Hockenheim – Stadt berichtet über Integration

Hockenheim, Rathaus, Thomas Jakob-Lichtenberg und Konrad Sommer, 24.06.2021,
Bild: Lenhardt
Hockenheim/Rhein-Neckar-Kreis/Metropolregion Rhein-Neckar. Im Rahmen einer Sitzung des Ausschusses für Soziales, Jugend, Kultur und Sport nahm die Stadtverwaltung Hockenheim Stellung zu einer Anfrage der SPD-Gemeinderatsfraktion, welche sich auf die aktuelle Situation der in Hockenheim lebenden Geflüchteten bezog. Der städtische Integrationsbeauftragte Konrad Sommer führte aus, dass aktuell 419 Personen mit Fluchthintergrund in Hockenheim leben. Davon sind 100 Personen im Rahmen der vorläufigen Unterbringung in einer vom Rhein-Neckar-Kreis betriebenen Unterkunft im Talhaus untergebracht. Weitere 319 Personen fallen im Rahmen der Anschlussunterbringung in die Verantwortung der Stadt Hockenheim. Von diesen leben knapp 200 Personen bereits in privaten Wohnungen, während derzeit rund 120 Personen noch in sieben städtischen Unterkünften leben, von denen sich drei im Eigentum der Stadt be-finden und weitere vier Unterkünfte angemietet wurden. Sommer berichtete, dass der Mietvertrag für eine der angemieteten Unterkünfte zum Mai 2022 gekündigt worden sei, nachdem man sich mit dem Vermieter darauf verständigen konnte, dass er selbst seine Räumlichkeiten auch zukünftig an Geflüchtete vermieten wird. „Wir sehen auch das als ei-nen sinnvollen und willkommenen Weg der weiteren Integration Geflüchteter an“, führte der städtische Integrationsbeauftragte weiter aus. Außerdem betonte er, dass die damalige Entscheidung zu Gunsten einer dezentralen und mithin über die Stadt verteilten Unterbringung der Geflüchteten sich auch heute noch als richtige Entscheidung für Hockenheim erweise.

Förderung von Sprache bei Kindern
Ein weiterer Teil der SPD-Anfrage bezog sich speziell auf die Situation von in Hockenheim lebenden Kindern und Jugendlichen mit Fluchthintergrund. Im laufenden Schuljahr werden insgesamt 20 Schülerinnen und Schüler sowie neun Kindergarten-Kinder aus diesem Umfeld an den Hockenheimer Schulen und Kindergärten betreut. Von Seiten der Schul- und Kindergarten-Leitungen wurde in diesem Zusammenhang auf die nach wie vor vorhande-nen Sprachbarrieren verwiesen, welche aktuell einer noch besseren Integration der Geflüchteten im Weg stehen. Eine engere Betreuung durch Lehrkräfte im Unterricht wäre nach Aussage der Schulen wünschenswert, ist aber aufgrund der eingeschränkten Lehrer-versorgung nicht möglich. „Sofern es Stundenplan und Lehrerkontingent zulassen, bieten die Schulen einzelne Stunden zur Sprachförderung an“, ergänzte Bürgermeister Jakob-Lichtenberg die Ausführungen des Integrationsbeauftragten. Er stellte zudem fest: „Auch die durch den Kinderschutz-bund Hockenheim e.V. organisierte Hausaufgabenbetreuung sowie die Schulsozialarbeit stellen wichtige Bausteine in der Unterstützung von geflüchteten Kindern und deren Familien dar.“

Im Kindergartenbereich setzen alle Träger zur besseren Integration von Kindern mit Migrations- oder Fluchthintergrund auf die Sprachförderprogramme „Singen – Bewegen – Sprechen“ und „Kolibri“. Darüber hinaus können die Einrichtungen bei Bedarf auf die Frühförderstelle des Postillion e.V. bei der Arbeit mit den Kindern und deren Eltern zurückgreifen. In einem weiteren Teil der Anfrage ging es um besondere Problembereiche im Zusammenhang mit der Unterbringung und Betreuung von Geflüchteten in Hockenheim. Hierzu berichteten Sommer und der für die Leitung des In-tegrations-Managements beim DRK verantwortliche Michael Gelb, dass die dauerhafte Unterbringung Erwachsener in Mehrbettzimmern auf Grund der eingeschränkten Intim-Sphäre und der gegebenen Unruhe gelegentlich zu Spannungen und emotionalen Diskussionen führen. Dieses betrifft insbe-sondere Auszubildende und Personen, welche in Wechselschicht arbeiten.

Impfangebot erfolgreich angenommen
Ein weiterer Problembereich ergibt sich aus der Corona-bedingten Schlie-ßung des Café KOMM seit März 2020, weil dadurch ein wichtiger Treff-punkt für Geflüchtete und Ehrenamtliche temporär verloren ging. Dieser Ausfall beschleunigte die schon seit mehr als zwei Jahren erkennbare Ero-sion einsatzwilliger Ehrenamtlicher in der Asylarbeit. „Das vorsichtige Wiederanfahren des Cafés ab Oktober 2021 wird hier in Verbindung mit einer Wiederbelebung der Ehrenamtsplattform „Hockenheim-hilft.de“ sicherlich Abhilfe schaffen“, führte der städtische Integrationsbeauftragte dazu aus. Die Corona-Pandemie hinterließ nach Aussage der Experten allerdings auch in anderer Hinsicht Spuren unter den Geflüchteten. „Leider mussten einige der mittlerweile berufstätigen Geflüchteten zeitweise in Kurzarbeit ausweichen. Aber immerhin haben wir kaum Arbeitsplätze verloren“ erläuterte Michael Gelb als Leiter des DRK-Integrationsteams. Außerdem führte die teilweise prekäre Unterbringung der Geflüchteten zu einigen Corona-Infektionen, in deren Folge nicht nur einzelne Personen, sondern in mehreren Fällen auch ganze Unterkünfte unter Quarantäne gestellt werden muss-ten.

„Die in Kooperation mit dem Landratsamt durchgeführte Impfaktion im Juni, in deren Rahmen insgesamt 1.600 Personen innerhalb einer Woche geimpft werden konnten, haben wir genutzt, um dabei auch weit über 100 Personen mit Fluchthintergrund zu impfen. Die gezielte Ansprache von Hockenheimer Unternehmen, in denen Geflüchtete arbeiten, hat dabei ebenfalls sehr ge-holfen“, führte Konrad Sommer vor dem Ausschuss aus. Weiter sagte er: „Die genannten Probleme sind absolut nicht Hockenheim-spezifisch, sondern finden so oder ähnlich im ganzen Land statt. Das ist alles beherrsch-bar, so lange die Zusammenarbeit mit dem DRK gut funktioniert und vor allem die Stadtspitze unsere Vorgehensweise vollumfänglich unterstützt.“ Abschließend wollte die SPD in ihrer Anfrage an die Verwaltung wissen, welche Aktivitäten zur Vorbereitung auf einen möglichen neuen Flüchtlingsstrom ergriffen würden. „Aus den aktuellen Diskussionen über die mögliche Aufnahme afghanischer Ortskräfte und Geflüchteter erwartet die Verwaltung nur minimale Auswirkungen bezüglich zusätzlicher Unterbringungsanforderungen an die Stadt“, führte Bürgermeister Jakob-Lichtenberg hierzu aus. Neue Flüchtlingsströme könnten primär entstehen, wenn die durch die EU in Libyen und der Türkei eingezogenen Sicherungsriegel aus politischen oder anderen Gründen nicht mehr halten sollten. In diesem Fall wäre eine direkte Auswirkung auf die Stadt Hockenheim in Form zusätzlich unterzu-bringender Geflüchteter mit einer zeitlichen Verzögerung von bis zu zwei Jahren zu erwarten, da sich zunächst Landeserstaufnahme-Lager sowie die von Stadt- und Landkreisen zu planende, vorläufige Unterbringung um diese Geflüchteten kümmern müssten.

„Zum Glück verfügt die Stadt aber auch in den bestehenden Unterkünften über eine Unterbringungsreserve von mehr als 50 Plätzen, so dass wir derzeit nicht davon ausgehen, hier in absehbarer Zeit nicht überrascht zu werden“, so Jakob-Lichtenberg weiter. Wie zuvor bereits einige Ausschussmitglieder bedankte sich auch Oberbürgermeister Marcus Zeitler abschließend für die ausführliche und fundierte Stellungnahme. „Vor dem beschriebenen Hintergrund gibt es aus Sicht der Verwaltung aktuell keine erweiterte Handlungsnotwendigkeit und hinsichtlich der bei uns untergebrachten Geflüchteten auch keinen Grund zur Sorge. Dem jahrelangen ehren- und hauptamtlichen Engagement der Referenten sowie vieler weiterer ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer haben wir es zu verdanken, dass die Integration hier in Hockenheim besser funktioniert als in vielen anderen Gemeinden des Landes. Beiden gebührt deshalb unser uneingeschränktes Vertrauen und unsere Unterstützung.“

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