
Viernheim/Metropolregion Rhein-Neckar – Seit dem Frühjahr 2007 wird die kreisweite Brötchentütenaktion unter dem Motto „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“ vom Arbeitskreis gegen Häusliche Gewalt im Kreis Bergstraße
durchgeführt. Das Gleichstellungsbüro der Stadt Viernheim beteiligt sich in diesem Jahr
bereits zum zwölften Mal an der Aktion, die am Donnerstag (30. Oktober) offiziell gestartet
ist.
Seitdem werden in acht Bäckereien sowie bei der Viernheimer Tafel insgesamt rund 8.000
Brötchentüten mit dem bekannten Aktionsslogan ausgegeben – selbstverständlich nur,
solange der Vorrat reicht. Teilnehmende Verkaufsstellen sind: Bäckerei Café am Eck
(Kreuzstraße 91), Bäckerei Harald Rettig (Kettelerstraße 6 und Filiale Lorscher Straße 27),
Bäckerei Zuhal Neseli (Rathausstraße 61), Grimminger GmbH (Rathausstraße 17 und Filiale
Ladenburger Straße 7), Bäckerei Löwenstein (Theodor-Heuss-Allee 47) sowie die
Viernheimer Tafel.
Ziel der Aktion ist es, eine breite Öffentlichkeit für das Thema „Nein zu Gewalt an Mädchen
und Frauen“ zu sensibilisieren. Das Lagebild Häusliche Gewalt des Bundeskriminalamtes
2024 weist unter anderem darauf hin, dass ein Viertel der Opfer innerfamiliärer Gewalt unter
14 Jahre alt ist.
Erstmals beteiligen sich in diesem Jahr auch vier Viernheimer Schulen an der Aktion.
Insgesamt rund 3.500 Tüten werden in der Albert-Schweitzer-Schule, der Albertus-Magnus-
Schule, der Alexander-von-Humboldt-Schule sowie der Friedrich-Fröbel-Schule an die
Schülerinnen und Schüler verteilt. Ziel ist es, bereits junge Menschen frühzeitig für das
Thema zu sensibilisieren. Hierfür wurden eigene Slogans entworfen, die unterschiedliche
Formen von Gewalt thematisieren – von sexistischen oder queerfeindlichen Sprüchen über
Mobbing und unerwünschte Berührungen bis hin zu erzwungenen Küssen, Nötigung oder
dem Verbreiten intimer Bilder. Der gemeinsame Appell: Gewalt ist nie okay.
Beim offiziellen Start der Aktion an der Albert-Schweitzer-Schule begrüßte Erster Stadtrat
Jörg Scheidel in Vertretung des Magistrats das Engagement der beteiligten Schulen, der
städtischen Jugendförderung und dem Gleichstellungsbüro. „Die Teilnahme der Schulen ist
ein starkes Zeichen gegen Gewalt und ein wichtiger Beitrag zur Sensibilisierung junger
Menschen“, so Scheidel. „Prävention beginnt im Alltag – und genau hier setzt die
Brötchentütenaktion an.“
Als weiterer Unterstützer der Brötchentütenaktion waren vor Ort auch Vertreter des
Programms „PiT-Hessen – Prävention im Team“, einem Gewaltpräventionsprogramm der
Hessischen Landesregierung im Rahmen des Netzwerks gegen Gewalt. Gemeinsam mit der
städtischen Jugendförderung wird das Programm seit 15 Jahren an allen Viernheimer
weiterführenden Schulen durchgeführt. Ziel ist es, dass Polizei, Schule und Jugendhilfe
gemeinsam Gewaltsituationen einschätzen, schulische Präventionskonzepte entwickeln und
die Umsetzung eng miteinander abstimmen.
Auch Schulleiter Holger Hofmann von der Albert-Schweitzer-Schule zeigte sich erfreut über
die gemeinsame Initiative: „Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit drei weiteren Schulen in
diesem Jahr an der Aktion teilnehmen zu können. Unsere Schule für den Startschuss zu
wählen, sehen wir auch als ein wichtiges Zeichen – denn unsere Eltern und unsere
Schülerinnen und Schüler erleben durch den Besuch der Förderschule leider häufig
gesellschaftliche Ausgrenzung und Diskriminierung.“
Hilfe gibt es an sieben Tagen, 24 Stunden und in 18 Sprachen
Auf allen Brötchentüten sind Kontakthinweise zum bundesweiten Hilfetelefon abgedruckt.
Dieses ist unter der Nummer 116 016 sieben Tage die Woche rund um die Uhr in 18
Sprachen erreichbar. Betroffene Frauen können sich dort anonym und kostenfrei beraten
lassen. Weitere Informationen bietet die Website www.hilfetelefon.de. Für Kinder und
Jugendliche gibt es die „Nummer gegen Kummer“, ebenfalls eine kostenfreie und anonyme
Hotline speziell für junge Menschen, die unter 116 111 erreichbar ist.
Hintergrundinformationen – Daten und Fakten
Das Bundeslagebild zur häuslichen Gewalt des BKA für 2023 führt aus, dass von den 88.411
registrierten Opfern innerfamiliärer Gewalt 54 Prozent weiblich und 46 Prozent männlich
waren. Fast ein Viertel war unter 14 Jahre alt. 155 Frauen und 24 Männer wurden im
vergangenen Jahr durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet. Auch im Bereich der
Partnerschaftsgewalt lebte rund die Hälfte der Opfer mit der tatverdächtigen Person
zusammen. Die Mehrheit der Betroffenen war zwischen 30 und 40 Jahre alt.
Quelle: Stadt Viernheim
Zuletzt aktualisiert am 30. Oktober 2025, 22:04







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