Landau / Abu Dhabi / Metropolregion Rhein-Neckar – Ein Bericht zum Welt-Naturschutz-Kongress 2025 in Abu Dhabi – mit zentralen Weichenstellungen für den globalen Schutz der Natur: Landaus Zoodirektor vertritt beim Kongress drei Nichtregierungsorganisationen
Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde jüngst zum globalen Treffpunkt des Naturschutzes. Über 10.000 Menschen aus Politik, Wissenschaft, indigenen Gemeinschaften, Umweltverbänden, Wirtschaft sowie zoologischen und botanischen Einrichtungen kamen unter dem Motto „Powering Transformative Conservation“ zum Welt-Naturschutz-Kongress (World Conservation Congress, WCC) zusammen. Es ist die wichtigste internationale Konferenz für Natur- und Artenschutz.
Veranstalterin ist die Welt-Naturschutz-Union (International Union for Conservation of Nature, IUCN), das weltweit größte Netzwerk für Naturschutz mit über 1.400 Mitgliedern. Darunter Staaten, Ministerien, Forschungseinrichtungen, Nicht-Regierungs-Organisationen (NROs) und auch Zoos und Zooverbände. Alle vier Jahre legt die IUCN dort ihre strategische Richtung fest. Landaus Zoodirektor Dr. Jens-Ove Heckel vertrat in Abu Dhabi den Zoo Landau in der Pfalz, die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) und die Stiftung Artenschutz e.V.
Der Kongress gliederte sich in drei Hauptteile: das Forum, eine Plattform für Austausch, Wissenschaft und Innovation, die Ausstellung (Exhibition) und die Mitgliederversammlung (Members’ Assembly), das Beschlussgremium, in dem über Entschließungsanträge (Motions) diskutiert und abgestimmt wird. Die Ausstellungen von über 100 staatlichen und nicht-staatlichen Naturschutzakteuren und die integrierten thematischen Pavillons präsentierten u.a. neue Projekte, Technologien und Bildungsprogramme. In hunderten Veranstaltungen diskutierten Kongress-Teilnehmende Themen von Meeresschutz über Wiederaufforstung und indigene Rechte bis zu Finanzierung im Naturschutz und, diesmal eines der zentralen Themen, die Bildung im Naturschutz. Vereint durch die Überzeugung, dass effektiver Naturschutz eine tiefgreifende Transformation erfordert. Schon die Eröffnungsrede von IUCN-Präsidentin Razan Al Mubarak machte deutlich, worum es geht: Kooperation, Mut und Tatkraft!
Die neue Ausgabe der Roten Liste mit nunmehr fast 50.000 gefährdeten Arten zeigt, dass das Artensterben vielfach fortschreitet. Andererseits jedoch wirkt gezielte Schutzarbeit. Eines der jüngsten Paradebeispiele ist die erfolgreiche Wiederansiedlung der über Jahrzehnte in der Natur ausgerotteten Säbelhornoryxantilope im afrikanischen Tschad. Die ausgewilderten Tiere entstammten Zuchtprogrammen aus Zoos.
Bei den Gipfeln für Wirtschaft und Natur (Business & Nature Summit) und für Philanthrophie (Philantrophy Summit) wurden Instrumente vorgestellt, um Naturschutzinvestitionen messbar und wirksam zu gestalten. Emotionale Höhepunkte waren die Auszeichnung von 24 Schutzgebieten sowie die Ehrung der erst jüngst verstorbenen, bekannten Schimpansenforscherin und Umweltaktivistin Jane Goodall für ihr Lebenswerk.
Eine zentrale Rolle spielten Zoos, Aquarien und zoologische und zoonahe Organisationen als Mitgestalter internationaler Naturschutzpolitik. Mehrere Entschließungsanträge wurden durch sie initiiert oder unterstützt. Darunter die auch besonders beachtete Motion 111 unter dem Titel „Urgent action to address the Asian wild pig crisis caused by African swine fever“. Sie fordert koordinierte Schutzmaßnahmen gegen die nach Asien eingeschleppte und tödlich grassierende Afrikanische Schweinepest, die besonders auch ohnehin schon stark gefährdete Wildschweinarten zusätzlich bedroht. Darunter solche wie die auch im Zoo Landau seit Jahren gepflegten Visayas-Mähnenschweine der Philippinen. Ex-situ-Maßnahmen, also Erhaltungszucht und Forschung in Zoos, wurden ausdrücklich als zentraler Bestandteil des Schutzkonzepts genannt. Auch Anträge zum Schutz bedrohter Süßwasserfische durch Ex-situ-Programme und zum Schutz asiatischer Gibbons zeigen, dass progressive zoologische Einrichtungen weltweit als wichtige Partner im Artenschutz verstanden werden.
Die ZGAP mit Geschäftssitz in Landau und der Zoo Landau sind Teil dieses globalen Netzwerks und setzen IUCN-Ziele praktisch um. Durch gezielt geförderte Projekte für wenig bekannte, hochbedrohte Arten unter anderem in Asien und Afrika, u.a. für Kronenkraniche, und als Partner der globalen Initiative „Reverse the Red“. Sie zielt darauf ab, den Trend des Artenschwundes umzukehren. Sie vereint die Artenschutzkommission (Species Survival Commission, SSC) der IUCN, Zoos, lokale, regionale und globale Zooverbände, Forschungseinrichtungen und NROs weltweit. Zoos koordinieren als zentrale Akteure Zuchtprogramme, sammeln wissenschaftliche Daten, schulen Fachkräfte und unterstützen Auswilderungen. Viele Expertengruppen der SSC werden von Zoomitarbeitenden geleitet. Heckel ist seit Jahren in den SSC-Fachgruppen für Antilopen und für Hirsche aktiv.
Während des Kongresses wurde mehrfach deutlich, dass die Zukunft des Artenschutzes auch in der Verbindung von Ex-situ- und In-situ-Maßnahmen liegt, also zwischen Schutz im natürlichen Lebensraum und Erhaltungszucht in Menschenobhut. Zoos sind die Brückenbauer zwischen diesen Welten. Mit fachlicher Expertise in tierwohlorientierter Haltung und Zucht, veterinärmedizinischem Know-how und direktem Zugang zu einer sehr großen Öffentlichkeit verbinden sie Naturschutz, Forschung und Bewusstseinsbildung.
Zum Ende des Kongresses verabschiedeten die Mitglieder den „Abu Dhabi Call to Action“, einen Appell an Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft, den Natur- und Artenschutz als Grundlage nachhaltiger Entwicklung zu verankern. Mit dem Kongress endeten die Debatten, aber die Arbeit beginnt jetzt: Programme müssen umgesetzt, Partnerschaften vertieft und Fortschritte messbar gemacht werden. „Wir brauchen ein neues Verständnis von Verantwortung“, lautete eine der zentralen Schlussbotschaften von Abu Dhabi: „Nur wenn wir Wissen, Leidenschaft und Handlungsfähigkeit vereinen, können wir die Natur der Zukunft sichern.“
„Der Schutz der Natur ist keine Nischenaufgabe, sondern die Grundlage unserer gemeinsamen Zukunft,“ resümiert Heckel nach neun sehr intensiven und sehr inspirierenden Kongresstagen und ergänzt: „Als Zoo Landau zusammen mit unserer Zooschule und unserem Zoo-Freundeskreis werden wir auch zukünftig all unsere Kraft und Aufmerksamkeit auf den Naturschutz lenken!“
(Bild/Quelle: Zoo Landau)
Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2025, 11:42

































