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Manfred Schnabel quer

Mannheim – Jahresschlussempfang 2025 – IHK-Präsident fordert „Agenda 2035″

Manfred Schnabel querMannheim / Metropolregion Rhein-Neckar, 11. Dezember 2025. Mit einem eindringlichen Appell für tiefgreifende politische Reformen hat der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, Manfred Schnabel, den IHK-Jahresschlussempfang 2025 eröffnet. Er zog eine nüchterne Bilanz der wirtschaftlichen Lage Deutschlands und präsentierte zugleich eine Vision für die Zukunft des Landes und des Standorts.

Ernüchternde Bestandsaufnahme

Die vielbeschworene Wirtschaftswende sei nicht geschafft, stellte der IHK-Präsident vor rund 700 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Hochschulen, Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Gesellschaft fest. Er verwies auf zentrale Kennzahlen: ein sinkendes Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, schwache Exporte, geringe Auslastung in vielen Branchen, ausufernde Staatsausgaben und ein Potenzialwachstum nahe Null. Auch der internationale Vergleich falle ernüchternd aus. Wachstumsschübe in den USA und China zeigten, wie sehr Europa und vor allem Deutschland ins Hintertreffen geraten sei. Viele Industriebetriebe dächten laut einer BDI-Umfrage über die Verlagerung von Produktion ins Ausland nach.

Trotzdem betonte der Präsident die noch vorhandenen Stärken des Standorts, vor allem eine forschungsstarke Unternehmenslandschaft, Hidden Champions, die duale Ausbildung und die nach wie vor hohe Kreditwürdigkeit des Staates.

Fünf strukturelle Problemfelder

Der IHK-Präsident identifizierte fünf zentrale Belastungen für den Standort:

1. Finanzen: Rechne man Sonderschulden mit ein, sei jeder dritte Euro in den kommenden Bundeshaushalten schuldenfinanziert. „Wir verspielen unsere Kreditwürdigkeit“, warnte Schnabel. Mit einer prognostizierten Staatsschuldenquote von rund 90 Prozent drohe ein deutlich höheres Zinsniveau. Studien gingen davon aus, dass Mitte des nächsten Jahrzehnts weniger als fünf Prozent frei verfügbare Mittel zur Gestaltung bleiben würden. Er warnte daher vor einem „versteinerten Haushalt“ und erodierender Handlungsfähigkeit.

2. Arbeitskosten: Das Problem liege vor allem bei den steigenden Lohnnebenkosten aufgrund ausbleibender Reformen der Sozialsysteme. Als aktuelles Beispiel nannte der IHK-Präsident die beschlossene Rentenreform: „Wir laufen los, aber in die falsche Richtung.“

3. Regulatorik: Schnabel zitierte den ehemaligen Verfassungsrichter Udo di Fabio, der Regulatoriken wie das Lieferkettengesetz als verfassungsrechtlich fragwürdig bewerte. Der Grund: Sie operierten mit unklaren Rechtsbegriffen und kehrten die Beweislast um. Dieses Vorgehen auf die Straßenverkehrsordnung übertragen heiße: „Sie wissen als Autofahrer zwar, dass ein Tempolimit gilt. Sie wissen aber nicht, in welcher Höhe genau. Der Staat zwingt die Autofahrer nun, ihre Geschwindigkeit minutiös zu dokumentieren. Und irgendwann kommt der Staat und kontrolliert, schaut sich Ihre Dokumentation genau an und stellt fest: Puh, da und da haben Sie die Geschwindigkeit überschritten und deshalb gibt es jetzt ein Bußgeld“, so der IHK-Präsident. Neben den genannten Problemen drücke sich in solch einer Politik ein grundlegendes Misstrauen gegenüber Unternehmen aus. Seine Forderung: Zu einer Kultur des Vertrauens zurückzukehren. Denn ohne solch eine Kultur gibt es keine unternehmerische Freiheit und damit auch keine Marktwirtschaft mit all ihren Segnungen.

4. Energiekosten: Die deutsche Klimapolitik habe zu extrem hohen Grenzkosten bei der CO2-Vermeidung geführt. „Wir sind zum Negativbeispiel geworden“, so Schnabel. Die IHK-Organisation habe in ihrer „Plan-B-Studie“ gezeigt, dass sich durch eine marktwirtschaftlich ausgerichtete Klimapolitik bis 2050 mehr als eine Billion Euro einsparen lassen könne – bei gleichen Emissionszielen!

5. Internationale strategische Wettbewerbsposition: Deutschland und Europa sei ein „Spielball der Weltläufe geworden“. Auf Veränderungen wie die zunehmende Abhängig von China oder veränderte Sicherheitslagen habe man sich nicht strategisch vorbereitet.

Vision und Agenda 2035

Der IHK-Präsident zeichnete eine Vision des Landes und des Standorts. Diese umfasse unter anderem ein Land mit nachhaltiger Finanzpolitik über Generationen hinweg, positiver Arbeitskultur, einem wirtschaftsfreundlichen und politisch stark aufgestellten Europa, günstiger und sauberer Energie sowie einer starken Position in der Weltspitzengruppe.

Um diese Vision zu realisieren, brauche es eine „Agenda 2035″. Mit diesem Namen knüpfte Schnabel bewusst an die Agenda 2010 der Regierung Schröder an, die gezeigt habe, dass Deutschland zu Reformen fähig sei. Für die notwendige Agenda 2035 müsse Deutschland einerseits seine Stärken bewahren – Kreditwürdigkeit, duale Ausbildung, Mittelstand – und andererseits von Anderen lernen, um die Schwächen anzugehen: vom dänischen Arbeitsmarkt, dem schwedischen Rentensystem, dem estnischen E-Government und der US-amerikanischen Innovationskraft.

Europa als Schlüssel

Um die internationale strategische Wettbewerbsposition zu verbessern, sei ein europäischer Schulterschluss nötig. „Nur gemeinsam mit unseren europäischen Partnern bringen wir solch ein Gewicht auf die Waagschale, dass Mächte wie die USA oder China uns ansatzweise ernst nehmen“, betonte der IHK-Präsident. Die EU müsse sich auf zwei Kernaufgaben fokussieren: Vollendung des EU-Binnenmarkts und den Abschluss von Handelsabkommen, um unsere Beziehungen mit anderen Ländern und Regionen zu stärken. Der IWF habe errechnet, dass bürokratische Handelsbarrieren innerhalb des Binnenmarkts bei Waren einem Zoll von 44 Prozent, bei Dienstleistungen sogar von 110 Prozent entsprechen. „Hier ist noch viel zu holen“, so Schnabel.

Appell: „Update des Betriebssystems“ notwendig

In seinem Schlussappell betonte der IHK-Präsident: „Unser Betriebssystem ist gut – die soziale Marktwirtschaft. Aber jedes noch so gute Betriebssystem braucht irgendwann ein großes Update, bei dem alte Softwareteile radikal entschlackt werden und neue zukunftweisende Funktionen implementiert werden, sodass moderne Hardware lauffähig wird. Und genau an diesem Punkt stehen wir heute.“

Dieses Update werde Kraft kosten, aber es seien lohnenswerte Investitionen in die Zukunft. Mit einem Aufruf zum gemeinsamen Handeln schloss Schnabel: „Packen wir dieses Update gemeinsam an! Gestalten wir die Reformen, die unser Land braucht! Und ziehen wir Andere mit – durch Zuversicht, Tatkraft und Mut zur Veränderung.“

Quelle IHK Rhein-Neckar.

Zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2025, 11:23

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