Heidelberg – Expertentreffen zu kindlichen Hirntumoren: Start der größten internationalen Fachtagung (ISPNO) in Hamburg


Heidelberg / Metropolregion rhein-Neckar(red/ak/DKFZ, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg) -Das 20. Internationale Symposium zur Kinder-Neuroonkologie (ISPNO 2022) ist die weltweit größte Konferenz zu Tumoren des zentralen Nervensystems bei Kindern und Jugendlichen. Vom 12. bis 15. Juni findet die ISPNO erstmals in Deutschland statt. Die Gastgeber sind das UniversitätsklinikumHamburg-Eppendorf (UKE) sowie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) alseiner der Träger des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ). Mehr als
1000 internationale Experten diskutieren in Hamburg neueste Erkenntnisse zur Diagnose, Behandlung, Versorgung und Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen mit ZNS-Tumoren. In der Elternsession, die vom TV Arzt und Fernsehmoderator Dr. Johannes Wimmer moderiert wird, setzen sich betroffene Eltern und Wissenschaftler mit der immer wichtiger werdenden Rolle von Patientenvertretern in der Kinderkrebsforschung auseinander.

In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 2.000 Kinder und Jugendliche an
Krebs. Hirntumore sind in dieser Altersgruppe besonders häufig und machen etwa 25 Prozent aller Erkrankungen aus. Die notwendigen Therapien sind oft langwierig und belastend, so dass eine Krebsdiagnose einen tiefen Einschnitt in das Leben dieser jungen Patienten und ihrer Familien bedeutet. Trotz aller Fortschritte verläuft etwa ein Drittel der Erkrankungen tödlich.

Die ISPNO, die dieses Jahr erstmals in Deutschland stattfindet, ist der weltweit wichtigste Kongress für kindliche Hirntumoren. Die Konferenz in Hamburg, unter der Schirmherrschaft von Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher, richtet sich an Wissenschaftler und Ärzte aus verschiedenen Disziplinen. Das wissenschaftliche Programm der ISPNO 2022 deckt alle Bereiche der präklinischen und klinischen Forschung in der Kinder-Neuroonkologie ab und umfasst außerdem Aspekte der Rehabilitation und Pflege.

Die pädiatrische Neuroonkologie hat in letzten Jahren bemerkenswerte
Fortschritte gemacht. So hat sich mit der gerade erschienenen 5. Auflage der WHO-Klassifikation von ZNS-Tumoren, inklusive derer von Kindern und Jugendlichen, in der Diagnostik kindlicher Hirntumoren ein regelrechter Paradigmenwechsel vollzogen. Das Nachschlagewerk, das gemeinsam von Wissenschaftlern am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und zahlreichen internationalen Expertenverfasst wurde, wird auf der Tagung vorgestellt. Es beruht auf einemmodernen, vielschichtigen Ansatz, der nicht mehr nur mikroskopischsichtbare, sondern auch zahlreiche molekulare Merkmale der vielfältigen Hirntumorarten in die Diagnose miteinfließen lässt. Stefan Pfister, Direktor am KiTZ, Abteilungsleiter des DKFZ, Kinderonkologie am UKHD und einer der beiden Organisatoren der ISPNO, der zu den Hauptautoren der Veröffentlichung gehört, sagt: “Die neue WHO-Klassifikation bildet für Ärzte und Kinderonkologen weltweit die Grundlage einer modernen präzisen Krebsdiagnostik und basiert auf den neuesten internationalen Forschungsergebnissen.”

Mit der Entdeckung der charakteristischen molekularen Merkmale kindlicher Hirntumoren haben auf der einen Seite Ansätze der personalisierten Medizinverstärkt Einzug in die Kinder-Onkologie gehalten. Auf der anderen Seitebesteht weiterhin der dringende Bedarf, Standard-Therapien in PhaseIII-Studien kontinuierlich zu verbessern. Wie lassen sich diese beiden auf den ersten Blick widersprüchlichen Konzepte zusammenbringen? Bei einer Round
Table Veranstaltung diskutieren Ärzte, wie sie diese teilweise schwierigen Entscheidungen treffen und welches der beiden Konzepte bei einzelnen Patienten priorisiert werden sollte.

“Nebenwirkungen und Spätfolgen der Therapie zu reduzieren, ohne die
Heilungschancen der betroffenen Kinder zu verschlechtern, ist ein weitereszentrales Ziel der pädiatrischen Onkologie”, sagt Stefan Rutkowski, Direktorder Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am UKE, ebenfalls wissenschaftlicher Leiter der ISPNO. “Wir müssen langfristig den “Preis des Überlebens” senken.” Um dies für immer mehr Patienten zu erreichen, ist es notwendig, Parameter der Lebensqualität und Neuropsychologie weltweit standardisiert zu erfassen. Wie dies gelingen kann und Spätfolgen vermindert werden können, thematisierten Experten aus Memphis, USA, und Toronto,
Kanada.

Auch die biologische Grundlagenforschung eröffnet faszinierende Perspektiven für die Neuroonkologie: Wie sich Hirntumorzellen durch ihre Kommunikation untereinander, aber auch mit gesunden Gehirnzellen, sehr geschickt in das normale Gewebe integrieren und dadurch auch vermeiden, vom Immunsystem als fremd erkannt zu werden, stellen Experten aus Heidelberg und Stanford, USA, bei der ISPNO vor. Ausgehend von diesen neuen Erkenntnissen zur Wechselwirkung der Tumorzellen mit Ihrer Umgebung wollen die Wissenschaftler langfristig neuartige Therapieansätze entwickeln.

Patientenvertreterinnen- und -vertreter spielen glücklicherweise auch in der Forschung eine immer größere Rolle. Als Patientenbeiräte bringen sie diePatientensicht in Forschungsstrategien ein und können ausgewählteForschungsvorhaben durch Stellungnahmen und Empfehlungen befürworten. Sieleisten damit ebenfalls einen wichtigen Beitrag, um den Zugang zuinnovativen Therapien für krebskranke Kinder zu erleichtern und können durchihre Stimme gerade in Deutschland zum Abbau regulatorischer Hürden zur Öffnung neuer klinischer Studien beitragen. Diesen Themen und ethischen Entscheidungen widmen sich betroffene Eltern in der Patientensession mit Impulsvorträgen. Moderiert wird die Session von Dr. Johannes Wimmer, betroffener Vater, Mediziner und Fernsehmoderator.

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