Frankenthal / Metropolregion Rhein-Neckar. Frankenthal fordert vom Land: Stadtklinik stärken – wohnortnahe Versorgung sichern
Stadtrat verabschiedet fraktionsübergreifende Resolution für starke wohnortnahe Versorgung – Oberbürgermeister Meyer fordert vom Land klare Perspektive – FWG startet Online-Petition
Ein deutliches und fraktionsübergreifendes Signal für die Stadtklinik Frankenthal: Der Stadtrat hat sich in seiner Sondersitzung am Dienstagabend gemeinsam mit dem Krankenhausausschuss klar zur Zukunft des Klinikstandorts bekannt und die „Frankenthaler Resolution – Für eine starke Stadtklinik und eine verlässliche wohnortnahe medizinische Versorgung“ verabschiedet.
Die Resolution soll nun der Landesregierung, dem Gesundheitsministerium, den Fraktionen des rheinland-pfälzischen Landtags und den für Frankenthal zuständigen Landtagsabgeordneten übermittelt werden. Damit macht der Stadtrat deutlich: Frankenthal soll auch künftig ein starker medizinischer Versorgungsstandort für die Stadt und die Region bleiben.
Nach derzeitigem Planungsstand sollen der Stadtklinik Leistungsgruppen zugewiesen werden, die rund 95 Prozent der Fälle der dahinterstehenden Leistungsgruppen abbilden. Diese Nachricht bewertet die Stadt als wichtiges positives Signal. Gleichzeitig hat das Gesundheitsministerium angekündigt, am 1. September eine perspektivische Entwicklung der Stadtklinik zu einer sogenannten Regioklinik zu empfehlen. Die konkreten Auswirkungen auf den künftigen Versorgungsauftrag des Standorts sind bislang in wesentlichen Punkten offen.
Oberbürgermeister und Krankenhausdezernent Dr. Nicolas Meyer betont: „Wir werden nicht zulassen, dass die Stadtklinik auf dem Papier neu organisiert wird und am Ende vor Ort medizinische Versorgung verloren geht. Das Land muss jetzt darlegen, wie eine starke und tatsächlich wohnortnahe Versorgung für Frankenthal und die Region künftig sichergestellt wird. Der Stadtrat hat heute deutlich gemacht: Frankenthal steht geschlossen hinter seiner Stadtklinik und wird für diesen Standort kämpfen.“

Mehr als 20.000 Menschen jährlich in der Notaufnahme
Die Bedeutung der Stadtklinik für Frankenthal und die Region zeigen auch die Zahlen. Allein im Jahr 2024 wurden in der Zentralen Notaufnahme 21.918 Patientinnen und Patienten behandelt – durchschnittlich rund 60 Menschen jeden Tag. Das Notarztsystem der Stadtklinik kam im selben Jahr auf 1.755 Einsätze und versorgt neben Frankenthal auch 14 Umlandgemeinden.
Bei Veränderungen der Krankenhausstruktur müsse deshalb konkret beantwortet werden, wie diese Menschen auch künftig verlässlich versorgt werden.
„Patienten verschwinden nicht, wenn Krankenhausleistungen verschwinden. Sie fahren nur weiter. Und bei einem Schlaganfall können aus zusätzlichen Kilometern verlorene Minuten werden“, so Meyer.
Die Stadt fordert deshalb, bei der weiteren Krankenhausplanung die gesamte Versorgungskette zu betrachten – vom Notruf über den Rettungsdienst und die Notaufnahme bis zur spezialisierten Behandlung.
Oberbürgermeister Dr. Nicolas Meyer: „30 Minuten Fahrzeit zu irgendeinem Krankenhaus sind nicht automatisch 30 Minuten bis zur richtigen medizinischen Versorgung. Wer Krankenhausstrukturen verändert, muss zeigen können, wie die Versorgungskette danach tatsächlich funktioniert.“
Versorgung muss Modell bestimmen
Der Stadtrat erkennt in seiner Resolution an, dass sich die Krankenhauslandschaft verändert und medizinische Qualität, Spezialisierung, wirtschaftliche Tragfähigkeit, Ambulantisierung und Kooperationen wichtige Bestandteile einer zukunftsfähigen Versorgung sind.
Gleichzeitig formuliert er einen klaren Maßstab: Ausgangspunkt der weiteren Entwicklung muss die Versorgung der Menschen sein.
Meyer: „Wir sind nicht gegen Veränderung. Aber wir sind dagegen, zuerst ein Modell festzulegen und anschließend die Versorgung daran anzupassen. Wir müssen zuerst wissen, welche Versorgung die Menschen brauchen. Danach muss sich die Struktur richten.“
Eine Regioklinik kann deshalb kein Ziel an sich sein. Die franktionsübergreifende Resolution fordert deshalb, die regionale Versorgungsfunktion der Stadtklinik, die Interessen der Beschäftigten, die Entwicklung des Standortes und den gemeinsamen Investitionspfad von Stadt und Land umfassend zu berücksichtigen.
Gemeinsam in den Standort investiert
Allein der im März 2026 eröffnete Erweiterungsbau umfasst ein Investitionsvolumen von mehr als 51 Millionen Euro, davon mehr als 36 Millionen Euro Landesförderung. Der Neubau bietet 111 stationäre Betten und 20 tagesklinische Plätze. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren unter anderem die Zentrale Notaufnahme, der OP-Trakt, die Intensivstation und die Zentralapotheke weiterentwickelt.
„Wir haben gemeinsam mit dem Land in diesen Standort investiert, weil wir an seine Zukunft glauben. Wir haben einen modernen Erweiterungsbau geschaffen und weitere Investitionen auf den Weg gebracht. Deshalb erwarte ich auch eine klare Antwort darauf, wie diese Investitionen mit den langfristigen Planungen des Landes zusammenpassen“, so Nicolas Meyer.
Beschäftigte frühzeitig informiert
Vor der Sondersitzung des Stadtrats wurden die Beschäftigten der Stadtklinik in einer Mitarbeitendenversammlung über den aktuellen Kenntnisstand informiert. Rund 790 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten an der Stadtklinik.
Der kaufmännische Direktor Dr. Andor Toth betont: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das Fundament der Stadtklinik. Sie haben in den vergangenen Jahren erhebliche Veränderungen mitgetragen und den Standort weiterentwickelt. Für sie ist entscheidend, dass jetzt auf Grundlage belastbarer Informationen und mit einer klaren Perspektive gearbeitet wird.“
Nach der Veröffentlichung der konkreten Leistungsgruppenzuweisungen am 1. September sollen diese detailliert ausgewertet und die Auswirkungen auf die medizinischen, personellen und organisatorischen Strukturen geprüft werden.
Breite Unterstützung im Stadtrat – FWG startet Online-Petition
Mit der verabschiedeten Resolution setzt der Stadtrat ein fraktionsübergreifendes Zeichen für eine starke Stadtklinik und eine verlässliche wohnortnahe medizinische Versorgung.
Meyer begrüßt den politischen Schulterschluss: „Bei einer Frage wie dieser darf es nicht um Parteipolitik gehen. Krankheit fragt nicht nach Parteibuch. Gesundheit kennt keine Koalition und keine Opposition. Wenn es um die medizinische Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger geht, müssen wir gemeinsam für Frankenthal einstehen.“
Die FWG Frankenthal hat zusätzlich eine Online-Petition gestartet und ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich für den Erhalt und die Stärkung der Stadtklinik einzusetzen.
Stadt will weiter mit dem Land um die Zukunft des Standorts ringen
Die Stadt wird die angekündigten Leistungsgruppenzuweisungen und die weiteren Planungen des Landes nach dem 1. September sorgfältig prüfen und die Gespräche mit der Landesregierung fortsetzen.
Meyer: „Unser Auftrag ist jetzt nicht, eine Empfehlung einfach in Vollzug zu setzen. Unser Auftrag ist, für Frankenthal das richtige Zielbild zu erreichen.“
Dabei gehe es nicht darum, Veränderungen grundsätzlich abzulehnen, sondern darum, die tatsächliche Versorgung der Menschen in Frankenthal und der Region zum Maßstab zu machen.
„Wir werden unseren Klinikstandort nicht vorschnell kleinplanen lassen. Wir werden die Vorschläge des Landes genau prüfen, kritisch begleiten und für das eintreten, was Frankenthal und die Region brauchen. Der heutige Beschluss des Stadtrats zeigt: Dabei stehen wir nicht allein. Frankenthal steht zusammen.“
Die Resolution im Wortlaut ist unter www.frankenthal.de/resolutionen zu finden. Die Online-Petition ist hier abrufbar: https://www.openpetition.de/petition/online/keine-stadt-ohne-klinik-fuer-eine-starke-wohnortnahe-medizinische-versorgung-in-frankenthal-2
FRANKENTHALER RESOLUTION
Für eine starke Stadtklinik und eine verlässliche wohnortnahe medizinische Versorgung
Präambel
Die Stadtklinik Frankenthal ist seit Generationen ein zentraler Bestandteil der medizinischen Versorgung unserer Stadt und der umliegenden Region. Sie steht für medizinische Versorgung vor Ort, kurze Wege und die Sicherheit, im Krankheits- oder Notfall einen leistungsfähigen Ansprechpartner in erreichbarer Nähe zu haben, gerade angesichts des Alterungsprozess
innerhalb der Gesellschaft und daraus resultierender eingeschränkter Mobiliät.
Die Stadtklinik hat sich in den vergangenen Jahren medizinisch und organisatorisch weiterentwickelt. Gleichzeitig haben Stadt und Land erheblich in ihre Zukunft investiert. Der 2026 eröffnete Erweiterungsbau, die vorgesehene Generalsanierung des Haupthauses und die geplante psychiatrische Tagesklinik in Limburgerhof stehen für diesen gemeinsam eingeschlagenen Zukunfts- und Investitionspfad.
Der Stadtrat nimmt mit Erleichterung zur Kenntnis, dass nach dem derzeitigen Planungsstand Leistungsgruppen für die Stadtklinik vorgesehen sind, die rund 95 Prozent der dahinterstehenden Fälle abbilden. Gleichzeitig nimmt er die angekündigte Empfehlung des Landes, die Stadtklinik perspektivisch zu einer sogenannten Regioklinik weiterzuentwickeln,
sehr ernst. Wesentliche Rahmenbedingungen und die konkreten Auswirkungen auf die medizinische Versorgung am Standort sind noch nicht abschließend geklärt.
Der Stadtrat erkennt an, dass sich die Krankenhauslandschaft verändert und medizinische Qualität, Spezialisierung, wirtschaftliche Tragfähigkeit, Ambulantisierung und Zusammenarbeit wichtige Bestandteile einer zukunftsfähigen Versorgung sind. Für ihn bleibt zugleich ein Grundsatz maßgeblich: Ausgangspunkt jeder weiteren Entwicklung muss die
medizinische Versorgung der Menschen sein.
Vor diesem Hintergrund erklärt der Stadtrat der Stadt Frankenthal (Pfalz) gemeinsam:
1. Frankenthal muss ein starker medizinischer Versorgungsstandort bleiben.
Der Stadtrat setzt sich dafür ein, die Stadtklinik als leistungsfähigen Gesundheitsstandort und wesentlichen Bestandteil der Versorgung für Frankenthal und die Region zu sichern und weiterzuentwickeln. Die positive medizinische Entwicklung der vergangenen Jahre soll fortgesetzt werden.
2. Wesentliche medizinische Leistungen müssen wohnortnah erreichbar bleiben.
Für die Menschen in Frankenthal und im Umland muss eine leistungsfähige medizinische Versorgung einschließlich verlässlicher Notfallstrukturen tatsächlich erreichbar bleiben.
Wohnortnähe bemisst sich nicht allein an theoretischen Fahrzeiten. Eine Krankenhausreform darf für die Menschen nicht vor allem bedeuten, dass sie für immer mehr medizinische Leistungen auf andere Städte verwiesen werden.
3. Der Versorgungsbedarf der Menschen muss die weitere Entwicklung bestimmen.
Vor weiteren strukturellen Weichenstellungen müssen die Auswirkungen auf den medizinischen Versorgungsauftrag Frankenthals umfassend betrachtet werden.
Ausgangspunkt der weiteren Planung müssen der konkrete Versorgungsbedarf der Menschen und die Frage sein, mit welchen Strukturen dieser bestmöglich gewährleistet werden kann.
Dabei sollen alle medizinisch, strukturell und wirtschaftlich tragfähigen Möglichkeiten berücksichtigt werden.
4. Der gemeinsame Investitions- und Zukunftspfad muss berücksichtigt werden. Stadt und Land haben erhebliche öffentliche Mittel in die Zukunft des Gesundheitsstandortes investiert. Allein der im März 2026 eröffnete Erweiterungsbau umfasst mehr als 51 Mio. Euro, davon mehr als 36 Mio. Euro Landesförderung. Bereits in den Jahren zuvor wurden erhebliche
Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Standorts getätigt, namentlich genannt die Zentrale Notaufnahme, der OP-Trakt, die Intensivstation sowie die Zentralapotheke. Die weitere Krankenhausplanung muss sich schlüssig mit diesem gemeinsam eingeschlagenen Entwicklungs- und Investitionspfad verbinden und die geschaffenen Strukturen bestmöglich
für die Versorgung der Menschen nutzen.
5. Frankenthal erwartet Dialog, Verlässlichkeit und eine tragfähige Zukunftsperspektive. Entscheidungen über Krankenhausstrukturen betreffen Patientinnen und Patienten, Angehörige und die rund 790 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtklinik. Der Stadtrat erwartet deshalb einen frühzeitigen und verlässlichen Dialog mit der Stadt als
Krankenhausträgerin. Die regionale Versorgungsfunktion, die aktuelle Entwicklung des Standortes, die Interessen der Beschäftigten und die gemeinsam getätigten Investitionen müssen in die weitere Planung einbezogen werden.
Unser gemeinsames Signal
Der Stadtrat der Stadt Frankenthal steht gemeinsam an der Seite der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtklinik und der Menschen, die auf eine gute medizinische Versorgung in unserer Stadt und der Region angewiesen sind.
Unser gemeinsames Ziel ist klar: Frankenthal soll auch künftig ein starker medizinischer Versorgungsstandort mit einer leistungsfähigen, verlässlichen und tatsächlich wohnortnah erreichbaren Versorgung bleiben.
Der Stadtrat bittet die Landesregierung Rheinland-Pfalz, den Ministerpräsidenten, das für Gesundheit zuständige Ministerium und die Fraktionen des Landtages, dieses Ziel zu unterstützen und gemeinsam mit der Stadt Frankenthal alle tragfähigen Möglichkeiten für eine starke Zukunft des Gesundheitsstandortes zu prüfen.
Eine zukunftsfähige Krankenhausplanung und eine starke wohnortnahe Versorgung dürfen keine Gegensätze sein. Frankenthal ist bereit, seinen Beitrag zu leisten und gemeinsam mit dem Land Verantwortung für eine tragfähige Zukunft des Gesundheitsstandortes zu übernehmen.
Quelle Stadt Frankenthal
Zuletzt aktualisiert am 26. August 2026, 14:34

































