Heppenheim/Kreis Bergstraße/Metropolregion Rhein-Neckar. Wie wichtig leistungsfähige Rechenzentren für die wirtschaftliche Zukunft einer Region sind, das zeigte der diesjährige Jour Fixe der kommunalen Wirtschaftsförderungen der Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH (WFB). Unter dem Titel „Ansiedlung von Rechenzentren – Herausforderungen und Chancen“ diskutierten Ver-treterinnen und Vertreter der Kommunen über die Bedeutung moderner Dateninfrastrukturen – von großen Hyperscale-Zentren bis hin zu dezentralen Lösungen im ländlichen Raum – sowie über die Anforderungen und Möglichkeiten der Ansiedlung und Gestaltung in der Region. Dagmar Cohrs, stellvertretende WFB-Geschäftsführerin und Leiterin des WFB-Fachbereichs Standortentwick-lung und Kommunalbetreuung, eröffnete die Veranstaltung in den Räumen der Bergsträßer Winzer eG in Hep-penheim: „In der digitalisierten Welt wachsen die Datenmengen, die gespeichert und verarbeitet werden müs-sen. Die Verfügbarkeit von Rechenzentren in einer Region ist ein zentraler Standortfaktor und die Ansiedlung gleichzeitig eine Gestaltungsaufgabe.“ Susanna Caliendo und Mustafa Osman, Regionalverband FrankfurtRheinMain, verdeutlichten, wie stark die Region Frankfurt bereits von der wachsenden Nachfrage nach Rechenzentrumsflächen geprägt ist: „Rund 42 Prozent der deutschen Rechenzentrumskapazitäten konzentrieren sich hier“, so die Referenten. Mit der stei-genden Zahl datenintensiver Anwendungen – von Cloud-Services bis hin zu Künstlicher Intelligenz – wachse auch der Druck auf Flächen, Energieversorgung und kommunale Planung. Gleichzeitig entstünden Chancen für neue Wertschöpfung, insbesondere wenn Kommunen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz aktiv steuern. Dabei betonten sie, dass die Standortsteuerung durch Raumplanung und kommunale Instrumente eine immer größere Rolle spielt – etwa durch gezielte Planung von Gewerbeflächen, die auch Aspekte wie Abwärmenut-zung und Versorgungssicherheit berücksichtigen.
Zudem könnten mit Glasfaserinfrastruktur gut erschlossene ländliche Räume künftig von der Nachfrage profitieren und durch dezentralere Lösungen zu einem wichtigen Teil der digitalen Infrastruktur werden. Ein Modell für dezentrale Lösungen im ländlichen Raum präsentierte der digital zugeschaltete Manuel Bittorf, Gründer und Geschäftsführer der Rhöncloud GmbH. Er zeigte auf, wie kleinere, lokal vernetzte Datacenter – sogenannte „Tiny“-Rechenzentren – einen wichtigen Beitrag zur digitalen Souveränität und regionalen Resili-enz leisten können und ging auf das Thema Edge Computing ein. Hier werden Daten dezentral verarbeitet – näher an dem Ort, an dem sie entstehen, anstatt alle Daten zur Verarbeitung an ein zentrales Rechenzentrum (die Cloud) zu senden. „Mit Edge Computing bringen wir Rechenleistung direkt vor die Haustür“, betonte Bit-torf. Seine Rechenzentren in Eichenzell und Fulda konnten aufgrund der guten Infrastrukturvoraussetzungen und auch in Kooperation mit den Kommunen entwickelt werden. Sie sind an Gigabitinfrastruktur angeschlos-sen, nutzen grünen Strom und erreichen durch moderne Kühlungssysteme einen beeindruckend niedrigen PUE-Wert Der PUE(Power Usage Effectiveness)-Wert, mit dem man die Energieeffizienz von Rechenzentren messen kann. „Damit verbindet das Konzept ökologische Nachhaltigkeit mit regionaler Innovationskraft“, so der Referent.
In der Diskussion wurde deutlich: Kommunen stehen bei der Ansiedlung von Rechenzentren vor der Heraus-forderung, zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, Flächennutzung und Energieeffizienz zu balancieren. Eine leistungsfähige Glasfaserinfrastruktur gilt dabei als eine zentrale Voraussetzung, die wiederum für die Etablie-rung dezentraler Rechenzentren eine Chance sein kann. Zugleich eröffnen sich auch neue Handlungsfelder: Die Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren, die Integration erneuerbarer Energien und die gezielte Pla-nung von Gewerbeflächen mit digitaler Infrastruktur bieten konkrete Ansatzpunkte für zukunftsfähige und nachhaltige Standortentwicklung. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern eine Gestaltungsaufgabe – auch für Kommunen. Nur wer digita-le Infrastruktur, zu der neben Gigabitnetzen immer stärker auch Rechenzentren in unterschiedlicher Größe zählen, als Teil seiner Standortstrategie versteht, wird langfristig wettbewerbsfähig bleiben“, so Dr. Matthias Zürker, WFB-Geschäftsführer, abschließend.
Info: Wissenswertes über die Wirtschaftsregion Bergstraße und die Serviceleistungen der WFB gibt es unter www.wirtschaftsregion-bergstrasse.de.
Quelle: Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH
Zuletzt aktualisiert am 23. Oktober 2025, 15:38



































