
Mannheim / Metropolregion Rhein-Neckar(red/ak) – Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie: Jane Campion
16. bis 18. Januar 2026 – Mit DAS PIANO landete Jane Campion im Jahr 1993 einen Überraschungscoup, der mit der Goldenen Palme, drei Oscars, Kritikerlob und einem Erfolg an der Kinokasse belohnt wurde. 2021 wurde THE POWER OF THE DOG, eine Netflix-Produktion, auf dem Filmfestival Venedig mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie und 2022 mit dem Golden Globe und mit dem Oscar für die beste Regie ausgezeichnet; 2024 erhielt Jane Campion beim Locarno Film Festival den Goldenen Ehrenleopard. So wurde die Filmwelt in den letzten Jahren erneut darauf aufmerksam, wie brillant Campion die Rollen der Frauen in von Männern dominierten Gesellschaften auf allen Kontinenten und zu völlig verschiedenen Zeiten zu schildern vermag. Dabei porträtiert sie ihre Protagonistinnen als Frauen der Stärke unter widrigen Umständen – oder als Leidtragende der (männlichen) Gegebenheiten, die ihre Selbstbehauptung erlangen.
Sie findet immer wieder und immer wieder neu eine Bildsprache des „Female Gaze“ jenseits der Konventionen des Mainstream-Hollywoodfilms und vertritt feministische Positionen, die nicht plakativ ausgestellt, sondern subtil in spannenden Geschichten versteckt werden. Ihre Filme sind besonders prädestiniert, aus diesen Perspektiven Analysen und Diskussionsthemen zu entwickeln.
Im diesjährigen 23. Mannheimer Filmseminar Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie zeichnen wir den Werdegang der Filmemacherin seit ihren Anfängen nach – so kann diese herausragende Filmkünstlerin (neu) entdeckt werden.
Mit Marisa Buovolo haben wir für das Eröffnungsreferat die Autorin der ersten Monografie in deutscher Sprache über Jane Campion gewinnen können. Neu ist, dass unser Gast Marcus Stiglegger die Rolle des Moderators und Diskussionsleiters übernehmen wird.
Gerhard Schneider und Peter Bär (Organisatoren der Mannheimer Filmseminare)
Vorblick:
So. 11.01.2026, 19:30 Uhr
Portrait of a Lady
USA/GBR 1996. R: Jane Campion. D: Nicole Kidman, John Malkovich, Barbara Hershey, Mary-Louise Parker. 144 Min. EnglOmdtU. FSK: 12
1872 zieht die junge Amerikanerin Isabel Archer auf den Landsitz ihrer englischen Familie, wo sich alsbald verschiedene Männer mit Heiratsanträgen an sie wenden. Immerhin findet sie in ihrem tuberkulosekranken Cousin einen Seelenverwandten. Nach einer überraschenden Erbschaft reist sie nach Italien und lernt den mittellosen Kunstsammler und Lebemann Gilbert Osmond kennen, der eine ähnliche Haltung wider die Konventionen zu haben scheint wie sie. Die beiden heiraten – doch Gilbert entpuppt sich als kleingeistig, lieblos und chauvinistisch…
In ihrer Henry-James-Verfilmung blickt Campion in Form eines opulenten Historiendramas auf den Konflikt zwischen Statusdenken und Unabhängigkeit. „Eine äußerst konzentrierte und disziplinierte Regisseurin, die ihren Willen auf ein beeindruckendes Material einwirken lässt. Kidman ist in ihrer Rolle als Isabel alles, was man sich wünschen kann – aufgeweckt, wachsam, optimistisch.“ (Variety)
Gewinner des Pasinetti-Preis für den besten Film in Venedig.
Der Film läuft als Vorblick auf das 23. Mannheimer Filmseminar. Der Besuch dieses Films ist nicht in der Teilnahmegebühr des Filmseminars enthalten.
Filmseminar: Freitag, den 16. bis Sonntag, den 18. Januar 2026
Fr. 16.01.2026
18:30 Uhr: Film 1
Das Piano
AUS/NZL/FRA 1993. R: Jane Campion. D: Holly Hunter, Harvey Keitel, Sam Neill, Anna Paquin. 121 Min. DF. FSK: 12
Ein großes poetisches Melodram um weibliche Selbstfindung und -befreiung: Im 19. Jahrhundert wird die stumme Witwe Ada von Schottland nach Neuseeland verheiratet. Der neue, unbekannte Ehemann ist ihr, ihrer Tochter und ihrem Piano gegenüber gleichgültig – der Nachbar dagegen interessiert sich für Adas Klavierspiel. Und für Ada selbst. Ada, gefangen in einem sprachlosen Körper, findet sich in einem verhängnisvollen Dreiecksbeziehung wieder zwischen zwei Männern, zwischen Leidenschaft und Ruppigkeit, zwischen Pianomusik und Urwald: „Alle Komponenten wirken zusammen, damit atmosphärische Dichte, Intimität mit den Personen und ihren Verwicklungen und ein suggestiver Fluss der Erzählung entstehen.“ (Filmdienst)
DAS PIANO wurde unter anderem mit der Goldenen Palme und drei Oscars ausgezeichnet.
21:00 Uhr: Film 2
In the Cut
USA/GBR/AUS 2003. R: Jane Campion. D: Meg Ryan, Mark Ruffalo, Jennifer Jason Lee, Kevin Bacon. 119 Min. DF. FSK: 16
Die alleinstehende Frannie Avery lebt ein zufriedenes Leben ohne viele Sozialkontakte. Dann sieht sie in einer Bar, wie eine Frau einen Mann oral befriedigt – der Mann hat am Handgelenk eine Tätowierung. Kurz darauf wird die Frau vor Frannies Haus tot aufgefunden, ermordet von einem Serienkiller. Frannie lernt Detective Giovanni Malloy kennen, die beiden gehen eine leidenschaftliche Affäre miteinander ein. Und Malloy hat ein Tattoo am Handgelenk…
Campion liefert einen spannenden Erotikthriller, in dem sie Fragen nach dem Wert und den Möglichkeiten von Beziehungen wie auch nach weiblicher Begierde und sexueller Besessenheit behandelt: eine Frau mit ihren eigenen Wünschen in einer Welt unberechenbarer, aggressiver Männlichkeit. „Wie Campion weibliches Begehren zwischen Liebessehnsucht und Hunger nach Sex, zwischen romantischem Traum und kalter Realität umsetzt, das ist herausragendes Kino.“ (Tages-Anzeiger)
SA. 17.01.2026
Moderation des Programms und Diskussionsleitung: Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Filmwissenschaftler, Mainz
09:15 Uhr: Vortrag 1
Texturen der Intimität. Filmische Berührungen im Universum Jane Campions
Marisa Buovolo, Filmwissenschaftlerin, Hamburg
11:30 Uhr: Vortrag 2
DAS PIANO – Wenn Leidenschaft Leiden schafft.
Marie-Luise Waldhausen und Christoph E. Walker, Psychoanalytiker, Entringen
12:15 Uhr: 1. Diskussionsrunde
14.30 Uhr: Film 3
Holy Smoke
USA/AUS 1999. R: Jane Campion. D: Kate Winslet, Harvey Keitel, Julie Hamilton, Sophie Lee, Pam Grier. 115 Min. DF. FSK: 12
Auf einer Indienreise wurde Ruth Anhängerin einer Sekte – zum Missfallen ihrer australischen Familie, die sie unter dem Vorwand einer tödlichen Erkrankung des Vaters zurücklockt. Der amerikanische Sektenexperte P. J. Waters soll Ruth von ihrem spirituellen Wahn heilen: Isoliert im Outback versucht er, ein machohafter Playboy, die eigenwillige Ruth zu „normalisieren“, doch sie hält dagegen. Zwischen Provokationen, Handgreiflichkeiten und gegenseitigen Erniedrigungen entwickeln sich sexuelle Begegnungen, die P. J. mehr und mehr für Liebe hält…
Rund um spirituelle Erleuchtung und gesellschaftlichen Zwang entwickelt Jane Campion einen Macht- und Geschlechterkampf, in dem sie auf komplexe Weise immer wieder die Stimmungslagen wechselt: „Dieser in jeder Hinsicht originelle, oft schwierige Film über Familie, Beziehungen, Sexualpolitik, spirituelle Suche, Glauben und Obsessionen erkundet die anhaltenden Faszinationen der Regisseurin auf aufregend unkonventionelle Weise.“ (Variety)
17:00 Uhr: Vortrag 3
Feuer und Verführung – Zu HOLY SMOKE
Ceren Doğan, Psychoanalytikerin, Heidelberg
17:45 Uhr: Vortrag 4
Macht, Lust und Machtverlust: Dynamik und Inszenierung weiblichen Begehrens in IN THE CUT
Lioba Schlösser, Filmwissenschaftlerin, Köln
18:30 Uhr: 2. Diskussionsrunde
20:45 Uhr: Film 4
Ein Engel an meiner Tafel
NZL/AUS/GBR 199. R: Jane Campion. D: Kerry Fox, Alexia Keogh, Karen Fergusson. 155 Min. DF. FSK: 12
Die Geschichte einer Frau, der das Schreiben wahrscheinlich das Leben gerettet hat: In ihrem zweiten Spielfilm erzählt Jane Campion in drei Kapiteln das Leben der 1924 geborenen Autorin Janet Frame, von ihrer angstgeprägten Kindheit über einen achtjährigen Aufenthalt in der Psychiatrie wegen angeblicher Schizophrenie bis zu ihren Reisen als Erwachsene und ihrem Prozess der Selbstfindung in einem Umfeld gesellschaftlichen Unverständnisses. Es entsteht undramatisch, aber spannungsreich das Lebensbild einer Schriftstellerin, die in ihren verschiedenen Lebensaltern von drei Darstellerinnen auf hervorragende Weise porträtiert wird.
„Ein gelungenes Plädoyer für das Recht auf einen eigenen Lebensentwurf, der sich den gesellschaftlichen Normen und verordneten Verhaltensweisen nicht unterwirft.“ (Jury der Evangelischen Filmarbeit)
Ende des Tages-Programms ca. 23:30 Uhr
So 18.01.2026
Moderation des Programms und Diskussionsleitung: Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Filmwissenschaftler, Mainz
09:30 Uhr: Vortrag 5
Dog/God, oder: „You just saw that?“
Verführung und Blick in THE POWER OF THE DOG
Andreas Hamburger, Psychoanalytiker, München
12:00 Uhr: Vortrag 6
„Welcome to my Is-land.“ Ausflüge mit AN ANGEL AT MY TABLE
Anne Küper, Kulturwissenschaftlerin und Kritikerin, Berlin
12:45 Uhr: 3. und Abschluss-Diskussion
14:00 Uhr: Film 5
Bright Star
GBR/AUS/FRA 2009. R: Jane Campion. D: Abbie Cornish, Ben Wishaw, Paul Schneider, Kerry Fox. 120 Min. DF. FSK: 6
1818: Die junge Schneiderin Fanny Brawne lernt den mittellosen Dichter John Keats kennen. Wegen ihrer fehlenden Bildung kann sie mit Poesie wenig anfangen, ist aber auf seltsame Weise berührt. Obwohl ihre Mutter und Keats‘ Förderer Brown dagegen sind, lässt sie sich von Keats die Dichtkunst näherbringen, die beiden werden gegen die gesellschaftlichen Gepflogenheiten ein Paar.
Beruhend auf wahren Begebenheiten aus Keats‘ letzten Lebensjahren erzählt der Film die durch einen Briefwechsel sowie zahlreiche Gedichte dokumentierte Liebesgeschichte zwischen dem romantischen Dichter und der klugen und schlagfertigen Schneiderin – eine Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist. Und von der die Welt erst nach Fanny Brawnes Tod 1965 erfahren hat. „Der Film, der in manchen Momenten so zart und zerbrechlich erscheint wie die Beziehung zwischen Keats und Fanny, ist eine bittersüße Ode an die Schönheit und den Schmerz einer unerfüllten Liebe.“ (Cinema)
Ca. 16:00 Uhr: The End
Dauerkarten und Tageskarten:
Seminarkarte Freitag bis Sonntag 70,00 € (Ermäßigt 60,00 €)
Tageskarte Samstag 50,00 € (Ermäßigt 45,00 €)
Tageskarte Sonntag 30,00 € (Ermäßigt 25,00 €)
Filme/Einzelveranstaltungen 10,00 Euro (Ermäßigt 7,00 €, Mitglieder 6 €)
Quelle: Cinema Quadrat e.V.
Zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2025, 20:27


































