Heidelberg – 40 Jahre Elternarbeit für Kinder mit Krebs

Stefanie Baldes, Vorsitzende der Heidelberger Elterninitiative, begrüßte die Zuhörer zum Konzert und blickt zufrieden auf all das, was der Elternverein für betroffene Familien erreichen konnte. Foto: DKFZ Heidelberg

Heidelberg / Metropolregion Rhein-Neckar(red/ak/DKFZ Heidelberg) – Elternvereinen wie der „Aktion für krebskranke Kinder e.V. Heidelberg“ ist es zu verdanken, dass sich die psychosoziale Versorgung krebskranker Kinder in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert hat. Der Heidelberger Elternverein engagiert sich seit 1982 unter dem Dach der Deutschen Kinderkrebsstiftung für Kinder mit schweren Krebs- und Blutkrankheiten und deren Familien am Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg. Zum 40. Geburtstag des Vereins bedankte sich das KiTZ mit einem Geburtstagsständchen des SAP Sinfonieorchesters. Gespielt wurde das Stück „Max & Moritz“ von Gisberth Näther.

Seit 1982 setzt sich die „Aktion für krebskranke Kinder e.V. Heidelberg“ für krebskranke Kinder und deren Familien ein. Das Ziel des Vereins ist es, die Situation betroffener Kinder zu verbessern, die Eltern krebskranker Kinder zu beraten und die Forschung auf dem Gebiet der Leukämie- und Tumorerkrankungen von Kindern zu fördern. Das Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) würdigte dieses Engagement, indem es ein Konzert für betroffene Familien, Mitglieder und Unterstützer des Elternvereins gemeinsam mit dem SAP-Sinfonieorchester veranstaltete. Am 23. September spielte das SAP-Sinfonieorchester „Max & Moritz“ von Gisberth Näther unter der musikalischen Leitung von Manuela Weiss vor mehr als 100 begeisterten Besuchern auf dem Vorplatz der Kinder-, Haut- und Frauenklinik am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD). Der Spendenerlös aus dem Konzert floss an das KiTZ und unterstützt dort das Projekt „Zeit schenken“, mit dem zusätzliche Personalstellen und Angebote für die jungen Patienten am KiTZ und ihre Familien finanziert werden.

„Nachdem meine älteste Tochter 1995 an einem Medulloblastom erkrankt und 1997 daran verstorben ist, musste ich am eigenen Leib erfahren, was es heißt, in dieser schweren Phase des Klinikaufenthaltes mit seinen Sorgen und Nöten mehr oder weniger allein da zu stehen“, erinnert sich Stefanie Baldes zurück. Seit 2015 ist sie Vorsitzende der Heidelberger Elterninitiative und seit 2015 im Vorstand der Deutschen Kinderkrebsstiftung. Zuvor hatte Gabriele Geib, deren Sohn im Alter von sechs Jahren ebenfalls an Krebs verstarb, 33 Jahre lang den Verein geleitet. „Seit damals hat sich sehr viel getan“, sagt Geib. „Natürlich gab es auch Hindernisse und Rückschläge in unserer Arbeit, aber rückblickend kann ich sagen: Wir konnten schon sehr viel für die bessere Versorgung der kranken Kinder und ihrer Familien erreichen, was mich sehr stolz macht.“

Zur Zeit der Vereinsgründung gab es die heute auf kinderonkologischen Stationen etablierten „psychosozialen Teams“ noch nicht. Deren Aufgabe ist es, die Patienten und ihre Familien in der Zeit der Therapie und in der Nachsorge zu unterstützen und zu begleiten. Elternvereinen wie der „Aktion für krebskranke Kinder e.V. Heidelberg“ sei es zu verdanken, dass psychosoziale Betreuung hierzulande inzwischen integraler Bestandteil der Patientenversorgung sind, so Geib.

Für die „Aktion für krebskranke Kinder e.V. Heidelberg“ und andere Elternvereine machte sich besonders in der Anfangszeit des Vereins auch die Aktivistin und Grünen-Politikerin Petra Kelly stark. So geht der Name der Kinderbetreuungseinrichtung „Kinderplanet“ am UKHD auf Petra Kelly zurück. Neben dem Kinderplaneten ist auch das „Elternwohnen“, ein eigener Trakt im Klinikum, in dem Apartments für die Familien der Patienten zu finden sind, eine fast vollständig durch Spenden finanzierte Initiative des Heidelberger Elternvereins. Dort können die Eltern und Geschwister den jungen Patienten auch während des Klinikaufenthalts ganz nah sein.
„Über dieses enorme soziale und psychosoziale Engagement hinaus haben der Verein und ihr Dachverband, die Deutsche Kinderkrebsstiftung, unglaublich viel für die Forschung im Bereich der Kinderonkologie und -hämatologie getan“, so KiTZ-Direktor Stefan Pfister in seiner Dankesrede zum Jubiläum. „Allein die „Aktion für krebskranke Kinder Heidelberg“ hat in den letzten 40 Jahren über 21 Millionen Euro an Spenden an die Kinderklinik weitergeleitet. Eine unglaubliche Summe!“

Auch Olaf Witt, ebenfalls Direktor am KiTZ, dankt dem Elternverein: „Den klinischen Schwerpunkt „Pädiatrische Neuroonkologie“, den ich leiten darf, ist aufgrund einer mehrjährigen Anschubfinanzierung des Elternvereins entstanden. Der Verein hat einen großen Anteil daran, dass unser Forschungsschwerpunkt, der sich um neue Behandlungskonzepte zur Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren kümmert, seit vielen Jahren erfolgreich ist. Unsere Aktivitäten fließen heute in das 2016 gegründete KiTZ.“

Andreas Kulozik, der wie Stefan Pfister und Olaf Witt zum KiTZ-Direktorium gehört, ergänzt: „Es ist die gemeinsame Vision des Elternvereins und des KiTZ, durch die enge Verknüpfung von Forschung und Medizin gerade den Kindern neue Heilungschancen zu eröffnen, für die es bisher keine Behandlungsmöglichkeiten gab. Wir vom KiTZ-Direktorium sind unglaublich dankbar, einen so engagierten und tatkräftigen Elternverein an unserem Haus zu haben.“

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können.
Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.
Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern.
Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Das Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ)
Das „Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg“ (KiTZ) ist eine kinderonkologische Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums, des Universitätsklinikums Heidelberg und der Universität Heidelberg. Wie das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, das sich auf Erwachsenenonkologie konzentriert, orientiert sich das KiTZ in Art und Aufbau am US-amerikanischen Vorbild der so genannten “Comprehensive Cancer Centers” (CCC). Das KiTZ ist gleichzeitig Therapie- und Forschungszentrum für onkologische und hämatologische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Es verfolgt das Ziel, die Biologie kindlicher Krebs- und schwerer Bluterkrankungen wissenschaftlich zu ergründen und vielversprechende Forschungsansätze eng mit der Patientenversorgung zu verknüpfen – von der Diagnose über die Behandlung bis hin zur Nachsorge. Krebskranke Kinder, gerade auch diejenigen, für die keine etablierten Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen, bekommen im KiTZ einen individuellen Therapieplan, den Experten verschiedener Disziplinen in Tumorkonferenzen gemeinsam erstellen. Viele junge Patienten können an klinischen Studien teilnehmen und erhalten damit Zugang zu neuen Therapieoptionen. Beim Übertragen von Forschungserkenntnissen aus dem Labor in die Klinik übernimmt das KiTZ damit Vorbildfunktion.

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für Patientinnen und Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 14.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit rund 2.500 Betten werden jährlich circa 86.000 Patientinnen und Patienten voll- und teilstationär und mehr als 1.100.000 Patientinnen und Patienten ambulant behandelt.
Gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Deutschen Krebshilfe (DKH) hat das UKHD das erste Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg etabliert. Ziel ist die Versorgung auf höchstem Niveau als onkologisches Spitzenzentrum und der schnelle Transfer vielversprechender Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik. Zudem betreibt das UKHD gemeinsam mit dem DKFZ und der Universität Heidelberg das Hopp Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ), ein deutschlandweit einzigartiges Therapie- und Forschungszentrum für onkologische und hämatologische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter.
Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit befinden sich an der Medizinischen Fakultät Heidelberg (MFHD) rund 4.000 angehende Ärztinnen und Ärzte in Studium und Promotion. www.klinikum-heidelberg.de

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