Mosbach – IHK-Umfrage „Durststrecke hält weiter an“

        Mannheim / Mosbach / Neckar-Odenwald-Kreis / Metropolregion Rhein-Neckar, 2. Dezember 2020. Die Mehrheit der Industriebetriebe im Neckar-Odenwald-Kreis berichtet von schlechteren Geschäften. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar. „Die Unternehmen reagieren auf den Nachfragerückgang vor allem mit Kurzarbeit und Prozessoptimierungen“, sagt Dr. Andreas Hildenbrand, IHK-Geschäftsführer am Standort Mosbach.

        Besonders stark betroffen sind viele Automobilzulieferer und – mit Ausnahmen – Maschinenbauer. Es gibt aber auch Unternehmen, die die Krise kaum oder gar nicht spüren. Dazu zählen vor allem Unternehmen der Medizintechnik und der Verpackungsindustrie. Jenseits von Corona beschäftigt die befragten Unternehmen weiterhin die Fachkräftesicherung und der Glasfasernetzausbau. Zudem wünschen sich die mittelständischen Unternehmen eine finanzielle Förderung, um ihre Prozesse zu optimieren. Die Ergebnisse der Umfrage diskutierten die Mitglieder der IHK-Vollversammlung im Neckar-Odenwald-Kreis gestern im Haus der Wirtschaft der IHK Rhein-Neckar in Mosbach.

        „Es fehlt an Planbarkeit. Wir erleben ein Wechselbad. Im Bereich Automotive und Automatisierungstechnik schrumpfen seit dem dritten Quartal 2019 die Umsätze. Grund ist der von der Politik gewünschte Mobilitätswandel“, erklärt Christoph Schneider. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Odenwälder Kunststoffwerke Gehäusesysteme GmbH in Buchen weist darauf hin, dass dieser rückläufige Trend durch die Corona-Pandemie nochmals verstärkt wird. „Gleichzeitig aber können wir die Umsätze im Bereich der Medizintechnik steigern. Unsere Komponenten für Beatmungsgeräte liefern wir mittlerweile in vier Kontinente, sodass Kurzarbeit bei uns hoffentlich kein Thema mehr sein muss.“

        Auch Peter Lohse, Geschäftsführer der AURORA Konrad G. Schulz GmbH & Co. KG in Mudau, spricht von Umsatzrückgängen im Automotive-Bereich. „Durch die eingeschränkte Wirtschaftsaktivität werden weniger Nutzfahrzeuge nachgefragt. Das wirkt sich auf die Nachfrage nach unseren Heiz- und Klimasystemen aus“, so Lohse. „Gleichzeitig gibt es Nachfragepotenzial, zum Beispiel im Bereich der Klimatisierung von Elektrobussen. Bis sich dieses Potenzial realisiert, ist Kurzarbeit ganz entscheidend. Früher konnten wir ganze 12 Monate in die Zukunft blicken, jetzt höchstens 12 Wochen.“

        Hart getroffen hat es den Maschinenbauer und Mischspezialisten in Hardheim, die Maschinenfabrik Gustav Eirich GmbH & Co KG. „Im ersten und zweiten Quartal 2020 sind die Aufträge um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen. Corona trifft die Investitionsgüterbranche besonders hart. Uns steht eine extreme Durststrecke bevor. Jeder, der 2019 vorhatte, zu investieren, stellt seine Projekte zurück“, sagt Ralf Rohmann, Geschäftsführender Gesellschafter. „Seit Juli setzen wird deshalb verstärkt auf Kurzarbeit und optimieren unsere Prozesse. Eine öffentlich geförderte Unterstützungsfinanzierung würde uns dabei helfen.“

        Anderes berichtet Jürgen Kuhn, Geschäftsführender Gesellschafter der KUHN GmbH, Maschinenbauer und Wasserspezialist in Höpfingen. „Unsere Klärtechnik wird weiterhin sehr nachgefragt. Corona beeinflusst unser Geschäft kaum. Was uns stärker zu schaffen macht, ist die zunehmende Verrechtlichung der Auftragsbeziehungen zu unseren öffentlichen Kunden. Das verhindert im schlechtesten Fall sicher geglaubte Auftragserteilungen. Zudem fehlen zwischengeschalteten Planungsbüros oft gut ausgebildete und erfahrene Ingenieure. Das verlangsamt und verkompliziert regelmäßig Anlagenmodernisierungen. Das bereitet den Kunden und uns unnötige Kosten. Initiativen zur Verbesserung der Ausbildungsqualität – wie die Errichtung eines Baukompetenzzentrums an der DHBW in Mosbach – gehen in die richtige Richtung.“

        Insgesamt hielten die Vollversammlungsmitglieder fest, es sei mehr Austausch zwischen Industriebetrieben und politischen Entscheidungsträgern wünschenswert, am besten vor Ort im Betrieb. Wichtigste Themen dabei: Fachkräftesicherung und Breitbandversorgung. „Dafür brauchen wir den Austausch mit regionalen Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung. Hier geht es weniger um den Ruf nach neuen Regelungen, sondern darum, Möglichkeiten für unternehmerische Kreativität zu schaffen“, unterstreicht Kommunikationsexpertin Beate Tomann, Inhaberin von Tomann Marketing.

        Aufgrund der Corona-Pandemie konnten kurzfristig nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden. Davon besonders betroffen ist auch Cornelia Friedrich, Geschäftsführende Gesellschafterin der Pflege- und Gesundheitsservice Cornelia Friedrich GmbH. Fachkräftesicherung im ländlichen Raum braucht einen langen Atem und viele Akteure, die an einem Strang ziehen. „Minderjährige Auszubildende sind auf Bahn und Bus angewiesen, um Betriebe, überbetriebliche Ausbildungswerkstätten und Schulen zu erreichen. Die Erhaltung von Fachklassen ist ein weiterer wichtiger Punkt für uns alle“, sagt Friedrich.

        „Ein schneller Internetanschluss ist ein immer wichtigerer Standortfaktor“, betont Volker Egenberger, Geschäftsführender Gesellschafter der Egenberger IT Solutions GmbH. „Und dies nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Kontaktbeschränkungen, durch die beispielsweise Mitarbeiter von zu Hause arbeiten, Messen virtuell durchgeführt werden und Dienstreisen nicht möglich sind. Jetzt ist die Zeit, sich damit zu beschäftigen.“ IHK-Geschäftsführer Hildenbrand ergänzt: „Deshalb begrüßen wir es, dass der Neckar-Odenwald-Kreis den Glasfasernetzausbau weiter vorantreiben will.“ Der Neckar-Odenwald-Kreis informiert zum geplanten Glasfasernetzausbau auf seiner Website www.neckar-odenwald-kreis.de (Rubrik „Glasfaser für alle im NOK“).
        Quelle IHK Rhein-Neckar.

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