Ludwigshafen – „Eine neue Form der Stadtteil-Gesellschaft“ – Investorenauswahlverfahren für Bauabschnitt 1 der Heinrich-Pesch-Siedlung läuft – 7 Bewerber am Start

Ludwigshafen / Metropolregion Rhein-Neckar

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 Es ist ein Leuchtturmprojekt weit über Ludwigshafen hinaus: Derzeit läuft das Investorenauswahlverfahren für den ersten Bauabschnitt der Heinrich-Pesch-Siedlung. Sieben Unternehmen beteiligen sich an dem Bewerbungsverfahren. Noch im Januar 2023 müssen sie ihre Angebote und Planungen abgeben, anschließend tagt eine Jury. Mit dem Ergebnis wird spätestens im Mai 2023 gerechnet.

Mitte Oktober fand im Heinrich Pesch Haus (HPH) die Kick-Off-Veranstaltung für das Investorenauswahlverfahren für den ersten Bauabschnitt statt. Interessierte Unternehmen aus ganz Deutschland nahmen teil. Für sie gab es gebündelt alle wichtigen Informationen rund um das Bauvorhaben westlich des HPH. Zuvor hatte das Team der Heinrich-Pesch-Siedlung GmbH & Co. KG (HPS) umfangreiche Vorarbeiten zu bewältigen, galt es doch, alle Informationen rund um das Bauvorhaben aufzubereiten und den Interessenten in einer Cloud zur Verfügung zu stellen.

 

„Mehrere Monate mussten wir dafür viel Zeit mit zahlreichen Gutachten aufwenden, um ein aussage- und nachprüfungsfähiges Anforderungsprofil für die Investoren aufzustellen“, so der Geschäftsführer Ernst Merkel (HPS) und der Projektsteurer Dr. Michael Böhmer (RTG). Unterstützt wurde dieses Team vom Büro Firu aus Kaiserslautern.

 

Baudezernent Alexander Thewalt eröffnete die Kick-Off-Veranstaltung und stellte den Standort Ludwigshafen vor. Besonderes Augenmerk legte er dabei auf die Chancen für den Wohnungsbau in der stark wachsenden Stadt. „Die Heinrich-Pesch-Siedlung ist aus eigenem Antrieb entstanden. Sie ist etwas ganz Besonderes. Toll, was hier an städtebaulichen Gedanken und gerade auch beim Verkehr umgesetzt wird“, sagte der Dezernent. Die Siedlung füge sich gut in das Verkehrsnetz der Stadt ein. Die Bayreuther Straße werde ausgebaut, um eine bessere Anbindung an den Autobahnknoten A 650 zu erreichen. Ziel sei es außerdem, 2025 eine neue Straßenbahnhaltestelle an der Siedlung zu eröffnen. Auch eine neue Schule südlich der Siedlung sei von der Stadt mittelfristig geplant.

Ein hoher Anspruch

Prof. Annette Spellerberg, Professorin für Stadt- und Regionalsoziologie an der TU Kaiserslautern, die das Projekt beratend begleitet, hob hervor, dass das Projekt versuche, alle gesellschaftlichen Schichten zu integrieren. Damit werde versucht, den gesellschaftlichen Wandel umzusetzen, auch ökologisch. „Hier wird eine neue Form der Stadtteil-Gesellschaft im Kleinen aufgebaut. Das ist ein hoher Anspruch, aber genau richtig in diesen Zeiten“, sagte sie.

 

„Investoren können ihr Projekt im Umfeld eines ganzen Netzwerkes von engagierten Akteuren realisieren, die dazu beitragen, dass ein gutes Zusammenleben gelingt“, sagte Tobias Zimmermann SJ, Direktor des Heinrich Pesch Hauses. „Hier tun sich viele Akteure zusammen, um gemeinsam Zukunft zu gestalten.“ Ziel sei es, so Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des Hauses, Investoren zu gewinnen, die mit den Bewohner*innen gemeinsam die Siedlung und verschiedene Bedürfnisse von Nachbarschaft gestalten.

 

HPS-Geschäftsführer Ernst Merkel stellte den Bebauungsplan und insbesondere den ersten Bauabschnitt vor. Dieser umfasst zwei Stadthäuser mit Tiefgarage sowie mehrere Mehrfamilienhäuser. In den Erdgeschosszonen entlang des Quartiersplatzes soll es kleine Gewerbebetriebe wie Bistro, Bäckerei oder Inklusionsbetriebe geben. Insgesamt umfasst der Bauabschnitt knapp 20.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, davon ca. 700 Quadratmeter zur gewerblichen Nutzung.

 

Für Teile der Siedlung ist eine Genossenschaft vorgesehen. Die Grundstücke werden zur Erbpacht abgegeben. „Unser Auftrag ist es, ein Gebiet zu entwickeln, das einen gemeinnützigen Ansatz verfolgt, keine Gewinnoptimierung“, verdeutlichte Projektentwickler Dr. Michael Böhmer.

Sieben gute Bewerbungen

Nach der Kick-off-Veranstaltung, die mit einem Baustellenrundgang endete, hatten die Investoren bis Anfang November Zeit, ihre Bewerbung abzugeben. „Wir haben sieben gute Bewerbungen bekommen“, freut sich Ernst Merkel. Nun erarbeiten die Unternehmen ihre Angebote und Planungen, die sie im Januar abgeben müssen. „Eine Jury prüft dann in einem anonymisierten Verfahren alle Bewerbungen und wählt den Siegerentwurf für den ersten Bauabschnitt aus“, erläutert Ernst Merkel das weitere Verfahren. Der Jury gehören unter anderem Vertreter der Stadt Ludwigshafen, des Jesuiten-Ordens, der katholischen Kirche und Gutachter an. Spätestens im April/Mai 2023 soll die Entscheidung der Jury vorliegen, im Juni soll dann der erste Bauabschnitt offiziell vergeben werden.

Während das Investorenauswahlverfahren im vollen Gange ist, bereitet das HPS-Team bereits den Wettbewerb für den nächsten Bauabschnitt vor. Hier rechnet Ernst Merkel im Dezember 2023 mit der Vergabe. Die Vergabe der weiteren Bauabschnitte wird dann sukzessive folgen. „Unser Ziel ist es, bis Ende 2024 alle Bauabschnitte vergeben zu haben“, so Ernst Merkel. Die Gesamtfertigstellung der Siedlung mit 700 bis 800 Wohnungen für 1500 bis 2000 Menschen soll spätesten 2028 erfolgen. Derzeit sind die gesamten Straßenbau- und Leitungsverlegung kurz vor dem Abschluss.

Fotoquelle: HPS

Quelle: Heinrich-Pesch-Siedlung GmbH & Co. KG

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