Mannheim/Metropolregion Rhein-Neckar. Dekan Ralph Hartmann wird am 5. Februar 2026 um 18 Uhr von Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart in einem Festgottesdienst in der Christuskirche (Oststadt) verabschiedet. Hartmann ist seit 2012 Dekan der Evangelischen Kirche Mannheim und wird ab 1. Februar 2026 in Stuttgart der Beauftragte der Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg bei Landtag und Landesregierung. „Wir danken Dekan Hartmann für sein prägendes Wirken im Stadtkirchenbezirk Mannheim und wünschen ihm Gottes Segen auch für sein künftiges Engagement an der Schnittstelle von Kirche und Politik“, sagt Synodenvorsitzender Prof. Ralf Daum, der beim Verabschiedungsgottesdienst die Festgemeinde begrüßen wird. An der Feier am 5. Februar wirken auch Dekanstellvertreterin Anne Ressel, Schuldekan Andreas Weisbrod und weitere Mitglieder des Stadtkirchenrats sowie die ehemaligen Synodenvorsitzenden Hannelore Dänzer und Friedhelm Klein und der ehemalige Dekan der Katholischen Kirche Mannheim Karl Jung mit. Grußworte sprechen Oberbürgermeister Christian Specht sowie für die Ökumene und den interkulturellen Dialog der leitende Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Mannheim Pfarrei St. Sebastian Lukas Glocker, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Prof. Deborah Kämper und der Leiter des Mannheimer Instituts für Integration und interreligiöse Arbeit Talat Kamran. Musikalisch wird der Gottesdienst umrahmt von mehr als 50 Sänger:innen aus den evangelischen Kantoreien Mannheims unter Leitung von KMD Johannes Michel sowie Kantorin Marion Krall an der Orgel. Die Kollekte kommt der evangelischen Pfadfinderarbeit in Mannheim zugute. An den Gottesdienst schließt sich ein Empfang an.
Dankbarkeit und Aufbruchsfreude
„Nach 14 Jahren in Mannheim tut mir die Veränderung gut“, sagt Dekan Hartmann. „Ich habe noch sechs bis sieben Jahre Berufsleben vor mir. Das ist jetzt der richtige Zeitpunkt, nochmal etwas Neues zu beginnen. Auf die Zeit in Mannheim blicke ich voll Dankbarkeit.“ Auch wenn insbesondere die letzten sieben Jahre mit den Gebäude- und Strukturthemen durchaus herausfordernd, schwierig und auch schmerzlich gewesen seien, wurden die Veränderungen von Engagierten und Gremien mit großer Loyalität, Realismus und Gestaltungswillen „mitgetragen und verantwortet“, betont Hartmann. Sein tiefer Dank gehöre daher allen, die sich mit ihren Ideen, ihrer Kraft und ihrer Freude für die Vielfalt kirchlichen Lebens einbringen.
Gesellschaftliches Engagement: beeindruckt von den Menschen
Vieles in Mannheim, so Dekan Hartmann, fände im Sinne des biblischen Wortes „Suchet der Stadt Bestes“ in den evangelischen Gemeinden, in der Ökumene und im interreligiösen Dialog statt. Dieses Miteinander sei ihm immer ein „Herzensanliegen“ gewesen. Höhepunkte wie die „Meile der Religionen“, das Reformationsjubiläum und der Ökumenische Kirchentag 2017 sowie die ökumenische Präsenz im MöglichkeitsGarten auf der „traumhaften“ Bundesgartenschau 2023 stünden beispielhaft dafür, wie intensiv sich Menschen mit einbringen. Auch die große, von der Stadtgesellschaft getragene Demonstration „Für Demokratie, Menschlichkeit und Rechtsstaat“ im Jahr 2018 mit über 9.000 Teilnehmenden, aus der der von einem Bürgerbündnis getragene „Demokratiepreis“ erwuchs, stünde für den gesellschaftlichen Gestaltungsaufrag der Kirchen. Trost und Zusammenhalt, so Dekan Hartmann, hätte es anlässlich erschütternder Momente gebraucht, nach denen die Stadtgesellschaft interreligiös zum Gedenken und zu Friedensgebeten zusammenkam. „Das zählt mit zu den beeindruckendsten Momenten meines Lebens: zu erleben, wie die Religionen gemeinsam und spürbar den Friedensweg gehen.“
Prophetischer und aufrüttelnder Einsatz für Gerechtigkeit
Stolz, sagt Hartmann, sei er auf zwei große sozialpolitische Projekte, die die Verbesserung der schwierigen Situation von Menschen in Not und Veränderungen von gesellschaftlichen Missständen einfordern: Die Mannheimer Vesperkirche, die in ihrem Gründungsjahr 1998 auf Themen aufmerksam machte, die jetzt in ihrem 29. Jahr von drängender Aktualität sind: Obdachlosigkeit, Armut und Krankheit. „Wie ein Hilfsangebot für Bedürftige gemeinsam mit dem Diakonischen Werk nachhaltig aufgestellt und dabei geistlich durchdrungen ist, das hat prophetische Anklänge“, sagt Hartmann. Ein ebenso schmerzliches Thema beleuchte seit 2008 die KinderVesperkirche der Evangelischen Kirche Mannheim, die vom Evangelischen Kinder- und Jugendwerk organisiert wird. „Ich bin stolz darauf, dass wir in Mannheim das Thema armutsbetroffene Kinder zu einem Zeitpunkt in die Gesellschaft getragen haben, als es noch tabuisiert war. Was wir seither fordern, hat sich in der Substanz nicht geändert“, betont Hartmann. Die Auswirkungen der sozialen Ungerechtigkeit zeige sich für benachteiligte Kinder sehr deutlich. „Und das macht mir große Sorgen, denn hier geht es auch um unser aller Zukunft.“
„Die tiefen Erfahrungen, die ich dazu in Mannheim gemacht habe, werde ich mit nach Stuttgart nehmen“, betont Dekan Hartmann. Denn auch über diese beispielhaften und wachrüttelnden Hilfsprojekte hinaus sei die kirchliche Perspektive für die politische Ebene und das gesellschaftliche Leben von großer Bedeutung: Mit hoher Kompetenz stehe sie gemeinsam mit ihrem Diakonischen Werk für Gemeinschaft und gelebte Nächstenliebe, Anwartschaft für Benachteiligte, Hilfestellungen in Notsituationen und für gesellschaftlichen Zusammenhalt. So seien beispielsweise die ökumenischen Seelsorgeangebote in Kliniken und bei TelefonSeelsorge und Notfallseelsorge unterschiedslos für alle Menschen rund um die Uhr erreichbar. Vor Ort seien in allen Stadtteilen und Gemeinden Seelsorgende ansprechbar. „All das sind mit den Einladungen zu Gottesdiensten und Miteinander, zu Veranstaltungen, Konzerten und Feiern ganz unmittelbare Wirkungen für die Menschen und für unser Zusammenleben“. Der Verabschiedungsgottesdienst, so Hartmann, stünde für ihn für seine Zeit in Mannheim, für die vielen Gottesdienste, die er in seiner Zeit als Dekan feiern und miterleben konnte – und für die „herausragende“ Kirchenmusik, die weit über Mannheim hinausstrahle.
Zur Person:
Ralph Hartmann wurde 1965 in Mannheim geboren. Seit 1. April 2012 ist er Dekan der Evangelischen Kirche in Mannheim. Seit 2012 ist er Mitglied der Landessynode der Evangelischen Landeskirche Baden und seit 2014 gewähltes Mitglied im Landeskirchenrat. Von 2008 bis 2012 war Hartmann in der Bereichsleitung Grundsatzplanung und Organisationsentwicklung im Evangelischen Oberkirchenrat Baden tätig, von 2006 bis 2007 arbeitete er in der Projektleitung Gemeindeentwicklungskongress der Landeskirche. Von 2000 bis 2012 ging er einer freiberuflichen Tätigkeit als Organisationsberater und Dozent in verschiedenen Unternehmen (überwiegend Autoindustrie) nach. Dem waren von 1999 bis 2000 eine Beurlaubung und Aufbaustudium „Change-Management“ an der Universität Heidelberg und Ausbildung „Systemische Organisationsberatung“ vorausgegangen verbunden mit einer Mitarbeit in der Betrieblichen Bildung und in der Internen Beratung der Daimler AG im Werk Gaggenau. Ralph Hartmann hatte Evangelische Theologie an der Universität Heidelberg studiert. Die praktisch-theologische Ausbildung fand in Karlsruhe und Pforzheim statt, bevor der von 1998 bis 2007 als Gemeindepfarrer in der Michaelisgemeinde Stutensee-Blankenloch arbeitete. Zum 1. Februar 2006 wechselt Pfarrer Ralph Hartmann nach Stuttgart, wo er tätig wird als Beauftragter der Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg bei Landtag und Landesregierung.
Quelle
Foto: de Vos (dv)
Zuletzt aktualisiert am 23. Januar 2026, 09:58



































