Heidelberg – Selbstverwaltetes Wohnheim feiert Fertigstellung des Holz-Rohbaus

        Ansicht West. Foto: Carl Zillich/IBA Heidelberg

        Heidelberg / Metropolregion Rhein-Neckar(red/ak/Collegium Academicum GmbH) – Ende März war es soweit, der Holz-Rohbau des selbstverwalteten Wohnheims der ehrenamtlichen Projektgruppe Collegium Academicum wurde fertig gestellt. Das hat die junge Projektgruppe am vergangenen Mittwoch mit einem digitalen Richtfest gefeiert und sich an dem sichtbaren Fortschritt ihres Projektes erfreut. Das idealistische Vorhaben, das vor acht Jahren in einer Heidelberger WG seinen Anfang nahm, wird als Teil des Mietshäuser Syndikats kostengünstigen Wohnraum für gut 250 Menschen schaffen. Für diese werden 176 Zimmer in dem sich aktuell im Bau befindlichen vierstöckigen Holzbau entstehen. In dem Gebäude finden zudem eine etwa 240m² große
        Aula, ein Multifunktionsraum und eine Werkstatt Platz. Diese teilöffentlichen Flächen sollen
        unkommerziellen Freiraum für selbstbestimmte Bildung, Kultur und Vernetzung schaffen.
        Nicht einmal ein halbes Jahr hat es gedauert, bis nach dem Start der Holzbauarbeiten der Holz-
        Rohbau fertig war. Zu verdanken ist dies einem hohen Grad an Vorfertigung und dem Einsatz von
        Holz-Holz-Steckverbindungen. Margarete Over, die sich im Rahmen des digitalen Richtfests im
        Namen der Projektgruppe bei allen Baufirmen, Planer*innen, Sponsor*innen und weiteren
        Unterstützer*innen bedankte, war sichtlich überwältigt: „Es ist ein wunderbares Gefühl, das Gebäude nach so vielen Jahren Planung endlich in der Realität zu sehen.“ Auch Carl Zillich, kuratorischer Leiter der Internationalen Bauausstellung Heidelberg (IBA), freute sich mit der Projektgruppe: „Wir sind stolz auf alle Beteiligten, dass sie all die Jahre als IBA-Projekt und nun die Monate der Baustelle keine Mühen gescheut haben, von einem Traum zur realisierten Vision zu gelangen.“ Das Ziel, ein Gebäude zu bauen, das nicht nur im Betrieb durch Photovoltaikanlage und Passivhausstandard ressourcenarm ist, sondern beim täglichen Zusammenleben und Bau eine ganzheitliche ökologische und soziale Sichtweise unterstützt, hat nicht nur die IBA überzeugt. Neben der IBA unterstützten der Bund, das Land, die Kommune, einige Firmen und viele Privatpersonen das ambitionierte Vorhaben. Nach dem Rohbau werden in den kommenden Monaten der Innenausbau und die Eigenleistungsarbeiten der Gruppe die Baustelle prägen. Daneben arbeiten die jungen Ehrenamtlichen tatkräftig an den Planungen ihrer beiden Bestandsgebäude. Im größeren der beiden Gebäude soll Wohnraum für etwa 70 Menschen entstehen, auch für die Teilnehmenden eines geplanten Orientierungsjahrs. In dem kleinen Gebäude soll ein selbstverwaltetes Café unterkommen. Für die Finanzierung dieses Teilprojekts sucht die Projektgruppe Menschen, die mit einem Direktkredit oder einer Spende das Vorhaben unterstützen möchten. Spannend wird das Projekt dieses Jahr auf jeden Fall bleiben und die ersten Bewohner*innen sind auch schon gefunden. Im späteren Wohnheim sollen diese durch die
        Selbstverwaltung direktdemokratische Prinzipien erlernen, anwenden und weiterentwickeln. Josse
        Schubert, der seit eineinhalb Jahren im Projekt aktiv ist, ist voller Vorfreude: „Das vierstöckige Gebäude wirkt durch das viele Holz jetzt schon einladend und es ist jetzt sehr gut vorstellbar, wie das Gebäude sich Ende des Jahres mit Leben füllt.“

        Unter der Webseite www.collegiumacademicum.de können Interessierte weitere Informationen zum
        Projekt erhalten.

        Das Wohnprojekt der Projektgruppe „Collegium Academicum“
        Die Projektgruppe „Collegium Academicum“ initiiert ein selbstverwaltetes Wohnprojekt, welches
        zugleich als Veranstaltungsort sowie als Bildungsinstitution für 250 junge Menschen in Heidelberg- Rohrbach fungieren wird. Die Projektgruppe besteht aus rund 30 ehrenamtlich arbeitenden Studierenden, Doktorand*innen und jungen Berufstätigen. Ziel ist es neben der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, Freiräume für selbstbestimmte Bildung und Kultur zu ermöglichen. Mit einem Café und einer großen Aula für kulturelle Veranstaltungen möchte sich das Wohnheim zudem dem Stadtteil öffnen und bietet sich als neuer Treffpunkt in Rohrbach an. Im Zentrum des Bildungskonzepts stehen Nachhaltigkeit und praktisches Lernen. In einem Altbau ist ein Orientierungsjahr für Schulabgänger vorgesehen. Ein Neubau, der Wohnraum für 176 Personen schaffen wird, ist in nachhaltiger Holzbauweise geplant. Das Vorhaben wird mit Bundesmitteln aus dem Zukunft Innovationsprogramm „Variowohnen“ und über EU- und Landesmittel innerhalb des Förderprogramms „Holz Innovativ“ gefördert. Das Projekt ist Teildes Mietshäuser Syndikats, einem bundesweiten Verbund aus selbstverwalteten Wohn- und Wirtschaftsprojekten, und ist seit 2015 Projekt der Internationalen Bauausstellung Heidelberg. Die Bauarbeiten für den Neubau haben im April 2020 begonnen, die Holzbauarbeiten im November 2020. Die Fertigstellung des Gebäudes ist bis Ende 2021 geplant. Bewerbungen für das Wohnheim sind unter www.collegiumacademicum.de/einziehen/ bereits jetzt möglich. Hervorgegangen ist die Projektgruppe aus dem Förderverein Collegium Academicum Heidelberg e.V., der sich seit der Schließung des Wohnheims „Collegium Academicum“ in der Seminarstraße 2 Ende der 70er Jahre für selbstverwalteten Wohnraum und interdisziplinäre Bildung engagiert.

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