Mannheim – Invasive Art macht Platz für mehr Biodiversität

Mannheim/Metropolregion Rhein-Neckar. Unter den durch die Folgen der Trockenheit der letzten Jahre absterbenden Kiefern bildet sich eine Monokultur der Spätblühenden Traubenkirsche, die die Artenvielfalt in Mannheims Wäldern bedroht. Im Herbst drängt daher der städtische Forstbetrieb die Spätblühende Traubenkirsche auf 0,5 Prozent der Waldfläche zurück, um Platz für heimische Arten zu schaffen.


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Traubenkirsche breitet sich aus
Der Artenreichtum ist bedroht von einer schnell wachsenden Spätblühenden Traubenkirsche. Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika und breitet sich rasant in den Wäldern der Rheinebene aus. In Waldbereichen, die vorher licht und offen waren, bildet sie dichte, geschlossene Decken, die weder Licht noch Wärme an den Boden lassen. Das gefährdet Tier- und Pflanzenarten, die auf lichte Wälder angewiesen sind. Ein Beispiel: die Eiche. Sie braucht zum Wachsen deutlich mehr Zeit und Licht als die Spätblühende Traubenkirsche. Dort, wo die Spätblühende Traubenkirsche nicht zurückgedrängt wird, hat die Eiche keine Chance zum Wachsen. Die Aufgabe des Forstbetriebs ist es also, genau das zu tun, um den Lebensraum für unsere Arten weiter zu entwickeln und langfristig zu erhalten. So ist es im Forsteinrichtungswerk, welches der Gemeinderat 2020 einstimmig beschlossen hat, festgelegt.

Im Dezember geht es los
Ab Dezember werden auf den Pflanzflächen abgestorbene Kiefern gefällt. Aus Gründen der Arbeitssicherheit bei den später notwendigen Pflegearbeiten und damit die neuen Pflanzen nicht durch die umstürzenden Bäume zerstört werden, werden diese entfernt. Ganz gezielt verbleibt ein Teil der Bäume als Totholz auf jeder Fläche. Bei der anschließenden Entfernung der Spätblühenden Traubenkirsche wird bewusst auf chemische Mittel verzichtet und rein mechanisch gearbeitet. Ein Bagger wird von festgelegten Gassen aus, die Traubenkirsche samt Wurzeln aus der Erde ziehen. Dafür hat er einen langen Arm, mit dem er überall hinkommt, denn zwischen den Gassen liegt ein Abstand von 20 Metern. Auf diese Weise werden 13 Teilflächen verteilt auf 6,7 Hektar von der Traubenkirsche im Stadtwald befreit.

Bäume pflanzen für die Biodiversität
Eine der Teilflächen bleibt frei: hier soll sich der Wald auf natürliche Art und Weise verjüngen, da sich Samenbäume klimastabiler Baumarten in direkter Nähe befinden. Auf den übrigen zwölf Flächen werden, da hier entsprechende Samenbäume fehlen, im kommenden Winter neue Bäume (heimische Baumarten und vor allem Eichen) gepflanzt. Ein wichtiger Schritt, um Mannheims Wälder als Lebensraum für schützenswerte Arten langfristig zu naturnahen und perspektivisch mehrstufigen Laubmischwäldern weiterzuentwickeln und die Baumartenzusammensetzung im Stadtwald an die natürliche Waldgesellschaft anzupassen. Dort, wo genügend Licht durch die entfernte Spätblühende Traubenkirsche sowie der für viele Zielbaumarten notwendige Rohboden zum Wachstum zur Verfügung steht und die Pflanzen vor Verbiss geschützt werden, stellt sich zusätzlich zur Pflanzung eine natürliche Verjüngung weiterer Baumarten ein. Das zeigt sich auf vielen bestehenden Pflanzflächen. Hierdurch entwickeln sich bunt gemischte Bestände mit vielen verschiedenen Baumarten und die sichtbaren Strukturen der Pflanzung werden sich schnell auflösen.

Wichtiger Schritt für Stadtwald der Zukunft
„Ein gesunder, ökologisch wertvoller und klimastabiler Mischwald lädt zur Erholung ein, bietet Lebensraum für Arten und trägt mit einer nachhaltigen Holznutzung zur CO2 Neutralität und Rohstoffversorgung der Stadt Mannheim bei“, bringt Dr. Stefan Wilhelm, Leiter der Unteren Forstbehörde, die Vision für den Stadtwald auf den Punkt. „Mit unserer klaren Fokussierung auf die Erholungsfunktion und den Artenschutz unterscheiden wir uns damit deutlich von klassischen Forstbetrieben. Die nachhaltige Holznutzung stellt dabei ein nachrangiges Ziel dar.“ Die Entscheidung zur Umsetzung dieser Vision, die den idealen zukünftigen Zustand des Mannheimer Stadtwaldes beschreibt, hat der Gemeinderat mit seiner Abstimmung zur forstlichen Planung am 06.10.2020 getroffen. Mit der Umsetzung wird jetzt durch die Pflanzung neuer klimastabiler Bäume begonnen und der Stadtwald damit fit für die Zukunft gemacht.

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