Heidelberg – MLP Academics: Epischer Showdown im SNP Dome!

        Nur David Jones hat in der Heidelberger Geschichte mehr Punkte als Shy Ely erzielt. Foto: Thomas Disqué

        Heidelberg / Metropolregion Rhein-Neckar(red/ak/MLP Academics Heidelberg) – Dieser Abend wird zweifelsfrei in die Geschichte der Barmer 2. Basketballbundesliga eingehen. Im neuen Playoff-Format, welches in zwei 4er Gruppen mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wird, hatten die MLP Academics Heidelberg im heimischen SNP DOME die Gelegenheit, die Aufstiegsträume der Kirchheim Knights vorzeitig zu beenden und die eigene Position weiter zu festigen. Eine 114:118 Niederlage nach drei (!) Verlängerungen hingegen lässt die Gruppe zwei nun wieder wesentlich spannender werden, als es den Heidelbergern lieb sein kann. Zwar führt man die Tabelle nachwievor an. Die Kirchheimer als auch die Eisbären Bremerhaven sitzen Heidelberg
        (drei Siege) nun aber mit je zwei Siegen fortan im Nacken. Wenn sich zwei Teams im Kampf um den Aufstieg in drei Verlängerungen und einem kämpferisch sowie spielerisch hochklassigen Spiel über 55 Minuten lang duellieren, die Spieler die allerletzten Energiereserven nach ohnehin anstrengenden Wochen irgendwo aus ihrem müden Körper rausziehen, die Trainer mehr schwitzen als manch einer beim Joggen am Neckar, einer der Schiedsrichter aufgrund der Anstrengung umknickt und die Fingernägel der Zuschauer am Stream und in der Halle um ein Drittel kürzer sind, dann weiß man, welch ein Drama sich gestern im Dome vor den Toren Heidelbergs abgespielt hat.

          ELY KNACKT EINEN NEUEN REKORD
          Der Start in die Partie ließ schon erahnen, dass dies kein Spiel wie jedes andere werden
          sollte. Erstaunlicherweise stellte der sonst recht abergläubische Coach ‚Frenki‘ Ignjatovic die Starting Five. Für Armin Trtovac rückte Kapitän Phillipp Heyden und für Sa’eed Nelson Ely in die Startformation. Den Sprungball entschied Heyden für sich, womit der erste Angriff den
          Heidelbergern gehörte. Die Kirchheimer deuteten bereits im hier an, dass sie gekommen
          waren, um die zwei Punkte aus Heidelberg zu entführen. Sie verteidigten aggressiv am Ball,
          machten alle Laufwege zu und zwangen den Gastgeber bei noch zwei Sekunden auf der
          Shotclock fast zum Turnover. Doch Evan McGaughey konnte den Ball, den Niki Würzner
          quer übers Feld gepasst hatte, gerade so runterpflücken und in der Luft stehend an Ely
          weiterpassen. Dieser hatte keine andere Wahl mehr als aus über acht Metern abzudrücken.
          Swish! Aber warum gehen wir bei einem Spiel mit drei Verlängerungen so intensiv auf die ersten 24 Sekunden ein? Es gibt schließlich noch weitere 54:36 Spielminuten, die abgearbeitet werden müssen. Nun ja, dieser Dreier war nicht einfach nur ein Beweis für Ely’s Treffsicherheit vom Perimeter. Mit diesem Dreier knackte der sympathische Familienvater auch die 2.500 Punkte Marke für Heidelberg! In der Geschichte der ProA, gibt es keinen Importspieler, der mehr Punkte für einen Verein erzielt hat. Danke Shy!

          DIE ERSTE HALBZEIT DOMINIERT…
          Zurück zur Partie, in welcher sich die Heidelberger sich offensiv wie defensiv schwer taten.
          Ein Alleyoop Anspiel nach einem Backdoor-Cut (ein Spieler schleicht sich im Rücken des
          Verteidigers davon und wird in Korbnähe hoch angespielt) ist für den Zuschauer schön
          anzuschauen. Nicht hingegen für den Trainer der verteidigenden Mannschaft, denn ein
          solches Play gelingt nur dann, wenn die Verteidigung nicht auf dem Feld ist. Dass dann
          gleich die ersten beiden Angriffe der Ritter mit einem solchen Korberfolg endeten, beide
          Male verwertete Max Mahoney, muss Frenki innerlich zum Kochen gebracht haben. Er ließ
          sich, vielleicht in einer hellseherischen Vorahnung einen langen Abend zu haben, jedoch
          kaum etwas anmerken. Die Academics fingen sich denn auch und konnten sich in den
          nächsten auf 10:4 absetzen.

          Aus unserem letzten Bericht stammt folgende Passage:
          Sicherlich wird er (Igor Perovic) auch eine deutliche Leistungssteigerung von Nico Brauner
          und Kyle Leufroy sehen wollen. Die beiden Säulen der Kirchheimer Offensive konnten auf
          zusammen gerade mal neun Punkte gehalten werden. Es ist nicht davon auszugehen, dass
          das deutsch-amerikanische Duo am Montag Abend erneut eine solche Leistung auf das
          Parkett bringt. Als hätte Nico Brauner sich unsere PM zu Herzen genommen, fiel er im ersten Viertel nicht nur optisch sondern auch spielerisch auf. Neben einem Assist zu einem der Alleyoops durch Mahoney erzielte er auch sechs Punkte am Stück um seine Farben im Spiel zu halten. Verhindern konnte er eine 20:14 Führung für den Gastgeber dennoch nicht, bei denen
          insbesondere Ely gut in die Partie kam.

          …ABER DEN VORSPRUNG LEICHTFERTIG VERSPIELT
          Eine Stärke des diesjährigen Teams ist die Fähigkeit, sich durch attraktiven Tempobasketball
          schnell absetzen zu können. Nach drei gespielten Minuten im zweiten Viertel hatten die
          Academics die Führung bereits auf 10 Punkte hochgeschraubt. Doch auch die Kirchheimer
          verfügen über die individuelle Klasse aber eben auch den Kampfgeist im Team, den es
          braucht, um sich aus solchen Lagen zu befreien. Es entwickelte sich fortan ein offener
          Schlagabtausch, in dem beide Teams aber insbesondere die Gastgeber durch eine gefällige
          Offense zu überzeugen wussten. Als man 1:42 Minuten vor dem Ende der ersten Halbzeit
          auf 42:29 enteilt war, sah es erneut nach einem überzeugenden vierten Sieg im vierten Spiel
          aus. Einige Nachlässigkeiten in der Verteidigung sowie vermeidbare Fehler im Angriff ließen die Knights mit einem 6:0 Lauf auf 42:35 verkürzen und dem guten Gefühl des Momentums auf
          ihrer Seite in die Kabine gehen. Wer die Spiele der Academics aufmerksam verfolgt erinnert
          sich, dass die Heidelberger im Hinspiel vor drei Tagen selbst mit 12 Punkten zurücklagen
          und die Partie in der zweiten Halbzeit durch eine große Kraftanstrengung noch umbiegen
          konnten.

          Duell auf Augenhöhe
          Das dritte Viertel begann, wie das zweite aufgehört hatte. Die Kirchheimer waren hellwach,
          zwangen die Kurpfälzer zu schweren Würfen oder Ballverlusten, die sie dann wiederum auf
          der Gegenseite zu erfolgreichen Korbabschlüssen verwerteten. Lediglich zwei magere
          Pünktchen durch Shy Ely standen bis zur 5. Minute des dritten Viertels auf der Habenseite.
          Die Folge: nach einem 13 Punkte Rückstand waren die Schwaben plötzlich in Führung,
          welche von der Bank aus lautstark bejubelt wurde. Die Intensität dieser Partie war fast
          greifbar, eine ganz besondere Atmosphäre lag in der Luft des Domes. Man stellte sich wohl
          hier und da etwas wehmütig die Frage, wie es wohl wäre, wenn die Ränge mit lautstark
          unterstützenden Fans der jeweiligen Lager gefüllt wären. Zurück zum Spielgeschehen.
          Die Academics fingen sich erneut und konnten – angetrieben von Nelson und Ely – und
          einem erfolgreichen Dreier durch Albert Kuppe den Schaden minimieren und die Führung
          wiederherstellen. Nun galt es, den 61:57 Vorsprung im Schlussabschnitt nicht nur zu
          verwalten, sondern schnellstmöglich auszubauen.

          EIN RÜCKBLICK: DAS SCHLECHTE OMEN DER ELF PUNKTE FÜHRUNG IM LETZTEN VIERTEL
          Es war die Saison 2013/2014. Die Academics, damals unter Coach Tony Garbelotto sind auf
          einem Playoffplatz und benötigen nur noch einen Sieg aus zwei Spielen, um die Endrunde
          zu sichern. Mit zwei Siegen wäre es eine Top 4 Platzierung. Das letzte Viertel der Partie
          gegen die ETB Wohnbau Baskets steht im heimischen Olympiastützpunkt an. Die
          vorproduzierten Playoff-Shirts liegen noch, man will sich schließlich keine bösen Geister
          hervorrufen, im Kofferraum des Ausrüsters Eckhard Tolksdorf (et Sport), als die Academics
          mit 11 Punkte in Führung gehen. Blickkontakt zum Ausrüster: ‚Kannst die T-Shirts holen,
          Eckhard‘. Kaum verlässt dieser die Halle, nimmt das Drama seinen Lauf. Devin White knickt
          beim Versuch seinen Gegenspieler zu blocken um und muss verletzt das Feld verlassen.
          Die Essener wittern ihre Chance und knabbern den Vorsprung Punkt um Punkt ab. Zwar
          erzielte ein gewisser Shyron Ely damals 28 Punkte . Der Sieg ging auf der Schlussgeraden
          dennoch an den Gast, womit die Academics beim folgenden Auswärtsspiel unter Zugzwang
          gerieten. Long story short: man verlor anschließend auch das Spiel in Ehingen und
          verpasste den Einzug in die Endrunde.

          MAN SOLL DEN TAG NICHT VOR DEM ABEND LOBEN
          Das vierte Viertel begann zunächst vielversprechend für die Gäste, die innerhalb der ersten
          beiden Angriffe den schnellen Ausgleich erzielen konnten. Doch dann kam sie wieder ins
          Rollen, die unwiderstehliche Offense der Academics. Kuppe, Nelson, Loh und Ely packten in
          der Defense konsequent zu und bestachen vorne durch schnelles Passspiel und
          beeindruckender Treffsicherheit aus allen Lagen. In weniger als drei Minuten setzte es einen
          11:0 Lauf und das Gefühl, gerade die Vorentscheidung erlebt zu haben, macht sich wohl
          auch an den heimischen Bildschirmen breit. Doch da gab es ja noch diesen Nico Brauner, der sich fest vorgenommen hatte, die Rolle des Spielverderbers einzunehmen. Seine zwei Dreier in Folge verkürzten den Rückstand zunächst auf 72:67 (35. Minute). Da aber auch die erfahrenen Andreas Kronhardt und Richie Williams Spaß an der Partie zu finden schienen, gingen die Gäste durch einen 11:0 Lauf ihrerseits bei noch anderthalb Minuten zu spielen mit drei Punkten in Front. War das jetzt die Vorentscheidung? Nein. Im nächsten Angriff gelang den Heidelbergern, begünstigt durch ein unsportliches Foul von Max Mahoney, ein Vierpunkte-Spiel. Führung Heidelberg. Diese hielt jedoch nicht lange, da Richie Williams, sonst nicht für seinen Wurf von außen wohl aber für seine ‚Clutchness‘ bekannt, eiskalt einen Dreier versenkte. Fünf Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit konnte Jordan Geist nervenstark an der Linie zumindest die Verlängerung erzwingen

          DAS DRAMA IN DREI AKTEN
          AKT 1: MANCHMAL HILFT EIN FOUL
          In der ersten Verlängerung setzte sich der offene Schlagabtausch weiter fort. Es ging Schlag
          auf Schlag auf beiden Seiten. Erst Mitte der ersten 5 Minuten Extraschicht konnten sich die
          Gastgeber ein wenig absetzen und sahen erneut wie der wahrscheinliche Sieger aus. Bei
          noch 37 Sekunden zu spielen und eigenem Ballbesitz, Shaun Willett hatte gerade den Ball
          geklaut, leuchtete ein Mut machendes 95:92 auf der Anzeigetafel des Domes.
          Die Devise war klar. Möglichst viel Zeit von der Uhr nehmen und nach Möglichkeit
          mindestens einen weiteren Punkt erzielen, um ein sogenanntes ‚Two-Possession-Game‘
          herzustellen. Jordan Geist dribbelte die Zeit runter, fand kurz vor Ablauf der 24 Sekunden Ely an der Dreierlinie, dessen Wurf leider nicht den Weg durch die Reuse fand. Da Willett den
          anschließenden Offensivrebound nicht festhält, um sich foulen zu lassen, sondern den
          schwierigen Tip-In versucht und verfehlt, haben die Knights nochmal die Möglichkeit durch
          einen Dreier auszugleichen. Dieser lässt sich verhindern, wie jeder Basketballer weiß, indem
          man den Gegner foult und für zwei Freiwürfe (gleichbedeutend mit maximal zwei Punkten)
          an die Linie schickt. Im Eifer des Gefechts kann sowas jedoch auch mal in Vergessenheit
          geraten. Wohl dem, der zwei Akteure in seiner Mannschaft hat, die solche vermeidbaren
          Fehler zu bestrafen wissen. Pass von Williams auf den an der Dreierlinie wartenden Tim
          Koch: Swish und Ausgleich!

          AKT 2: MANCHMAL HILFT KEIN FOUL
          Die zweite Verlängerung begann offensiv etwas verhaltender. Fehlwürfe, Turnover und
          liegengelassene Freiwürfe prägten das Spielgeschehen auf beiden Seiten. Eine der wohl mit
          entscheidenden Szenen des Spiels war das fünfte Foul von Phillipp Heyden, der wie bereits
          im Hinspiel eine solide Partie ablieferte und fortan dazu verdammt war, seine Jungs von
          außen anzufeuern. In dieser Verlängerung gelang es den Kirchheimern durch den wie
          entfesselt aufspielenden Richie Williams (am Ende hatte der US Amerikaner 20 Punkte und
          7 Assists bei einer Effektivität von 30) sich auf 99:103 abzusetzen. Eine Minute waren noch
          zu spielen. Fünf Punkte des überragenden Ely und ein erfolgreicher Korbleger von Willett
          nach schönem Zuspiel durch Würzner bedeuteten die dritte Extrarunde

          AKT 3: OHNE KUPPE UND HEYDEN LÄUFT ES BESCHEIDEN
          Die Marschroute, sofern es überhaupt noch eine gab, war für beide Teams das Mobilisieren
          der letzten noch verfügbaren Kräfte. Noch einmal fünf Minuten, noch einmal um jeden
          Quadratzentimeter kämpfen und irgendwie den Sieg nach Hause holen. Mit Schönspielerei
          würde man kaum mehr rechnen oder gar gewinnen können. Unerbittlicher Kampf mit müden
          Beinen wie bei einem Boxer in der 12 Runde war jetzt angesagt.
          Nach einem erfolgreichen Dreier von Geist gelang es den Academics sich wieder einmal auf
          vier Punkte abzusetzen. Und wieder war es ein Foul, wie schon in den ersten beiden
          Verlängerungen, welches entscheidenden Einfluss auf das Spiel haben sollte. Ein
          Unsportliches und gleichzeitig das fünfte Foul von Albert Kuppe. Somit hieß es: Platz
          nehmen neben Phillipp. Zwar konnten die Gäste den möglichen Ausgleich nicht (gleich)
          erzielen. Ein erfolgreicher Korbleger durch Willett zum Stand von 114:110 sollten jedoch das
          letzte Positiv-Highlight der Partie aus Sicht der Heidelberger sein, denn es folgte der
          spielentscheidende 8:0 Lauf der Gäste, bei welchem Richie Williams (wer auch sonst) mit
          einem erfolgreichen Dreier den Deckel auf eine denkwürdige Partie machte.
          Ein solcher Showdown hätte eine vollbesetzte Arena wohl zum Tollhaus werden lassen.
          Eventuell hätte der sechste Mann am Ende den Unterschied gemacht. So allerdings bleibt es
          spannend in Gruppe 2, denn am Donnerstag geht es bereits weiter zu den Wiha Panthers
          Schwenningen. Viel Arbeit für die Physiotherapeuten, wenig Zeit für die Spieler sich
          auszukurieren.

          • PREMIUMPARTNER
            Pfalzbau Ludwigshafen


            PREMIUMPARTNER
            Congressforum Frankenthal


            PREMIUMPARTNER
            HAUCK KG Ludwigshafen

            PREMIUMPARTNER
            Schuh Keller


            PREMIUMPARTNER
            VR Bank Rhein-Neckar

            PREMIUMPARTNER
            Hochschule Ludwigshafen


            PREMIUMPARTNER


            

            web
stats

            ///MRN-News.de      
            NACH OBEN SCROLLEN
            X