
Für den Leiter der Archäologieabteilung, Dr. Tobias Schöneweis, war der Fund ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk: „Der Königsstuhl war für uns Archäologen bisher eine „terra incognita“. Nördlich des Neckars haben wir mit der vorgeschichtlichen Höhensiedlung auf dem Heiligenberg eine große Bandbreite von Funden zu verzeichnen, da ist es eigentlich nur logisch, dass auch im südlichen Bergland etwas zu finden ist – bisher hat nur niemand etwas gefunden.“ Wichtig ist dem Archäologen aber auch zu betonen, das sich von diesem jüngsten Fund nicht automatisch auf weitere Artefakte schließen lässt; „Ein Beil macht noch keine Siedlung“
Allerdings steht schon jetzt fest: Dort, wo der Axtkopf gefunden wurde, hat er nicht die letzten 3.000 Jahre verbracht: Die Fundstelle ist nämlich erst seit dem Bau des Märchenparadieses von 1968 bis 1972 zugänglich – davor lag die lehmige Erdschicht etwa zwei Meter unter dem Bodenniveau. Ob das Fundstück während der Bauarbeiten untergehoben wurde oder gar mit Baumaterial von einem anderen Dort dorthin gebracht, wird wohl zunächst ein Rätsel bleiben.
Werkzeug und Waffe zugleich – das Lappenbeil
„Bei dem Fund handelt es sich um ein so genannten Lappenbeil“, erklärt Dr. Tobias Schöneweis, „bei dieser Form wird als Stiel ein Ast mit einem natürlichen 90-Grad-Winkel verwendet. Das Holz wird vorne gespalten und dann rechts und links am Axtkopf in zwei Lappen geschoben, die sich danach zusammendrücken lassen. Unser Exemplar hat auf der Oberseite noch eine fein gearbeitete Öse, durch die sich ein Lederband ziehen lässt, welches für zusätzliche Stabilität sorgt.“ Das Lappenbeil war in der Bronzezeit Werkzeug zur Holzbearbeitung und Waffe zugleich. Als Alltagsgegenstand weit in den damaligen Kulturen verbreitet, könnte das Beil damals einfach verloren gegangen sein. Ebenfalls denkbar ist eine rituelle Niederlegung, beispielsweise als Opfergabe, das macht zumindest der Fundort auf dem Gipfel des Berges nicht undenkbar.
Heiko Schaub, der als Techniker im Märchenparadies arbeitet, staunte nicht schlecht, als er erfuhr, was er da zusammen mit seinem Kollegen Tunjay Kara ausgegraben hatte: „Wir dachten, es seit vielleicht ein Hammerkopf, der beim Bau der Anlage verloren gegangen ist“, berichtet er, „aber das es sich um ein so altes Werkzeug handelt, das hätte ich nicht gedacht – was für ein Glück, das wir den Fund nicht ins Altmetall geworfen haben.“ Dieses Glück verdankt das Kurpfälzische Museum in erster Linie der Neugier der Männer: „Wir haben ein Foto davon bei Google hochgeladen und mithilfe der KI-Suche schnell gemerkt, dass es sich um etwas wirklich Altes handeln muss“, berichtet Tunjay Kara. Daraufhin haben die Männer vorbildlich gehandelt und das Kurpfälzische Museum informiert.
Als Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Heidelberg ist das Museum mit einer eigenen Archäologieabteilung bestens ausgerüstet, um Bodenfundstücke aus der Vergangenheit zu begutachten. Deshalb müssen auch alle Bauanträge dem Museum vorgelegt werden, bei denen mit Bodeneingriffen in archäologisch relevanten Zonen zu rechnen ist. Diese Stellungnahmen sind verbindlicher Bestandteil der Baugenehmigung. Da es sich bei Archäologischen Funden in der Regel um so genanntes Allgemeingut handelt, sind Finder nach dem Landesdenkmalschutzgesetz aber auch verpflichtet, selbst entdeckte Artefakte dem Museum zu melden.
Was muss ich bei einem ungewöhnlichen Bodenfund unternehmen?
Grundsätzlich sollte man darauf achten, den Fund sorgsam zu behandeln und nicht zu beschädigen. Auch die Suche nach weiteren Gegenständen birgt meist mehr Gefahren als Nutzen und sollte Fachleuten überlassen werden. Wer einen interessanten Fund gemacht hat – beispielsweise bei Bauarbeiten oder im Garten – meldet diesen per E-Mail an museum.archaeologie@heidelberg.de. Telefonisch ist die Abteilung Archäologie und Denkmalschutz unter 06221 / 58 34180 zu erreichen.
Quelle: Stadt Heidelberg
Zuletzt aktualisiert am 16. Januar 2026, 17:00



































