
Turban bescheinigt seiner neuen Geige großes Potential, „eine unglaubliche Volumengröße“, die aber noch gezähmt werden müsse. „Das ist so wie Sportwagen fahren. Sie geben etwas Gas und es kommt sofort eine Beschleunigung in den Ton. Sie müssen eher nach unten regulieren“. Jetzt kommt Turban, der in fast allen großen Konzertsälen der Welt und mit den bekanntesten Dirigenten von Sergiu Celibidache über Lorin Maazel, Zubin Mehta und Yehudi Menuhin bis Andris Nelsons musiziert hat, mit seiner „Eiszeit-Geige“ nach Speyer. Am 27. September spielt er in der Uraufführung des Oratoriums „Kabbala – Die Wege des Lichts“ von Enjott Schneider im Rahmen der Internationalen Musiktage Dom zu Speyer. Das Konzert eröffnet zugleich die SchUM-Kulturtage.
Enjott Schneider, ein renommierter Komponist und Hochschullehrer aus München, hat sein in hebräischer Sprache komponiertes Oratorium der neuen Geige von Ingolf Turban förmlich auf den Leib geschrieben. Die jüdische Weisheitslehre der Kabbala wird oft als „Seele des Judentums“ bezeichnet. Sie ist eine jüdische Mystik, die sich mit der Erforschung der Natur Gottes, der Schöpfung und der Beziehung des Menschen zu Gott beschäftigt. Sie versucht, die verborgenen Aspekte der göttlichen Realität zu entschlüsseln. Es geht um das mystische Erkennen der göttlichen Präsenz in der konkreten Welt. Die „Eiszeit-Geige“ von Ingolf Turban mit ihrem magischen, intensiven und reifen Klang sieht Schneider als optimales Medium, um diese transzendente Dimension zum Ausdruck zu bringen. Das Instrument beschwört einen Hauch von Ewigkeit und bringt den kabbalistischen Gedanken der Präsenz des Unendlichen im Konkreten sinnlich zum Tragen.
Neben der Uraufführung von Schneiders „Kabbala“, das dieser selbst als sein „klingendes Mahnmal gegen die Dummheit der bestialisch grausamen Menschheit“ bezeichnet, werden am 27. September Leonard Bernsteins bewegende „Chichester Psalms“ aus dem Jahr 1965 zu hören sein. Das Werk, ebenfalls in Hebräisch komponiert, spiegelt wie kaum ein anderes Bernsteins jüdische Wurzeln wider. Mit seiner jazzigen Attitüde ist es typischer Bernstein-Stil und zugleich eine einzigartige Verbindung von hebräischer Bibel und christlicher Chortradition, ein musikalischer Ausdruck der Hoffnung des Komponisten auf Brüderlichkeit und Frieden. Dritter Programmpunkt ist die „Mazurka Triste“, die Schneider im Jahr 2020 zum Tod von Krzysztof Penderecki komponiert hat.
Das Konzert ist ein Projekt dreier Chöre aus den SchUM-Städten. Mozartchor Speyer, Wormser Kammerensemble und das Ensemble Chordial aus Mainz bilden zusammen den 120 Personen starken Chor. Neben Ingolf Turban wirkt als Gesangssolist in beiden Vokalwerken der in Korea geborene Countertenor Yongbeom Kwon mit. Den Orchesterpart mit jeder Menge Blech und Percussion übernimmt das Heidelberger Kantatenorchester. Die musikalische Leitung teilen sich die Dirigenten der drei Chöre, Dieter Hauß, Julian Robin Müller und Daniel Rumpf.
Das Konzert wird am 8. November in Worms und am 9. November in Mainz wiederholt. Die Schirmherrschaft über die Reihe haben die OB der drei Städte Stefanie Seiler (Speyer), Adolf Kessel (Worms) und Nino Haase (Mainz) übernommen. Eintrittskarten gibt es bei Reservix und allen angeschlossenen Vorverkaufsstellen, für das Konzert in Speyer auch bei der Dommusik und im Capella Verlag. Inhaber der Rheinpfalz-Card erhalten für das Konzert in Speyer Ermäßigung.
Quelle: Stadt Speyer
Zuletzt aktualisiert am 18. September 2025, 11:04







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