Ludwigshafen / Metropolregion Rhein-Neckar. Zum Wohl der Bäume und für wissenschaftliche Erkenntnisse: Ludwigshafen nimmt an Forschungsprojekt teil – Auch an herausfordernden Stellen mehr Schatten, Kühlung und Aufenthaltsqualität schaffen
Ludwigshafen beteiligt sich mit Baumpflanzungen an einer wissenschaftlichen Versuchsreihe, die an mehreren Stellen in Deutschland unter anderem erhebt, wie sich Bäume in urbaner Umgebung entwickeln. Das Projekt der Fachhochschule Erfurt untersucht dabei im Kern, ob sich mit schnellwachsenden Bäumen, die über eine begrenzte Lebensdauer verfügen, städtische Quartiere auch an schwierigen und beengten Standorten sinnvoll begrünen lassen. Im Zuge dieses Projekts pflanzt der Bereich Grünflächen und Friedhöfe beim Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen (WBL) 28 Bäume an unterschiedlichen Orten im Stadtgebiet ein.
Anlass für diese Studie sind die schwierigen Standortbedingungen vieler Straßenbäume im städtischen Umfeld. Die Studie soll Erkenntnisse darüber liefern, welche Baumarten sich unter herausfordernden städtischen Gegebenheiten bewähren und wie sich problematische Standorte kurzfristig besser begrünen lassen. Ziel ist es, trotz begrenzter Flächen mehr Grün, Schatten, Kühlung durch Bäume und zusätzliche Aufenthaltsqualität in die Stadt zu bringen. Häufig stehen dort nur sehr kleine Baumscheiben mit einer Fläche von lediglich zwei oder vier Quadratmetern zur Verfügung. Gleichzeitig fehlt oftmals der Platz für ausladende Baumkronen.
Darüber hinaus kann es vorkommen, dass Leitungen im Untergrund das Wachstum beziehungsweise den Erhalt der Bäume erschweren, zudem sind die hohen Kosten zu beachten, die für die Vergrößerung für Baumstandorte notwendig wären.
Jährliche Messung von Höhe und Stammumfang
„Ludwigshafen ist historisch bedingt industriell geprägt und besitzt daher viele vorwiegend urban gestaltete Quartiere. Das bedeutet, dass dort zahlreiche Flächen teilweise stark verdichtet sind, was das Pflanzen von Bäumen dort sehr herausfordernd macht, um auch an diesen Stellen in der Stadt Grün zu etablieren“, führt Gabriele Bindert, Leiterin des Bereichs Grünflächen und Friedhöfe beim WBL, aus. „Die Stadt Ludwigshafen kann als Teilnehmerin der Studie zu schnellwachsenden Bäumen profitieren, weil die wissenschaftlichen Erkenntnisse dabei helfen können, künftig Arten auszuwählen, die an schwierigen Standorten gedeihen und gegenüber dem Klimawandel anpassungsfähig sind.“
Gestartet wurde das Projekt im Jahr 2023 in Erfurt sowie in Zeuthen bei Berlin. Dresden und Wildau bei Berlin schlossen sich im vergangenen Jahr an, Ludwigshafen kam in diesem Jahr hinzu. Die Vorkultivierung der gesetzten Bäume erfolgte bereits 2021 und der Versuchszeitraum ist auf 10 bis maximal 20 Jahre festgelegt. Falls die Bäume keine Schäden aufweisen, kann der Versuchszeitraum ausgedehnt werden. Zum Ende jeder Vegetationsperiode werden Höhe und Stammumfang gemessen sowie die Vitalität der Bäume während der Vegetationsperioden beobachtet.
An verschiedenen Standorten 28 Bäume gepflanzt
Im Zuge des Forschungsprojekts wurden in Ludwigshafen insgesamt 28 Bäume an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet gepflanzt. Dabei handelt es sich um sechs Birkenpappeln (Populus simonii), sieben Zürgelbäume (Celtis occidentalis), sieben Flatterulmen (Ulmus laevis) sowie acht Paulownia-Hybriden, auch Blauglockenbäume genannt.
Diese Baumpflanzungen verteilen sich auf die vier folgenden Standorte:
• Hoher Weg: 8 Bäume (Reitanlage des Reitclubs Südwest e.V.)
• Hauptstraße: 10 Bäume
• Brüsseler Ring: 8 Bäume
• Knappenwegstraße: 2 Bäume
Die Bäume wurden direkt in den vorhandenen Boden gepflanzt – ohne zusätzliche Bodenverbesserung. Lediglich bei stark verdichteten Flächen wird der Boden bis in eine Tiefe von 80 Zentimetern gelockert.
Das Projekt ist so angelegt, dass die Bäume einmal pro Woche Wasser erhalten, aber nicht gedüngt werden. Aufgrund ihres schnellen Wachstums und der dünnen, biegsamen Triebe werden sie mit elastischen Bindungen befestigt. Herkömmliche Kokosstricke reichen hierfür nicht aus. Zusätzlich erhalten die Bäume hohe Dreiböcke und verlängerte Tonkinstäbe – also Bambusrohre – um die Leittriebe sicher zu stabilisieren.
Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau e.V. (FFL) empfiehlt, dass Bäume mindestens über 12 Kubikmeter durchwurzelbaren Raum im Untergrund verfügen sollten. Bei Neubauprojekten in Ludwigshafen sind seit Jahren sogar mindestens 16 Kubikmeter an durchwurzelbarem Volumen vorhanden. An bereits bestehenden Bebauungen ist dies jedoch vielfach nicht möglich.
Falls nicht ausreichend durchwurzelbarer Raum zur Verfügung steht, entwickeln sich die Bäume zunächst gut, jedoch stoßen ihre Wurzeln schnell an ihre Grenzen. Durch verdichtete Böden fehlt es den Wurzeln an Raum und Sauerstoff. Häufig weichen die Wurzeln deshalb in den leichter durchwurzelbaren Bereich unter Gehwegplatten und Pflaster aus. Dort kommt es mit zunehmendem Dickenwachstum der Wurzeln zu Schäden an den Belägen, hochstehenden Platten und damit verbundenen Unfallgefahren sowie hohen Kosten für die Verkehrssicherung.
Zuletzt aktualisiert am 15. April 2026, 14:00
































