
Landau/Metropolregion Rhein-Neckar – Gegen das Vergessen – für Verantwortung, Demokratie und Menschenrechte
heute und morgen:
Anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erinnerte die Stadt Landau an die Opfer und die
Verbrechen des nationalsozialistischen Terrorregimes. Ein breites Bündnis aus
Veranstalterinnen und Veranstaltern lud zu einer Gedenkveranstaltung in das
Alte Kaufhaus ein. Im Mittelpunkt der diesjährigen Erinnerungsarbeit stand die
Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma in der Südpfalz sowie das
fortgesetzte Unrecht, das viele von ihnen auch nach 1945 erfahren mussten.
In seiner Begrüßung machte Oberbürgermeister Dominik Geißler deutlich, dass
das Erinnern an Auschwitz untrennbar mit der Verantwortung für Gegenwart
und Zukunft verbunden sei. Die Verfolgung der Sinti und Roma – auch in der
eigenen Region – dürfe nicht in Vergessenheit geraten. Gerade vor dem
Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen sei es notwendig, jeder
Form von Fremdenfeindlichkeit und jeder Politik der Ausgrenzung entschieden
entgegenzutreten. „Was damals geschehen ist, darf und wird nicht vergessen
werden“, betonte der Oberbürgermeister.
Auch Michael Hartmann, Antiziganismusbeauftragter des Landes Rheinland-
Pfalz, unterstrich die Bedeutung des Gedenktages. Er würdigte die
Entscheidung, den Fokus auf die Geschichte der Sinti und Roma zu legen, um
diese Opfergruppe sichtbar zu machen. Zugleich verwies er darauf, dass die
Gleichstellung der Sinti und Roma das Ergebnis eines langen Weges und noch
nicht beendet sei.
Destiny Balzo, Urenkelin des von den Nazis im KZ Auschwitz-Birkenau
ermordeten Sinto Franz Winterstein, eröffnete mit einem Vortrag zur Biografie
der Familie Winterstein einen persönlichen Zugang zum Thema. Prof. Dr.
Wolfgang Pauly von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
Pfalz ordnete die Beiträge historisch ein und machte deutlich, dass Ausgrenzung
und Stigmatisierung der Sinti und Roma schon vor 1933 begannen und auch nach
1945 fortwirkten.

Einen weiteren Schwerpunkt bildete das Studierendenprojekt „Und es war nicht
vorbei. Sinti und Roma nach 1945“ der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
Dr. Miriam Breß und Marie Pätzhold stellten die Ergebnisse des Projekts vor, in
dem sich Studierende im Sommersemester 2025 mit der Lebensrealität von Sinti
und Roma nach dem Ende des Nationalsozialismus auseinandersetzten.
Die Beiträge wurden durch biografische Notizen ergänzt, die von den
Auszubildenden der Nardini-Pflegeschule am Vinzentius-Krankenhaus –
Viktoriia Andronova, Odette Igiranzea und Larissa Rollande Njiokou Kepseu –
unter der Leitung von Moni Vogler wiedergegeben wurden. Im Anschluss trug
Moni Vogler das Gedicht „Auschwitz“ von Santino Spinelli vor.
In der Verabschiedung erinnerte Jacques Delfeld Sr. vom rheinland-pfälzischen
Landesverband Deutscher Sinti und Roma daran, dass Gedenken mehr bedeute
als Erinnerung allein. „Die Stimmen der Vergangenheit mahnen uns, mutig und
klar für eine offene, freie und solidarische Gesellschaft einzutreten – mit Worten
und mit Taten, jeden Tag“.
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Istvan Kururc an der Geige.

Für die Gedenkveranstaltung kooperierten die Stadt Landau mit ihrem Archiv,
die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Pfalz, der Verein für
Volksbildung und Jugendpflege, die Gedenkstätte für Opfer des
Nationalsozialismus in Neustadt, der jüdische Studierendenverband Rheinland-
Pfalz/Saarland Hinenu, die Nardini-Pflegeschule am Vinzentius-Krankenhaus, die
Omas gegen Rechts, das Pfalzklinikum, die Stolperstein-Initiative Landau, der
Landesverband deutscher Sinti und Roma, der Verein für Toleranz und
Menschlichkeit Südpfalz (kurz ToM) und dem Netzwerk „Erinnern vor Ort“ des
Anne Frank Zentrums Berlin.
Bereits am Vormittag legten die beteiligten Organisationen am Mahnmal für die
Opfer des Faschismus auf dem Landauer Hauptfriedhof einen Kranz nieder.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Ausstellung „Sinti und Roma in
Rheinland-Pfalz. Ermordet – ausgegrenzt – stigmatisiert“ im Museum für
Stadtgeschichte zu besuchen. Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Februar zu
sehen. Sie entstand im Rahmen des bereits erwähnten Studierendenprojekts und
wurde vom Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit des Landes Rheinland-
Pfalz gefördert.
Bildunterschrift:
1: Am Vormittag legten die beteiligten Organsiationen am Mahnmal für die
Opfer des Faschismus auf dem Landauer Hauptfriedhof einen Kranz nieder.
(Quelle: Stadt Landau)
2: Oberbürgermeister Dominik Geißler begrüßt die Besucherinnen und Besucher
der Gedenkveranstaltung der Opfer des Nationalsozialismus im Alten Kaufhaus
in Landau. (Quelle: Stadt Landau)
3: Jacques Delfeld Sr. vom rheinland-pfälzischen Landesverband Deutscher Sinti
und Roma sprach die Abschiedsworte der Gedenkveranstaltung im Alten
Kaufhaus in Landau.
Pressemitteilung der Stadt Landau in der Pfalz.
Zuletzt aktualisiert am 29. Januar 2026, 21:47






































