN WÄHLER Hessen begrüßen grundsätzlich das Ziel, Kindern verlässliche Bildungs- und Betreuungsangebote zu ermöglichen. Gleichzeitig fordern sie vom Land Hessen eine dauerhaft gesicherte Finanzierung, mehr Fachkräfte und größere Spielräume für individuelle Lösungen vor Ort.
Der Landesvorsitzende Engin Eroglu warnt insbesondere davor, die Verantwortung für die Umsetzung des Rechtsanspruchs einseitig auf Städte, Gemeinden und Landkreise zu übertragen.
„Der Rechtsanspruch darf nicht zu einem ungedeckten kommunalen Pflichtprogramm werden. Eltern brauchen verlässliche Angebote, und Kommunen brauchen dafür verlässliche Unterstützung“, erklärt Eroglu.
Dabei gehe es nicht um politische Schuldzuweisungen, sondern um konkrete Lösungen, die in den Städten und Gemeinden tatsächlich umgesetzt werden können.
Ganztagsbetreuung: Finanzierung der Kommunen dauerhaft sichern
Eine zentrale Forderung der FREIEN WÄHLER Hessen betrifft die Finanzierung der Ganztagsbetreuung. Das Land müsse sich angemessen sowohl an notwendigen Investitionen als auch an den laufenden Betriebskosten beteiligen.
Nach Auffassung der FREIEN WÄHLER dürften Kommunen nicht dauerhaft für Aufgaben finanziell einstehen müssen, die ihnen von Bund und Land übertragen werden.
Gerade der Ausbau von Betreuungsplätzen, zusätzliche Räumlichkeiten und steigende Personal- und Betriebskosten stellen viele Städte und Gemeinden vor erhebliche Herausforderungen.
Mehr Fachkräfte für die Ganztagsbetreuung
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Fachkräftemangel. Die FREIEN WÄHLER Hessen fordern deshalb ein Sofortprogramm zur Ausbildung und Gewinnung von Erzieherinnen, Erziehern und weiteren pädagogischen Fachkräften.
Dazu sollen unter anderem mehr Ausbildungsplätze, vergütete Praktika, eine bessere und schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse sowie flexible Teilzeitmodelle beitragen.
Denn ein gesetzlicher Anspruch allein schafft noch keine zusätzlichen Betreuungskräfte.
Kommunen sollen flexible Betreuungsmodelle entwickeln können
Gleichzeitig sprechen sich die FREIEN WÄHLER gegen ein starres, landesweit identisches Betreuungsmodell aus.
Die Voraussetzungen unterscheiden sich von Kommune zu Kommune. Deshalb sollen Schulen, Horte, Jugendhilfe, Vereine und freie Träger stärker und flexibel zusammenarbeiten können.
Entscheidend müsse die Qualität der Ganztagsbetreuung sein und nicht die formale Umsetzung eines überall identischen Modells.
Übergangsregelungen bei fehlenden Räumen und Personal
Wo noch Räumlichkeiten oder Fachkräfte fehlen, fordern die FREIEN WÄHLER realistische Übergangsregelungen. Kommunen benötigten konkrete Unterstützung und ausreichend Zeit, um die erforderlichen Strukturen aufzubauen.
Zudem soll das Land Hessen regelmäßig transparent darüber informieren, wo neue Betreuungsplätze entstanden sind, welche finanziellen Mittel abgerufen wurden und in welchen Regionen weiterhin Engpässe bestehen.
Eroglu: Eltern brauchen Planungssicherheit
Für Engin Eroglu geht es bei der Ganztagsbetreuung um deutlich mehr als eine Verlängerung der täglichen Schulzeit.
„Kinder brauchen Kinder, gute pädagogische Angebote, Bewegung, Förderung und Zeit für soziale Erfahrungen. Eltern brauchen Planungssicherheit. Und Kommunen müssen in die Lage versetzt werden, diese Aufgabe dauerhaft zu erfüllen“, betont der Landesvorsitzende.
„Pakt für gute Ganztagsbetreuung“ vorgeschlagen
Die FREIEN WÄHLER Hessen schlagen deshalb einen „Pakt für gute Ganztagsbetreuung“ zwischen dem Land Hessen, den Kommunen und den Schulträgern vor.
Dieser soll drei wesentliche Bereiche regeln: verbindliche Finanzierungsregeln, einen gemeinsamen Fachkräfteplan und größere Entscheidungsspielräume für die Kommunen.
„Unser Maßstab ist einfach: Der Anspruch muss beim Kind ankommen – und darf nicht an fehlenden Räumen, fehlendem Personal oder fehlendem Geld scheitern“, erklärt Eroglu abschließend.
Hintergrund: Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung
Der bundesweite Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter wird ab dem Schuljahr 2026/2027 schrittweise eingeführt. Zunächst gilt er für Kinder der ersten Klassenstufe. In den folgenden Jahren wird der Anspruch jährlich um jeweils eine Klassenstufe erweitert.
Damit stehen Länder und Kommunen vor der Aufgabe, ausreichend Betreuungsplätze, Räumlichkeiten und qualifiziertes Personal bereitzustellen.
Quelle: FREIE WÄHLER Hessen
Bildunterschrift: Engin Eroglu MdEP, Landesvorsitzender der FREIEN WÄHLER Hessen
Bildquelle/Urheber: FREIE WÄHLER – Foto zum Abdruck und zur kommerziellen Nutzung freigegeben
Zuletzt aktualisiert am 26. August 2026, 11:14

































