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Metropolregion Rhein-Neckar – Alle 38 Sekunden ein Knochenbruch: Orthopäden-Verband: „Großteil der Oberschenkelhalsbrüche vermeidbar – auch viele Todesfälle“

Mannheim / Heidelberg / Metropolregion Rhein-Neckar – Alle 38 Sekunden ein Knochenbruch: Deutschland „Osteoporose-wach“ machen.

Alle 38 Sekunden gibt es in Deutschland einen Knochenbruch – 2.300 Frakturen sind es pro Tag. Die entscheidende Ursache hinter vielen Knochenbrüchen: Osteoporose. Weit über 5 Millionen Menschen in Deutschland sind davon betroffen: Bei gut 6 Prozent der Bevölkerung werden die Knochen zunehmend poröser. Darauf hat der Deutsche Orthopäden- und Unfallchirurgen-Verband (DOUV) am heutigen Montag zum „Welt-Osteoporose-Tag“ auf einer Pressekonferenz in der Berliner Charité hingewiesen. Der Fachärzte-Verband startete dabei eine bundesweite Aufklärungskampagne – Titel: „Osteoporose verstehen“. Botschafterinnen sind Schauspielerin Uschi Glas und TV-Moderatorin Claudia Kleinert.

Der Fachärzte-Verband warnt: „Die korrekte Osteoporose-Diagnostik wird in Deutschland viel zu selten gemacht. Die Folge: Osteoporose-Therapien starten viel zu spät oder gar nicht. Das wiederum führt bei sehr vielen Patienten zu Knochenbrüchen und damit zu Operationen“, sagt der Vize-Chef des DOUV, Dr. med. Christoph Eichhorn. Dabei bedeuteten Knochenbrüche – gerade für Ältere – enorme Einschränkungen im Alltag und oft sogar das Pflegeheim. Auch viele Todesfälle seien die Folge von Frakturen, hinter denen Osteoporose stecke. Durch eine systematische Früh-Therapie der Osteoporose könnten auch milliardenschwere Behandlungskosten von Frakturen im Gesundheitswesen vermieden werden.

„Die Volkskrankheit ist für rund 830.000 Frakturen pro Jahr in Deutschland verantwortlich“, so Dr. med. Christoph Eichhorn. Besonders häufig seien Brüche an der Hüfte, an der Wirbelsäule und am Unterarm. „Das Tückische dabei: Die meisten Betroffenen wissen gar nicht, dass sie Osteoporose haben. Entsprechend hoch ist der Anteil der Menschen, die – obwohl sie krank sind – nicht behandelt werden: Gut Dreiviertel der Menschen mit Osteoporose bekommen keine Therapie – vor allem keine Medikamente. Und genau das muss sich dringend ändern“, so der Orthopäde Dr. med. Christoph Eichhorn. Denn bei 30 Prozent aller Patienten, bei denen die Osteoporose nicht behandelt werde, komme es nach dem ersten Knochenbruch bereits innerhalb eines Jahres zu einer zweiten Fraktur.

Besonders heikel seien dabei Hüftfrakturen – vor allem Oberschenkelhalsbrüche: „Sie bedeuten massive Einschnitte ins Leben. Wer 75 Jahre oder älter ist, für den können solche Frakturen fatale Folgen haben: 20 Prozent der Patienten sterben innerhalb des ersten Jahres nach dem Sturz“, sagt Dr. med. Christoph Eichhorn.

Vier von zehn Patienten könnten nach einer Hüftfraktur nicht mehr selbständig gehen – sie seien auf einen Gehstock, auf einen Rollator oder auf einen Rollstuhl angewiesen. „60 Prozent brauchen sogar eine Hilfe, um den Alltag zu managen. Da ist dann die ambulante Pflege gefragt. Und rund 17 Prozent kommen direkt vom Krankenhaus ins Pflegeheim“, so der Vize-Chef des Orthopäden-Verbandes.

Die Fachärzte schlagen Alarm: „Deutschland muss wacher werden, wenn es um Osteoporose geht. Und bei der Behandlung schneller. Passende Medikamente werden noch viel zu selten verordnet. Dabei ließen sich gerade dadurch Knochenbrüche vermeiden. Und damit auch Operationen – mit allen negativen Folgen, die sie für die Patienten haben“, so Dr. med. Christoph Eichhorn.

Außerdem sei die „Zu-spät-Behandlung“ der Osteoporose schon volkswirtschaftlich „ein Unding“: Nach Angaben des Fachärzte-Verbandes DOUV kostet die Behandlung von Knochenbrüchen, die auf Osteoporose zurückzuführen sind, allein die gesetzlichen Krankenkassen rund 13,8 Milliarden Euro pro Jahr.

„Nur ein Bruchteil dieser Summe – nämlich lediglich rund 250 Millionen Euro – wird dagegen für spezifische Medikamenten-Therapien im Jahr ausgegeben. Das ist ein krasses Missverhältnis. Im Idealfall sollte die Osteoporose früh medikamentös behandelt werden, um dadurch das Risiko für Knochenbrüche rapide zu senken. Und um damit am Ende auch viele Todesfälle zu vermeiden“, fordert der Vize-Vorsitzende des Deutschen Orthopäden- und Unfallchirurgen-Verbandes, Dr. med. Christoph Eichhorn.

Insgesamt könnten nach Angaben des Orthopäden-Verbandes rund 40 Prozent der Krankenhauskosten, die heute für die Behandlung von Knochenbrüchen bei Osteoporose-Patienten anfallen, gespart werden, wenn Osteoporose von vornherein optimal therapiert würde.

Der Fachärzte-Verband startet jetzt eine bundesweite Offensive, um Betroffene über Osteoporose aufzuklären: www.osteoporose-verstehen.de. „Ziel ist es, Patienten zu sensibilisieren: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Osteoporose und Frakturen“, sagt Dr. med. Eichhorn. Er warnt: „Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass der Oberschenkelhalsbruch ab 75 Jahren ‚normal‘ ist.“

Als prominente Botschafterin der Aufklärungskampagne „Osteoporose verstehen“ appelliert Schauspielerin Uschi Glas: „Eine Knochendichtemessung dauert nur wenige Minuten – und kann entscheidend für die Zukunft sein. Viele Brüche ließen sich verhindern, wenn wir das Thema Osteoporose ernster nehmen und früher handeln würden. Ich möchte alle ermutigen: Warten Sie nicht auf den ersten Bruch, gehen Sie frühzeitig zum Arzt und lassen Sie Ihre Knochendichte messen.“

Auch TV-Moderatorin Claudia Kleinert engagiert sich als Botschafterin und setzt damit auf Aufklärung: „Viele wissen gar nicht, dass sie selbst gefährdet sind. Genau deshalb unterstütze ich diese Kampagne aus vollem Herzen: Aufklärung ist der erste Schritt, um vorzubeugen, rechtzeitig zu handeln und Lebensqualität zu erhalten. Wenn wir Wissen teilen, können wir Knochenbrüche verhindern – und Leben retten.“ Es komme darauf an, Betroffenen Mut und Hoffnung zu machen: „Osteoporose ist kein Schicksal. Mit Aufklärung, Bewegung, gesunder Ernährung und der richtigen Behandlung können wir das Risiko deutlich senken und Millionen Menschen ein aktives, sicheres Leben ermöglichen“, so Claudia Kleinert als Botschafterin der Aufklärungskampagne „Osteoporose verstehen“.

Die Aufklärungskampagne richtet sich vor allem an Patienten und Angehörige: Mit einem „Osteologen-Finder“ gibt es unter www.osteoporose-verstehen.de/expertensuche einen bundesweiten „Patienten-Lotsen“ für das gezielte Ansteuern von Praxen bei der Suche nach einer Osteoporose-Behandlung. Außerdem sind Patienten-Flyer für Orthopädie-Praxen und Apotheken geplant.

Im Fokus der Aktion stehen aber auch Orthopädie-Praxen und Kliniken: Von Schulungsangeboten mit Updates zur Osteoporose-Behandlung für Mediziner bis zu der Forderung, den Osteoporose-Check bei Fraktur-Behandlungen in Krankenhäusern zur Routine zu machen, will der Fachärzte-Verband einen „Osteoporose-Impuls“ für künftige Behandlungen geben. „Gerade in Kliniken brauchen wir einen schärferen Blick auf die Osteoporose. Denn nur bei jedem fünften Osteoporose-Fall geben Krankenhäuser heute nach einer Knochenbruch-Operation überhaupt einen Hinweis auf Osteoporose im Entlassungsbrief. Dabei ist gerade das wichtig, um eine wirksame Osteoporose-Behandlung zu machen“, so Dr. med. Eichhorn. Da sollte sich „schon bald eine Menge ändern“.

Quelle: Deutsche Orthopäden- und Unfallchirurgen-Verband (DOUV)

Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2025, 10:37

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