Mannheim / Metropolregion Rhein-Neckar. Kaufkraft (+3,0 %) und Umsätze (+3,3 %) im Einzelhandel der Region werden im laufenden Jahr steigen. Das prognostiziert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar in ihrer Kaufkraftanalyse 2026. Diese Werte sind indes nicht inflationsbereinigt, sondern nominal. Bei einer erwarteten Inflationsrate von 2,7 Prozent kommt es also kaum zu realen Zuwächsen. „Kein Wachstum heißt: Wenn sich Kosten erhöhen, geht das voll auf die Marge und im Zweifelsfall an die Existenz der Unternehmen. Deshalb muss die Politik alles verhindern, was zu steigenden Kosten führt. Das gilt insbesondere für die Arbeitskosten, bei denen vor allem die stark steigenden Sozialabgaben belasten, aber auch für die Kosten von Energie und Regulatorik“, sagt IHK-Präsident Manfred Schnabel mit Blick auf die Prognose.
Da sich einzelhandelsrelevante Kaufkraft und stationärer Einzelhandelsumsatz weitgehend parallel entwickeln, ergibt sich eine im Vergleich zu Deutschland (87 %) und Baden-Württemberg (84 %) leicht überdurchschnittliche Kaufkraftbindungsquote von 88 Prozent. Im Vergleich aller 79 IHK‑Bezirke verbessert sich die Region auf Rang 37 und damit um drei Plätze gegenüber dem Vorjahr.
Obwohl die einzelhandelsrelevante Kaufkraft pro Kopf in allen 83 Kommunen des IHK-Bezirks zunimmt, steigt der Einzelhandelsumsatz pro Kopf nur in 65 Kommunen und die Kaufkraftbindungsquote nur in 46 Kommunen. „Steigende Kaufkraft allein ist kein Garant für steigende Umsätze oder eine höhere Kaufkraftbindung vor Ort. Den Kommunen kommt dabei eine wichtige Rolle zu: Gelingt es ihnen, für attraktive Angebotsstrukturen, gute Erreichbarkeit und funktionierende Handelsstandorte zu sorgen, kann sich Kaufkraft in Umsätzen vor Ort niederschlagen“, erklärt Schnabel.
Die allgemeine Kaufkraft stellt das verfügbare Einkommen der Bevölkerung dar und steigt im IHK‑Bezirk Rhein‑Neckar pro Kopf um 3 Prozent auf 32.363 Euro. Damit liegt die Region beim Wachstum unter dem Bundesdurchschnitt (3,3 %), jedoch auf dem Niveau Baden‑Württembergs.
Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft – der Anteil des Einkommens, der rechnerisch für Ausgaben im stationären und Online-Einzelhandel zur Verfügung steht – wächst im IHK-Bezirk Rhein-Neckar um 3 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro. Pro Kopf entspricht dies 8.217 Euro. Damit liegt der IHK-Bezirk leicht über dem Bundesdurchschnitt (8.190 Euro), aber unter dem Landesdurchschnitt Baden-Württembergs (8.390 Euro). Rund ein Viertel der allgemeinen Kaufkraft steht somit rechnerisch für Einzelhandelsausgaben zur Verfügung.
Der Online-Anteil an der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft bleibt das dritte Jahr in Folge auf einem Niveau zwischen 12,8 und 13,0 Prozent. Dies spricht dafür, dass sich der stationäre Einzelhandel im Wettbewerb mit dem Online-Handel stabil behauptet. „Im Gegensatz zur landläufigen Meinung wächst der Online-Handel nur gering. Besonders unter dem Radar der öffentlichen Meinung: Dieser leichte Zuwachs lässt sich auf Händler zurückführen, die hybrid aufgestellt sind, die also stationären mit Online-Handel verbinden und so die Stärken beider Wege ausspielen können“, sagt Schnabel. Kritisch bleibe indes die Tatsache, dass zwischen stationärem Handel und E-Commerce kein Level-Playing-Field herrsche. „Krasses Beispiel ist das Gebaren großer Online-Händler aus Fernost, die mit teils gefährlichen oder gefälschten Produkten auf den europäischen Markt drängen. Hier ist der Gesetzgeber gefordert“, mahnt Schnabel.
Der stationäre Einzelhandelsumsatz im IHK‑Bezirk steigt insgesamt auf 8,5 Milliarden Euro (2025: 8,2 Mrd. Euro). Pro Kopf entspricht dies 7.217 Euro. Dennoch bleibt weiterhin Potenzial zur Stärkung des Einzelhandels vor Ort: Über eine Milliarde Euro der verfügbaren einzelhandelsrelevanten Kaufkraft fließt an Standorte außerhalb der Region oder in den Online‑Handel ab – das entspricht dem Vorjahresniveau.
Trotz eines leichten Rückgangs der Kaufkraftbindungsquote bleibt Mannheim mit 118 Prozent im Vergleich der 39 deutschen Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern bundesweit auf Rang 1. Mit einem Gesamtumsatz von rund 3 Milliarden Euro ist die Stadt weiterhin der Einzelhandelsmotor der Region.
Innerhalb Mannheims überzeugt die Innenstadt (PLZ 68161) als zentraler Anker des Einzelhandels: Dort werden rund 834 Millionen Euro umgesetzt. Zudem steigt die Kaufkraftbindungsquote in diesem Postleitzahlbezirk wieder leicht an auf 815 Prozent (+3 PP). „Die Zahlen sollen nicht vergessen lassen, dass dieser Wert für die Innenstadt vor Corona noch bei mehr als 1.000 Prozent lag. Die City ist, wie andere Innenstädte bundesweit, seit Corona im Fahrstuhl zwei Stockwerke nach unten gefahren. Jetzt zeichnet sich eine Stabilisierung auf deutlich niedrigerem Niveau ab“, sagt Schnabel. Für Politik und Verwaltung heiße dies: „Bei allen Sparzwängen ist Augenmaß gefordert, dass die Aufenthaltsqualität nicht leidet“, so der IHK-Präsident mit Blick auf die wichtigen Faktoren Sauberkeit und Sicherheit, die ganz wesentlich von der öffentlichen Hand gewährleistet werden.
Die Stadt Heidelberg erwirtschaftet rund 1,2 Milliarden Euro stationären Einzelhandelsumsatz und damit etwa 14 Prozent des Gesamtumsatzes im IHK-Bezirk. Grundlage hierfür ist unter anderem eine überdurchschnittliche einzelhandelsrelevante Kaufkraft von 8.272 Euro pro Kopf. Dennoch bleibt die Kaufkraftbindungsquote mit rund 94 Prozent unter der Schwelle von 100, sodass weiterhin unausgeschöpftes Potenzial für den stationären Einzelhandel besteht. Hinzu kommt ein überdurchschnittlich hoher Online-Anteil, der auch mit dem hohen Studierendenanteil in der Stadt zusammenhängt.
Besonders herausfordernd ist die Situation in der Altstadt (PLZ 69117): Dort sinkt das Umsatzvolumen um 3,4 Prozent auf 252 Millionen Euro. Zugleich nimmt die Kaufkraftbindung deutlich ab (-17 PP). „Das zeigt, wie sehr die Altstadt als Einzelhandelsstandort unter Druck steht. Geben Einzelhändler ein Objekt auf, rücken oft Gastronomiebetriebe nach. Dieser Strukturwandel ist nicht per se schlecht oder gut, sondern vielmehr Folge des Tourismus und des Freizeitverhaltens“, ordnet der IHK-Präsident ein. Dabei seien die Voraussetzungen für Einzelhandel, eine hohe Kaufkraft vor Ort, durchaus vorhanden. „In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, dass die unterschiedlichen Branchen zu einer guten Balance finden. Denn Innenstädte mit einer Monokultur werden als nicht attraktiv wahrgenommen“, mahnt Schnabel.
Der Rhein‑Neckar‑Kreis erweist sich als kaufkraftstarker Wohn‑ und Pendlerraum mit sehr hohen absoluten Umsätzen. Das Einzelhandelsvolumen von über 3,5 Milliarden Euro wird bundesweit nur von 18 der 401 Stadt‑ und Landkreise übertroffen. Im regionalen Pro‑Kopf‑Ranking bleiben Schwetzingen (15.124 Euro) und Walldorf (14.448 Euro) an der Spitze, gefolgt von Hockenheim (10.499 Euro). Auch Weinheim zählt zu den bedeutenden Unter‑ und Mittelzentren. Beispielhaft zeigt sich der Einzelhandel in der Zweiburgenstadt resilient, ein dauerhafter Aufwärtstrend bei der Kaufkraftbindung bleibt angesichts anhaltender Krisen und zurückhaltender Konsumstimmung jedoch aus. „Die vielen Mittelzentren sorgen im Rhein-Neckar-Kreis dafür, dass von der hohen Kaufkraft ein beträchtlicher Anteil gehalten werden kann; gleichzeitig profitieren auch die Oberzentren Heidelberg und vor allem Mannheim von den kaufkräftigen Einwohnern“, sagt Schnabel.
Im Neckar‑Odenwald‑Kreis fließt mit einer Kaufkraftbindungsquote von 68 Prozent ein großer Teil der verfügbaren Kaufkraft an andere regionale oder überregionale Standorte ab. Hervorzuheben ist der unterdurchschnittliche Online‑Anteil an der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft von 12 Prozent, der die vergleichsweise hohe Bedeutung des stationären Einzelhandels im ländlichen Raum unterstreicht. Wichtige Einzelhandelsstandorte mit überdurchschnittlicher Kaufkraftbindung und hoher Relevanz für die Nahversorgung sind Mosbach, Buchen, Aglasterhausen, Walldürn sowie im Grenzgebiet beider Kreise die Stadt Eberbach. „Das Profil des Einzelhandels im Neckar‑Odenwald‑Kreis mit seinen lediglich zwei Mittelzentren ist stark von der Nahversorgung geprägt. Das erklärt, gerade im Vergleich zum Rhein-Neckar-Kreis, die geringe Kaufkraftbindungsquote“, sagt der IHK-Präsident.
Die IHK-Kaufkraftanalyse ist abrufbar unter www.ihk.de/rhein-neckar/kaufkraftanalyse
Quelle IHK Rhein-Neckar.
Zuletzt aktualisiert am 12. Juni 2026, 11:56

































