Mutterstadt – Alfred (Fred) Dellheim – ein jüdisches Leben

        Die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz in Mainz hat im Dezember in ihrer Publikationsreihe Land und Leute ein Porträt von Alfred (Fred) Dellheim veröffentlicht, der am 17.Mai 1924 in Mutterstadt geboren wurde. Mit Zustimmung der Landeszentrale hier ein Bericht über den Lebenslauf des ehemaligen jüdischen Mitbürgers, der als 14-Jähriger für einen „Kindertransport“ nach England angemeldet wurde.


          Bar Mitzwa bezeichnet im Judentum die religiöse Mündigkeit, Jungen erreichen sie im Alter von 13 Jahren.
          Im Jahr 1937 wurde in der Synagoge die Bar Mitzwa von Fred Dellheim gefeiert und er erstmals zur Toralesung aufgerufen.
          Danach ging es zur Nachfeier in die Friedensstraße 8, wo das Foto mit den jüdischen Mutterstadter „Buwe“ entstand.
          Fred Dellheim steht in der Mitte der oberen Reihe.

          Freds Vater Julius betrieb in der Friedensstraße einen Pferdehandel. Die Mutter Amalie hatte nach dem Synagogenbrand 1938 in Mutterstadt die Gefahr erkannt und im Januar 1939 bestieg Fred Dellheim den Zug nach England. Seine Familie sah er nie wieder. Die Eltern und seine Schwester Tilli wurden im Oktober 1940 nach Gurs transportiert und 1942 in Auschwitz ermordet. Seine 83jährige Großmutter Esther Marum wurde ebenfalls deportiert und starb nach wenigen Wochen im Lager Gurs. Der junge Fred Dellheim hatte keine Familie mehr.

          Dellheim kam zuerst in ein Camp in Wiltshire, wurde aber 1940 als „enemy alien“ , als „feindlicher Ausländer“ nach Kanada deportiert. 1942 nach England zurückgekehrt, trat er dort der Freien Deutschen Jugend (FDJ) bei und meldete sich zur britischen Armee, mit der er 1944 in der Normandie landete. Nach Kriegsende dolmetsche er für die britische Militärregierung, ging dann ins Rheinland und wurde Erster Sekretär der Bezirksleitung und dann der Landesleitung der FDJ in Düsseldorf.

          1951siedelte Alfred Dellheim in die DDR über und trat der SED bei. Er machte schnell Karriere; wurde Sachbearbeiter, Arbeitsdirektor, Werkleiter, Hauptdirektor und Werkdirektor in verschiedenen VEB-Betrieben und, nach einem Studium an der TU Dresden, bis zu seinem Ruhestand Werkdirektor der Berliner Werkzeugmaschinenfabrik (BWF), einem volkseigenen Kombinat mit 15.000 Beschäftigten. Danach war er publizistisch tätig, wurde Vorsitzender des Interessenverbandes der Verfolgten des Naziregimes und bis zu seinem Tod einer der beiden Vorsitzenden der neuen (gesamtdeutschen) Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen (VVN-BdA) und Vizepräsident der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR).


          Gedenkfeier anläßlich des 50. Jahrestages der Reichspogromnacht 1988.
          Ganz links im Bild Hermann Morweiser, daneben das Ehepaar Ruth und Rudi Külbs, ganz rechts im Bild Fred Dellheim.

          Nach der Wiedervereinigung hat Fred Dellheim seinen Geburtsort Mutterstadt immer wieder besucht, erst auf der Suche nach Verwandten und Erinnerungen und nicht zuletzt, weil er neue Freunde fand, die die Geschichte und Verfolgung der einstigen jüdischen Nachbarn erforscht haben. Zu diesen Freunden gehörte insbesondere Herbert Metzger, der über die jüdische Geschichte Mutterstadts Dokumentationen verfasst und publiziert hat und maßgeblich die „Versöhnungskultur“ zwischen ehemaligen jüdischen Mitbürgern und dem heutigen Mutterstadt angeregt hat (Informationen www. judeninmutterstadt.org). Fred Dellheim nahm auch an den Veranstaltungen auf dem Friedhof teil, als im Ehrenhof die Gedenktafeln enthüllt wurden, mit denen Mutterstadt an die ehemalige jüdische Gemeinde und an die Gurs-Deportation erinnert.

          2002 schrieb Dellheim in einem Nachwort zu einem Buch über die Mutterstadter Juden: „(…) Die Menschenwürde – unabhängig auch von ethischer Zugehörigkeit, Hautfarbe oder Nationalität, das friedliche Zusammenleben und die Demokratie zu verteidigen, das sollte auch Aufgabe und Anliegen jedes Bürgers sein (…)“ Ich hoffe, dass die Mutterstadter Jugend aus der Geschichte ihrer Gemeinde die richtigen Schlüsse zieht und zu der Überzeugung gelangt: Faschismus, das ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. (…)“ Fred Dellheim starb mit 79 Jahren am 9.10.2003 in Berlin. Das „Neue Deutschland“ und die „Junge Welt“ widmeten ihm einen Nachruf.

          Quellen: Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, Mainz. Weitere Informationen und Hinweise auf die Arbeit der LpB: www.politische-bildung-rlp.de, Gemeindearchiv und Orts-Chronik 2017

          Text: Volker Schläfer

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