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Rheinland-Pfalz – DAK: Essstörungen bei Mädchen weiter stark erhöht

Mainz / Ludwigshafen / Metropolregion Rhein-Neckar News – Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz sind psychisch weiterhin erheblich belastet. Vor allem Mädchen sind von Depressionen, Angststörungen und Essstörungen betroffen. Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit stiegen 2022 Essstörungen wie Anorexie und Bulimie bei jugendlichen Mädchen um 83 Prozent an. Auch jüngere Mädchen im Schulkindalter erhielten auffällig oft die Erstdiagnose Essstörung (plus 54 Prozent). Bei Depressionen und Angststörungen gab es bei jugendlichen Mädchen ebenfalls hohe Zuwachsraten von 29 bzw. 52 Prozent. Das ist das Ergebnis des Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit für Rheinland-Pfalz. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ergebnisse geben Experten keine Entwarnung. DAK-Landeschef Lange fordert mehr Präventionsinitiativen zur Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Essstörungen bei Mädchen in Rheinland-Pfalz weiter stark erhöht

– Stabilisierung von psychischen Erkrankungen insgesamt
– DAK-Kinder- und Jugendreport untersucht in Sonderanalyse ambulante und stationäre Daten von 2017 bis 2022
– Mediziner sehen „Anlass zu großer Sorge”
– Mädchen aus sozial besser gestellten Familien sind häufiger in den Arztpraxen
– DAK-Landeschef Lange fordert mehr Präventionsinitiativen zur Stärkung der psychischen Gesundheit

Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz sind psychisch weiterhin erheblich belastet. Vor allem Mädchen sind von Depressionen, Angststörungen und Essstörungen betroffen. Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit stiegen 2022 Essstörungen wie Anorexie und Bulimie bei jugendlichen Mädchen um 83 Prozent an. Auch jüngere Mädchen im Schulkindalter erhielten auffällig oft die Erstdiagnose Essstörung (plus 54 Prozent). Bei Depressionen und Angststörungen gab es bei jugendlichen Mädchen ebenfalls hohe Zuwachsraten von 29 bzw. 52 Prozent. Das ist das Ergebnis des Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit für Rheinland-Pfalz. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ergebnisse geben Experten keine Entwarnung. DAK-Landeschef Lange fordert mehr Präventionsinitiativen zur Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 48.000 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit versichert sind. Analysiert wurden anonymisierte Versichertendaten aus den Jahren 2017 bis 2022. Ein Fokus der Analyse liegt auf dem Vergleich mit der Situation vor der Pandemie. Es ist die erste umfassende Analyse von ambulanten und stationären Behandlungen für das Jahr 2022.

„Unser Report zeigt, wie sich die Krankheitssituation vieler Kinder und Jugendlicher verfestigt”, sagt Rainer Lange, Leiter der rheinland-pfälzischen Landesvertretung der DAK-Gesundheit. „Leichte Rückgänge bei bestimmten Neuerkrankungen sind positiv. Allerdings bedeutet dies keine Entwarnung, denn an schweren Krankheitsbildern wie Depressionen, Angst- und Essstörungen erkranken immer noch mehr Jugendliche als vor der Pandemie. Sehr erfreulich ist es deshalb, dass das Programm der Mental Health Coaches an vielen Schulen mit Beginn des laufenden Schuljahres auch in Rheinland-Pfalz gestartet ist. Wichtig ist: Wir müssen aktiver werden, dürfen nicht an der psychischen Gesundheit unserer Kinder sparen. Mehr Präventionsinitiativen in Schulen, Vereinen und der offenen Kinder- und Jugendarbeit können dazu beitragen, die Zukunft unserer Kinder gesünder zu gestalten.”

Stabilisierung der Behandlungszahlen insgesamt

Die DAK-Auswertung für Rheinland-Pfalz zeigt, dass sich die Behandlungszahlen bei Verhaltensstörungen und psychischen Erkrankungen insgesamt 2022 im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 wieder auf etwa gleichem Niveau bewegen. So erhielten 2022 acht Prozent mehr jugendliche Mädchen eine Neu-Diagnose in diesem Bereich als 2019, bei Jungen steht ein moderates Plus von drei Prozent. Jugendliche Mädchen hatten in der Corona-Zeit starke Ausschläge nach oben gezeigt, 2022 nahmen die Neudiagnosen erstmals ab: Im Vergleich mit 2021 steht ein Minus von 14 Prozent. Die Fallzahlen stabilisierten sich auf erhöhtem Niveau. Insgesamt wurde 2022 bei rund 4.900 jugendlichen Mädchen eine psychische Erkrankung oder Verhaltensstörung neu diagnostiziert.

„Die aktuellen Daten bestätigen unseren Eindruck aus dem klinischen Alltag. Sie geben nach wie vor Anlass zu großer Sorge”, stellt Dr. med. Günther Stratmann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Pfalzklinikums in Klingenmünster fest. „Der Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit ist aufgrund der breiten Datenbasis von 48.000 Kindern und Jugendlichen sehr wichtig. Er ist vor dem Hintergrund zu interpretieren, dass in Rheinland-Pfalz neben Pandemieeinflüssen, der Klimakrise und dem Krieg in der Ukraine noch die Flutkatastrophe und deren Auswirkungen im Ahrtal zu berücksichtigen sind. Vor allem die Zunahme von internalisierenden Störungen wie Ängsten, Phobien und Zwängen im Vergleich zur Vorpandemiezeit führt zu einer verstärkten Inanspruchnahme klinischer Einrichtungen. So hat die absolute Zahl der Patienten auch in unserer Einrichtung im Vergleich zur Vorpandemiezeit um rund ein Fünftel deutlich zugenommen. Hier sind vor allem jugendliche Mädchen betroffen”, so Stratmann.

Jugendliche Mädchen leiden besonders

Die aktuelle Analyse legt einen besonderen Fokus auf jugendliche Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren, da diese weiterhin am häufigsten wegen Depressionen, Ängsten und Essstörungen in ärztlicher Behandlung sind. Zwar stieg die Neuerkrankungsrate bei Depressionen 2022 nur marginal um ein Prozent im Vergleich zu 2021. Doch im Vergleich mit 2019, dem letzten Jahr vor Ausbruch der Corona-Pandemie, steht ein Plus von 29 Prozent. Bei Ängsten und Essstörungen sind die Trends noch ausgeprägter. Im Vergleich zu 2021 erkrankten rund 18 Prozent weniger jugendliche Mädchen 2022 neu an Angststörungen – im Vergleich zu 2019 waren es aber 52 Prozent mehr. Bei Essstörungen gingen 2022 die Neuerkrankungen im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent zurück. Mit Blick auf 2019 stiegen die Zahlen aber um 83 Prozent an und liegen so deutlich über dem Vor-Corona-Niveau.

„Wir sehen, dass die Neuerkrankungsraten in Bereich Essstörungen im Vergleich zu 2019 nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau liegen, auch wenn sie leicht zurückgegangen sind. Wir gehen insbesondere aufgrund der hohen Chronifizierungsrate von Essstörungen davon aus, dass betroffene Jugendliche längerfristig stark beeinträchtigt sind. Dies gilt auch für Angststörungen und affektive Störungen. Wir nehmen an, dass viele Jugendliche aufgrund der Belastungen der Jahre seit 2020 weniger Fähigkeiten zur Stressregulation und soziale Kompetenzen entwickelt haben, um anstehende Entwicklungsaufgaben zu bewältigen”, so die stellvertretende Chefärztin Dr. med. Susanne Lieb, die am Pfalzklinikum Kinder und Jugendliche mit Essstörungen behandelt.

Essstörungen: Unterschiede zwischen Arm und Reich

Der rheinland-pfälzische DAK-Kinder- und Jugendreport macht deutlich, dass Kinder und Jugendliche aus verschiedenen sozialen Schichten ärztliche Behandlungen unterschiedlich stark in Anspruch nehmen. Das zeigt das Beispiel Essstörungen. Hier gibt es deutlich unterschiedliche Entwicklungen zwischen jugendlichen Mädchen aus Familien mit hohem und niedrigem sozialem Status. Während die Inanspruchnahme bei sozial benachteiligten Mädchen 2022 mit einem Minus von 22 Prozent im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie deutlich zurückgegangen ist, hat sie bei Teenagern aus mittleren und hohen Schichten stark zugenommen. So hat sich die Zahl jugendlicher Mädchen aus der Mittelschicht mit einer Essstörung seit der Pandemie mehr als verdoppelt (plus 112 Prozent). Bei Teenagerinnen mit einem hohen sozialen Status hat sie sich sogar fast verdreifacht (plus 170 Prozent). Auch mit Depressionen sind Mädchen aus besser gestellten Familien häufiger in Behandlung als Teenagerinnen aus sozial schwächeren Schichten.

„Die vorliegenden Daten zeigen, dass es insbesondere im Bereich der Essstörungen offensichtlich vom sozialen Status abhängt, ob ärztliche Leistungen in Anspruch genommen werden. Der sehr starke Anstieg bei jugendlichen Mädchen aus sozial besser gestellten Familien hat sicherlich auch damit zu tun, dass sie mehr Unterstützung durch die Eltern erfahren und die Schwelle, Hilfen in Anspruch zu nehmen, geringer ist als in Familien mit vergleichsweise geringerem sozialem Status. Wir folgern aus den Daten, dass neue und niedrigschwellige Behandlungsformen entwickelt werden müssen, um bei Neuerkrankungen frühzeitig reagieren und damit einer Chronifizierung vorbeugen zu können. Gerade im Bereich Essstörungen sind Ansätze unter Einbezug der Eltern sehr vielversprechend”, erklärt Lieb.

Hohe Dunkelziffer in unteren sozialen Schichten

Laut Stratmann weist die Analyse der DAK-Gesundheit auf einen Handlungsbedarf hin, gerade Kinder und Jugendliche aus gesellschaftlich schwächeren Milieus stärker in den Fokus zu nehmen: „Es ist nicht davon auszugehen, dass Menschen mit niedrigerem, sozialem Status weniger psychisch krank sind, sondern vergleichsweise seltener eine Behandlung aufsuchen. Darüber hinaus stellen wir fest, dass komplementäre Strukturen wie Jugendhilfe sowie Schulsozialarbeit in den letzten Jahren aufgrund von Fachkräftemangel abgebaut worden sind. Das hat dazu geführt, dass sozial schwächere Kinder und Jugendliche erst sehr spät psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen. Hier gilt es, unterstützende Angebote in Schulen, Jugendhilfe und Eingliederungshilfe aufzubauen und die Vernetzung zu verbessern”, so Stratmann.

Jungen seltener in Behandlung als Mädchen

Die DAK-Analyse verdeutlicht, dass Jungen im Jugendalter seltener aufgrund von psychischen Erkrankungen oder Verhaltensstörungen behandelt werden. So erhielten 2022 ein Drittel weniger 15- bis 17-jährige Jungen eine Neudiagnose in diesem Bereich als Mädchen.

„Die Ergebnisse der Analyse bestätigen den Eindruck, dass Jungen unsere Versorgungsangebote seltener und oft erst spät in Anspruch nehmen”, so Lieb. „Es gilt, diese Entwicklung achtsam zu verfolgen und dafür zu sorgen, dass Therapieangebote Jungen erreichen, auch wenn diese in Belastungssituationen anders als Mädchen zu auffälligem Sozialverhalten neigen und deshalb psychische Störungen unterdiagnostiziert sein dürften.”

Die DAK-Gesundheit ist mit 5,5 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit. Insgesamt sind bei der Krankenkasse in Rheinland-Pfalz rund 340.000 Menschen versichert.

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