
Heidelberg / Metropolregion Rhein-Neckar(red/ak) – Bei zwei Veranstaltungen in Gurs und in Heidelberg hat die Stadt Heidelberg zum 85. Jahrestag der Menschen gedacht, die im Oktober 1940 von den Nationalsozialisten in das Lager Gurs in Südfrankreich deportiert wurden. Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck und die Jugendgemeinderäte Michael Steinke und Raphael Sison haben für die Stadt Heidelberg an der zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Deportiertenfriedhof in Gurs teilgenommen – neben Vertreterinnen und Vertretern anderer badischer Städte und von Religionsgemeinschaften.
„80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist es unverändert wichtig, dass wir an die Opfer der Gräueltaten der Nationalsozialisten erinnern. Orte wie Gurs stehen für das furchtbare Leid, dass Millionen Menschen in der NS-Zeit erleiden mussten“, sagte Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck: „Die Gruppe aus kommunalen Vertretern, religiösen Gemeinschaften und insbesondere auch Jugendgemeinderätinnen und Jugendgemeinderäten bei der Gedenkveranstaltung hat mir deutlich gezeigt: Rassismus und Ausgrenzung haben keinen Platz in unserer Gesellschaft, hier stehen wir solidarisch zusammen!“
Gedenkveranstaltung in Heidelberg
In Heidelberg lud die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Heidelberg e. V. (GCJZ) gemeinsam mit dem Amt für Chancengleichheit zu einer Gedenkveranstaltung in die Stadtbücherei ein. Schülerinnen und Schüler der Marie-Baum-Schule präsentierten ihre Projekte im Rahmen des Abraham-Pokals 2024/25. Der Pokal wird an Schulen überreicht, die sich per Selbstverpflichtung bereit erklären, sich ein Jahr lang im Unterricht und in Projekt- oder Seminararbeiten mit den Themenbereichen Antisemitismus, Interreligiöser Dialog, Toleranz und multikulturelle Gesellschaft zu befassen. Der Vorstand der GCJZ überreichte den Pokal für das kommende Jahr an die Theodor-Heuss-Realschule.
Anschließend folgte ein Gedenken am Gurs-Mahnmal neben der Stadtbücherei, wo Bürgermeisterin Stefanie Jansen, Rabbiner Janusz Pawelczyk-Kissin sowie Prof. Michael Schmitt, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, sprachen. Das Mahnmal erinnert seit 2014 an die Deportationen von Gleis 1 des damaligen Hauptbahnhofs. Die Veranstaltung wurde unterstützt vom Runden Tisch gegen Rassismus der Stadt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.
„Die Deportation von Jüdinnen und Juden nach Gurs hat gezeigt, wohin Ausgrenzung, Hass und Gleichgültigkeit führen können, wenn sie nicht gestoppt werden. Das Erinnern daran bedeutet nicht nur, das Vergangene festzuhalten. Es ist heute und künftig unser aller Auftrag, hinzusehen, etwas zu sagen, beizustehen. Deshalb ist es so wichtig, dass vor allem junge Menschen hier mit uns gemeinsam stehen“, sagte Bürgermeisterin Stefanie Jansen.
Mehr als 6.500 Menschen nach Gurs deportiert – darunter auch 300 aus Heidelberg
Mehr als 6.500 Menschen jüdischen Glaubens aus Südwestdeutschland wurden vom 22. bis 24. Oktober 1940 von den Nationalsozialisten festgenommen und in das Lager Gurs in Südfrankreich deportiert. Viele von ihnen starben aufgrund der schrecklichen Lebensverhältnisse bereits in den ersten Wochen nach der Ankunft. Andere wurden später in Vernichtungslager im Osten deportiert. Von den rund 300 Menschen aus Heidelberg überlebten nur etwa 70 Gurs und andere Lager, lediglich 15 von ihnen kehrten nach Kriegsende wieder nach Heidelberg zurück.
Pflege und Unterhaltung des Deportiertenfriedhofes in Gurs
Alljährlich lädt die Arbeitsgemeinschaft zur Unterhaltung und Pflege des Deportiertenfriedhofs in Gurs gemeinsam mit dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden zu der Gedenkveranstaltung in Gurs ein. Die Arbeitsgemeinschaft der badischen und pfälzischen Gemeinden hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Deportiertenfriedhof zu pflegen und zu unterhalten sowie das Andenken an die ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürger wach zu halten.
Quelle: Stadt Heidelberg
Zuletzt aktualisiert am 27. Oktober 2025, 21:00

































