
In vielen Städten verschlingen Mietkosten inzwischen 40 Prozent oder mehr des verfügbaren Einkommens. Während Löhne und Renten nur schleppend steigen, ziehen die Mieten Jahr für Jahr an. Die politische Reaktion darauf bleibt bislang unzureichend. Zwar gibt es Instrumente wie die Mietpreisbremse, doch sie greift zu selten, wird zu lasch kontrolliert und von zahlreichen Ausnahmen ausgehöhlt. Das Ergebnis ist ein Markt, der sich weitgehend selbst überlassen bleibt – mit dramatischen Folgen für breite Bevölkerungsschichten.
Besonders betroffen sind Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen: Alleinerziehende, Rentnerinnen, Studierende, Auszubildende und Beschäftigte in sozialen Berufen. Pflegekräfte, Erzieherinnen oder Verkäuferinnen halten den Alltag am Laufen, können sich aber immer häufiger keine Wohnung mehr in der Nähe ihres Arbeitsplatzes leisten. Die Konsequenzen sind lange Pendelzeiten, soziale Entwurzelung und eine wachsende Existenzangst. Wer um seine Wohnung fürchtet, verliert ein Stück Sicherheit – und damit Vertrauen in Politik und Staat.
Der Wohnungsmarkt folgt längst nicht mehr allein sozialen Bedürfnissen, sondern zunehmend finanziellen Interessen. Wohnungen werden als Anlageobjekte gehandelt, nicht als Lebensraum verstanden. Steigende Renditen für Investoren stehen sinkender Lebensqualität für Mieterinnen und Mieter gegenüber. Dass dieser Zielkonflikt politisch kaum aufgelöst wird, ist kein Zufall, sondern Ausdruck fehlenden politischen Willens.
Angesichts dieser Entwicklung werden Forderungen nach Mietminderungen und entschlossenen Eingriffen in den Markt lauter – und sie sind berechtigt. Wenn Mieten über Jahre hinweg stärker steigen als Einkommen, ist es legitim, staatlich einzugreifen. Temporäre Mietsenkungen bei überhöhten Bestandsmieten, klare Obergrenzen bei Neuvermietungen und eine konsequente Durchsetzung bestehender Gesetze wären ein Signal, dass Politik die Sorgen der Menschen ernst nimmt.
Darüber hinaus braucht es strukturelle Lösungen. Der soziale Wohnungsbau wurde über Jahrzehnte vernachlässigt – mit fatalen Folgen. Öffentliche Hand und Kommunen müssen wieder eine aktive Rolle übernehmen, statt sich auf den freien Markt zu verlassen. Wohnungen gehören in öffentlicher Verantwortung dorthin, wo der Markt versagt. Auch Leerstand und Spekulation dürfen nicht länger hingenommen werden. Wer Wohnraum absichtlich dem Markt entzieht, um Preise zu treiben, handelt nicht unternehmerisch, sondern gesellschaftlich verantwortungslos.
Die Mietkrise ist kein Naturgesetz. Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen – und politischer Untätigkeit. Wenn der Staat weiterhin zusieht, wie Wohnen unbezahlbar wird, riskiert er sozialen Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Frage ist längst nicht mehr, ob eingegriffen werden muss, sondern wie lange man sich noch leisten kann, es nicht zu tun.
Wohnen ist kein Luxus und kein Spekulationsobjekt. Es ist ein Grundrecht. Wer das vergisst, verliert den Blick für die Realität – und für die Menschen, die diese Realität täglich bezahlen.
Zusammenfassung der Problemzone als Beispiel Region Heidelberg / Mannheim:
Konkrete Beispiele und Zahlen aus dem Raum Heidelberg und Mannheim zeigen, wie stark Mietpreise derzeit teilweise über dem liegen, was viele als bezahlbar empfinden — teils weit über dem, was als ortsübliche Mietspiegelwerte gelten oder was Menschen mit durchschnittlichen Einkommen tragen können:
Beispiel Heidelberg: Überzogene Quadratmeterpreise
Mietspiegeldaten Heidelberg 2025 zeigen:
Durchschnittliche Mietpreise liegen bei etwa 15,30 € bis über 18 € pro Quadratmeter in besonders gefragten Lagen.
In Top-Stadtteilen wie Neuenheim-Ost oder Altstadt/Kernaltstadt liegen die Preise oft deutlich über 17 € /m², in manchen Segmenten sogar um 20 € pro Quadratmeter.
Manche Kleinstwohnungen und WG-Zimmer mit 12-15 Quadratmetern werden sogar bis über 35 € /m² auf dem Markt angeboten. Dies überschreitet alle nachvollziehbaren Grenzen des absoluten Wuchers.
Beispielrechnung:
Für eine kleine 50 m²-Wohnung in einer beliebten Heidelberger Lage mit 18 €/m² bedeutet das:
900 € Kaltmiete pro Monat — ohne Nebenkosten, ohne Heizung, ohne Strom. Das ist für viele Haushalte in Heidelberg kaum tragbar.
Ein realer Fall aus Heidelberg zeigte, wie problematisch die Situation sein kann: Eine Familie zahlte 1.530 € für knapp 100 m² Wohnfläche, also effektiv über 15 €/m², obwohl die Wohnung in einem schlechten Zustand war. Weitere vergleichbare Wohnungen kosten auch mal bis 1.800 oder 2.000 Euro, je nach Anzahl der Zimmer.
Beispiel Mannheim: Steigende und oft überdurchschnittliche Mieten
Mietspiegel Mannheim 2025:
In der Stadt liegt die ortsübliche Vergleichsmiete laut Mietspiegel bei etwa 9,19 € / m².
Inserierte Neuvertragsmieten liegen aber häufig deutlich darüber, teils bei 10 €/m² und mehr – in gefragten Lagen sogar im mittleren zweistelligen Bereich.
Alltagsbeispiele aus der Praxis:
Ein Apartment mit ca. 47 m² (1-Zimmer) im Innenstadtbereich wurde öffentlich mit Neuvertragsmieten um 14-15 €/m² angekündigt, also deutlich über ortsüblicher Vergleichsmiete.
Wer sucht stellt fest, dass es nicht unüblich ist, um 800-900 € Warmmiete für eine normal ausgestattete 1-2-Zimmer-Wohnung zahlen zu müssen – teilweise deutlich über dem durchschnittlichen Mietpreisniveau.
Günstigere Wohnungen sind in vielen Stadtteilen rar und dazu vergleichsweise klein.
In anderen Städten der Region und in den meisten Gegenden darüberhinaus zeigt sich ein ähnliches Bild.
Warum diese Zahlen problematisch sind:
Die ortsübliche Vergleichsmiete in Mannheim liegt im Mietspiegel bei ~9,19 €/m² – tatsächlich verlangt werden oft 10 €/m² oder mehr bei Neuverträgen.
In Heidelberg übersteigen die Mietpreise in vielen beliebten Stadtteilen regelmäßig 17–18 €/m² – deutlich über dem Baden-Württemberg- und Bundesdurchschnitt.
Wohnungen in schlechterem Zustand werden zu Preisen vermietet, die den gesetzlichen Vorgaben einer ortsüblichen Vergleichsmiete teilweise widersprechen, wie konkrete Einzelfälle zeigen.
Heidelberg ca. 15,3 – 18 €/m² bis 20 €/m² in Toplagen. überzogene Preise für Durchschnittsverdiener schwer tragbar.
Mannheim ca. 9,19 €/m² teils 10 – 15 €/m² bei Neuverträgen. Viele Mieten deutlich über Vergleichswerten
Warum das besonders belastend ist
Für Studierende, Auszubildende und Geringverdiener sind Mieten über 15 €/m² in Heidelberg faktisch unerschwinglich, wenn gleichzeitig Einkommen niedriger ausfallen.
In Mannheim zahlt man oft mehr als die ortsübliche Vergleichsmiete – und damit über dem, was viele Haushalte mit begrenztem Budget tragen können.
Anbieter umgehen mit Möblierung oder befristeten Mietverträgen teilweise gesetzliche Mietpreisbremsen – ein gängiges Problem in Hot-Spots. (Berichte aus Betroffenen-Foren)
Politische Forderungen zur Mietenreduzierung
1. Gesetzlich verbindliche Mietobergrenzen statt unverbindlicher Empfehlungen
Die Mietpreisbremse in ihrer jetzigen Form hat versagt. Notwendig sind verbindliche, einklagbare Mietobergrenzen, die sich strikt an der ortsüblichen Vergleichsmiete orientieren. Neuvermietungen dürfen diese Obergrenzen nicht überschreiten. Ausnahmen müssen drastisch reduziert werden, um Umgehungen zu verhindern.
2. Aktive Mietsenkungen bei überhöhten Bestandsmieten
Wo Mieten nachweislich deutlich über dem Mietspiegel liegen, müssen verpflichtende Mietreduzierungen möglich sein. Wohnen darf kein Selbstläufer für Renditen bleiben, wenn die soziale Belastungsgrenze überschritten ist. Staatliche Stellen müssen befugt sein, korrigierend einzugreifen.
3. Stärkung der Mieterrechte und erleichterte Rechtsdurchsetzung
Mieterinnen und Mieter brauchen mehr Schutz und weniger Bürokratie. Verfahren zur Mietüberprüfung müssen vereinfacht, Fristen verkürzt und Beweislasten zugunsten der Mieter verschoben werden. Mietwucher darf nicht länger folgenlos bleiben.
4. Massiver Ausbau des kommunalen und sozialen Wohnungsbaus
Der Staat muss wieder selbst Verantwortung übernehmen. Öffentliche Wohnungsbaugesellschaften sollen dauerhaft bezahlbaren Wohnraum schaffen, der dem spekulativen Markt entzogen ist. Ziel muss es sein, Wohnen als öffentliche Daseinsvorsorge zu begreifen – nicht als Renditeobjekt.
5. Konsequentes Vorgehen gegen Leerstand und Spekulation
Leerstehender Wohnraum in angespannten Wohnungsmärkten ist sozial nicht vertretbar. Hohe Strafabgaben auf spekulativen Leerstand sowie klare Zweckentfremdungsverbote müssen konsequent umgesetzt werden. Wohnraum gehört genutzt – nicht gehortet.
6. Begrenzung von Mieterhöhungen im laufenden Mietverhältnis
Mieterhöhungen müssen stärker gedeckelt werden – insbesondere in Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt. Erhöhungen oberhalb der Inflationsrate dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen zulässig sein.
7. Abschaffung missbräuchlicher Möblierungs- und Befristungsmodelle
Möblierte Wohnungen und kurzfristige Befristungen werden häufig genutzt, um Mietregulierungen zu umgehen. Hier braucht es klare gesetzliche Grenzen und eine verpflichtende Offenlegung der tatsächlichen Mietbestandteile.
8. Transparente und verpflichtende Mietspiegel
Mietspiegel müssen flächendeckend, aktuell und rechtlich bindend sein. Ohne transparente Vergleichswerte bleiben viele Mieter schutzlos. Kommunen müssen verpflichtet werden, qualifizierte Mietspiegel regelmäßig zu erstellen.
9. Sozial gerechte Förderpolitik statt Subventionierung hoher Mieten
Staatliche Hilfen dürfen nicht indirekt überhöhte Mieten stabilisieren. Förderprogramme müssen an Mietpreisbindungen gekoppelt sein. Öffentliche Gelder dürfen nur dort eingesetzt werden, wo sie dauerhaft bezahlbaren Wohnraum sichern.
10. Wohnen als Grundrecht gesetzlich verankern
Langfristig braucht es ein klares politisches Signal: Wohnen ist ein soziales Grundrecht. Diese Verankerung würde staatliche Verantwortung stärken und Mieterschutz rechtlich auf eine neue Ebene heben.
Kernbotschaft:
Mieten lassen sich nicht allein dem Markt überlassen. Wer bezahlbares Wohnen will, muss bereit sein, konsequent zu regulieren, zu investieren und soziale Verantwortung über Renditeinteressen zu stellen.
Soziale Vermieter und Miethaie – Zwei Seiten des Wohnungsmarktes
Der Wohnungsmarkt ist für viele Menschen ein zentrales Thema, denn bezahlbarer und sicherer Wohnraum gehört zu den grundlegenden Bedürfnissen. Dabei treten sehr unterschiedliche Arten von Vermietern auf. Besonders häufig wird zwischen sozialen Vermietern und sogenannten „Miethaien“ unterschieden. Diese Begriffe stehen für gegensätzliche Haltungen und Praktiken im Umgang mit Mieterinnen und Mietern.
Was sind soziale Vermieter?
Soziale Vermieter stellen nicht den maximalen Profit, sondern den Menschen in den Mittelpunkt. Dazu zählen häufig kommunale Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften, Stiftungen oder private Vermieter mit sozialem Anspruch.
Typische Merkmale sozialer Vermieter sind:
Faire und bezahlbare Mieten, oft unter dem Marktdurchschnitt
Langfristige Mietverhältnisse und Sicherheit für die Mieter
Transparente Kommunikation und klare Verträge
Instandhaltung und Modernisierung, ohne Mieten unverhältnismäßig zu erhöhen
Soziale Verantwortung, z. B. Rücksicht auf einkommensschwache Haushalte, Familien oder ältere Menschen
Soziale Vermieter tragen dazu bei, soziale Durchmischung in Stadtteilen zu erhalten und Wohnungsnot entgegenzuwirken.
Was versteht man unter „Miethaien“?
Der Begriff „Miethai“ ist umgangssprachlich und beschreibt Vermieter, die Wohnraum vor allem zur Gewinnmaximierung nutzen – oft auf Kosten der Mieter. Er wird meist negativ verwendet und ist kein juristischer Begriff.
Typische Verhaltensweisen von „Miethaien“:
Überhöhte Mieten, besonders in angespannten Wohnungsmärkten
Ausnutzung von Notlagen, z. B. bei Wohnungsknappheit
Vernachlässigung von Reparaturen und schlechtem Wohnzustand
Druck auf Mieter, etwa durch häufige Mieterhöhungen oder Kündigungsdrohungen
Intransparente oder rechtlich fragwürdige Praktiken
Solche Vermietungsformen können zu Verdrängung, sozialer Ungleichheit und Wohnungsunsicherheit führen.
Gesellschaftliche Auswirkungen
Der Gegensatz zwischen sozialen Vermietern und Miethaien zeigt sich besonders in Großstädten. Steigende Mieten können dazu führen, dass Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen aus ihren Vierteln verdrängt werden. Soziale Vermieter wirken diesem Trend entgegen, während rein profitorientierte Praktiken die Spaltung der Gesellschaft verstärken können.
Wohnungsmarkt in der Krise
Bezahlbarer Wohnraum gilt in Deutschland weiterhin als eines der dringendsten sozialen Probleme. Studien zeigen, dass hohe Mieten und Wohnungsmangel als zentrale Herausforderungen empfunden werden – z. B. sehen 65 % der Deutschen zu hohe Mieten als Problem an, und 36 % beklagen zu wenig Neubau. 71 % meinen, der Politik müsse mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Wohnen legen. Nur 15 % glauben, dass Deutschland auf dem richtigen Weg sei.
Die politischen Versprechen der letzten Jahre stehen in diesem Kontext – mit hohen Erwartungen aus der Bevölkerung und wahrgenommenen und messbar enttäuschenden Ergebnissen.
Wichtige politische Versprechen und ihre verfehlte Umsetzung
Versprechen: 5 Mrd. € für sozialen Wohnungsbau (2019)
Angela Merkel (CDU) kündigte 2019 an, bis 2021 fünf Milliarden Euro zusätzlich für sozialen Wohnungsbau bereitzustellen, um den Wohnungsmarkt zu entlasten.
Zwar wurden Mittel zugesagt, doch das Ziel, dadurch die Knappheit deutlich zu dämpfen, wurde nur unzureichend erreicht. Sozialwohnungen sind weiterhin Mangelware, und die eigentlichen Bauzahlen blieben hinter dem Bedarf zurück.
Versprechen: Bau von 400.000 Wohnungen pro Jahr
Dieses Ziel wurde in mehreren Legislaturperioden als zentrale Lösung für bezahlbaren Wohnraum genannt (unter anderem von Olaf Scholz im Bundestagswahlkampf 2021 und auch in Folgeperioden).
Tatsächliche Umsetzung:
Die tatsächliche Zahl der fertiggestellten Wohnungen blieb deutlich unter dem Ziel: 295.000 (z. B. 2023) statt 400.000.
Für 2024 und 2025 lagen die Zahlen noch niedriger (z. B. rund 252.000 in 2024).
Das Versprechen wurde mehrfach wiederholt, aber konsequent verfehlt – was oft auf hohe Baukosten, Zinsdruck, Bürokratie und mangelnde Planungskapazitäten zurückgeführt wird.
Mietpreisbremse und Verlängerung/Erweiterung
Die Mietpreisbremse sollte Mietsteigerungen eindämmen. 2025 wurde eine Verlängerung geplant und sogar eine Ausweitung auf bis 2019 gebaute Wohnungen vorgeschlagen, um mehr Bestandsmieten zu decken.
Bewertung: Die Maßnahme wirkt begrenzt. Zwar wurde der Anwendungsbereich erweitert, aber Experten und Branchenvertreter argumentieren, dass solche Regulierungen den Neubau eher bremsen als bezahlbaren Bestand schaffen.
„Bau-Turbo“ und Bürokratieabbau
2025 wurde ein sogenannter „Bau-Turbo“ beschlossen, um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und den Wohnungsbau zu entlasten Dies hat nichts gebracht, weil steigende Baukosten zu weniger neuem Wohnraum geführt haben.
Ergebnis:
Prognosen warnen, dass trotzdem weniger Wohnungen gebaut werden als benötigt (nur ca. 215.000 in 2026 laut IW-Prognose).
Dies zeigt die Grenzen von Strukturreformen, wenn grundlegende Probleme wie Baukosten und Fachkräftemangel nicht gelöst werden.
Analyse: Gründe für enttäuschte Versprechen
1. Unrealistische Ziele ohne passende Instrumente
Viele Versprechen betonten nur quantitative Ziele (z. B. „400.000 Wohnungen“), aber ohne klare, realistische Maßnahmen zur Finanzierung, Genehmigung und Kostenkontrolle.
2. Unzureichende soziale Wohnungsförderung
Trotz Versprechen flossen oft zu wenige Mittel in sozialen Wohnungsbau im klassischen Sinne (z. B. Gemeinnützige/Sozialwohnungen). Kritik besteht, dass Programme zu stark auf Marktanreize und zu wenig auf gemeinnützige Lösungen setzen.
3. Mietregulierung vs. Neubau-Anreize
Politische Debatten schwanken zwischen Regulierung (Mietpreisbremse, Deckel) und Marktanreizen (Bauvereinfachungen, Steuer-/Förderprogramme). Die Balance wurde oft nicht gefunden oder führte zu widersprüchlichen Effekten.
4. Politische Prioritätensetzung & Wahlkampfrollen
Vor Wahlen wird das Thema Wohnen oft betont – im Wahlkampf 2025 wurde es laut manchen Analysen dennoch viel zu wenig fokussiert im Vergleich zu anderen Themen.
5. Gesellschaftliche Folgen
Wachsende Skepsis der Bevölkerung: Viele Menschen glauben, dass die Politik den Wohnungsmarkt nicht effektiv steuert.
Mieten steigen trotz Versprechen: Teure Wohnungen und der Zugang zu Eigentum bleiben für viele eine Utopie.
Politische Unzufriedenheit: Das Thema wird auch von politischen Extremen instrumentalisiert, da reguläre Parteien als ineffektiv wahrgenommen werden.
5. Schlussfolgerung zum politischen Vorgehen
Zwischen 2019 und 2025 wurden vielfach ambitionierte Versprechen zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum gemacht. Doch zahlreiche versprochene Ziele wurden nicht erreicht oder nur unzureichend umgesetzt.
Ursachen:
zu ambitionierte, nicht realistisch finanzierte Ziele, unzureichende sozialpolitische Maßnahmen, mangelnde Entbürokratisierung und Kostenkontrolle, politisch taktische Vielstimmigkeit statt langfristiger Strategie.
Das Ergebnis: Mieter und Wohnungsuchende erleben weiterhin steigende Kosten und knappen Wohnraum, während politische Antworten häufig zu langsam oder zu unkoordiniert kommen.
Migration als Faktor beim Mangel an Wohnraum – eine Einordnung
1. Grundsätzliches
Migration wird in politischen und gesellschaftlichen Debatten häufig als Ursache für Wohnraummangel genannt. Tatsächlich kann Migration den Druck auf den Wohnungsmarkt erhöhen, sie ist jedoch nicht die Hauptursache, sondern wirkt verstärkend auf bereits bestehende strukturelle Probleme.
2. Wie Migration den Wohnungsmarkt beeinflussen kann
a) Zusätzliche Nachfrage, vor allem in Städten
Neu zugewanderte Menschen ziehen überwiegend in Ballungsräume, weil dort Arbeitsplätze, soziale Netzwerke, Beratungs- und Integrationsangebote vorhanden sind.
Genau dort herrscht bereits seit Jahren Wohnungsknappheit.
Besonders betroffen sind günstige Mietwohnungen, kleine Wohnungen sowie kommunaler und sozialer Wohnraum.
Folge: Es entsteht Konkurrenz um ohnehin knappe Wohnungen im unteren Preissegment.
b) Kommunale Unterbringung als Übergangslösung
Geflüchtete werden oft zunächst in Sammelunterkünften, Turnhalle und Containeranlagen untergebracht. Langfristig sollen sie in den regulären Wohnungsmarkt wechseln.
Wenn aber kein Wohnraum vorhanden ist, bleiben Übergangslösungen bestehen oder Kommunen konkurrieren mit einkommensschwachen Einheimischen um Wohnungen.
Das Problem liegt nicht in der Migration selbst, sondern im fehlenden Wohnungsangebot.
c) Soziale Spannungen
Wenn Wohnraum knapp ist, entsteht der Eindruck:
„Für Migranten ist Platz, für andere nicht.“
Dieser Eindruck entsteht besonders dann, wenn Politik schlecht kommuniziert wird, Kommunen überfordert sind, soziale Wohnungsbauprogramme fehlen.
Das verstärkt gesellschaftliche Konflikte, obwohl die Ursache strukturell ist.
3. Warum Migration nicht die Hauptursache ist
a) Wohnraummangel existierte schon vorher
Schon vor 2015 gab es zu wenig sozialen Wohnungsbau, steigende Mieten und Privatisierung kommunaler Wohnungen.
Migration traf auf einen bereits kaputtgesparten Wohnungsmarkt.
b) Politische Versäumnisse
Zentrale Ursachen des Mangels sind jahrelang zu geringer Neubau, Wegfall von Sozialwohnungen (Bindungen laufen aus), hohe Baukosten, lange Genehmigungsverfahren, Fokus auf Eigentum und Luxusbau statt günstige Mietwohnungen.
Migration macht diese Fehler sichtbarer, verursacht sie aber nicht.
c) Wirtschaftlicher Beitrag von Migration
Viele Migrantinnen und Migranten arbeiten im Baugewerbe, im Handwerk, in Pflege und Dienstleistung.
Langfristig tragen sie zum Wohnungsbau und zur Finanzierung des Sozialstaats bei.
4. Politische Instrumentalisierung
Migration wird häufig als Sündenbock genutzt, weil Wohnungsbau komplex ist, Lösungen lange dauern, Schuldzuweisungen politisch einfacher sind als Strukturreformen.
Das lenkt von zentralen Fragen ab:
Warum wurde zu wenig gebaut?
Warum gibt es so wenig sozialen Wohnraum?
Warum fehlt kommunale Planungssicherheit?
5. Migrationsfazit:
Migration ist ein verstärkender Faktor, aber nicht die Ursache des Mangels an bezahlbarem Wohnraum.
Gesamtfazit
Soziale Vermieter und „Miethaie“ stehen sinnbildlich für zwei sehr unterschiedliche Auffassungen von Wohnen: Als Grundrecht oder als reines Anlageobjekt. Um langfristig bezahlbaren Wohnraum zu sichern, sind politische Rahmenbedingungen, Mieterschutz und die Förderung sozialer Wohnungsmodelle entscheidend. Gleichzeitig hilft Aufklärung Mietern dabei, ihre Rechte zu kennen und sich gegen Missbrauch zu wehren. Zudem ist die Politik scheinbar unwillig in den Mietenmarkt einzugreifen, um die Gesamtbevölkerung zu schützen. Dieses politische Versagen ist ein Hauptgrund dafür, dasss viele Menschen mittlerweile unter Wohnungsarmut leiden und Wohnungseigentümer ihre Mieten auf unmoralische Weise ins Unermessliche treiben können. Migration hat ebenfalls zur Wohnungsknappheit beigetragen, im Gesamtkontext ist jedoch ein überwiegend politstrukturelles und moralisches Versagen durch einen hauptsächlich profitorientierten Wohnungsmarkt ausschlaggebend.
Die Politik hat jahrzehntelang nicht darauf geachtet, einen bezahlbaren Wohnraum für die Gesamtbevölkerung und im Hinblick auf Migration und Zuwanderung zu schaffen und zu fördern, sondern sie hat durch mehr und mehr Richtlinien und Auflagen beim Wohnungsbau zu steigenden Endkosten und Mietpreisen beigetragen. Deshalb ist der Mietpreiswucher auf ein langanhaltendes und kollektives Staatsversagen im Sinne des elitenfördernden Kapitalismus zurückzuführen. Trotz vielfacher Warnungen von Experten im Bereich des sozialen Wohnungsbaus, ist die Regulierung des Wohnungsmarktes seit langer Zeit nicht im Sinne eines sozialen und erschwinglichen Lebens für die Bevölkerung umstrukturiert worden, was zur derzeitigen Wohnungsknappheit und Mietkrise geführt hat.
(rbe/küig)
Zuletzt aktualisiert am 20. Dezember 2025, 10:34



































