Heidelberg – Wie sich die Ausbreitung von Tumorzellen über die Lymphgefäße verhindern lässt

        Histologische Aufnahme der Blutgefäße (grün) sowie der
        Lymphgefäße (orange) im Querschnitt eines Tumors. Rechts: Die Behandlung mit
        einem Angiopoietin-2-blockierenden Antikörper lässt die Tumorlymphgefäße
        absterben und unterbindet die Verbreitung von Tumorzellen über das
        Lymphgefäßsystem. Foto: DKFZ Heidelberg

        Heidelberg / Metropolregion Rhein-Neckar(red/ak/Deutscher Krebsforschungszentrum Heidelberg) –

          Welche Rolle spielen die Lymphbahnen bei der Metastasierung von Krebszellen?
          Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Medizinischen
          Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg entwickelten eine Methode, um
          diese Frage an Mäusen untersuchen zu können. Das Ziel der Arbeit war, neue
          Möglichkeiten zu identifizieren, um die gefährliche Absiedlung und
          Ausbreitung von Tumorzellen zu blockieren. Die Forscher entdeckten, dass ein
          Antikörper gegen einen Botenstoff des Gefäßsystems die Lymphbahnen im Tumor
          absterben lässt, die Metastasierung unterdrückt und so das Überleben der
          Mäuse verlängert. Damit haben sie einen neuen Ansatz aufgezeigt, wie
          zukünftig die Ausbreitung von Krebszellen ausgebremst werden könnte.

          Genau wie gesundes Gewebe werden auch Tumoren von zwei unterschiedlichen
          Gefäßsystemen versorgt. Neben Blutgefäßen, die Sauerstoff und Nährstoffe
          liefern, sind die Lymphgefäße dafür verantwortlich, Zellen des Immunsystems
          und Gewebsflüssigkeit zu transportieren. Die Fähigkeit von Krebszellen, über
          beide Bahnen im Körper zu streuen und Tochtergeschwülste, sogenannte
          Metastasen, zu bilden, ist seit langem bekannt. In dieser Arbeit wurde
          erstmalig an Mäusen untersucht, welchen Stellenwert die Route über
          Lymphgefäße hat und welche biologischen Mechanismen dabei eine Rolle
          spielen.

          Bislang war es schwierig, die komplizierte Architektur eines Tumors sowie
          seiner Ausbreitung in einem lebenden Organismus zu untersuchen. Dem
          Heidelberger und Mannheimer Forscherteam um Hellmut Augustin gelang nun die
          Entwicklung eines geeigneten Modellsystems, wie Nicolas Gengenbacher,
          Erstautor der aktuellen Veröffentlichung, berichtet: “Der Schlüssel dazu war
          eine direkte Transplantation von Tumorgewebe einer Maus auf eine andere,
          ohne vorherige Zellkultur. In diesem Modell blieb die natürliche
          Gewebsstruktur erhalten, und die Krebstumoren konnten funktionsfähige
          Lymphgefäße ausbilden, die Anschluss an das Lymphsystem erhielten –
          Voraussetzung für eine lymphogene Metastasierung.”

          An diesen Tieren konnten die Forscher bestätigen, dass Krebszellen häufig
          über die Lymphgefäße zunächst in nahe Lymphknoten wandern und von dort aus
          weiter in lebenswichtige Organe metastasieren. Die operative Entfernung des
          Primärtumors ermöglichte den Forschern, eine Krankheitssituation zu
          simulieren, die der eines Krebspatienten nach der Operation entsprach:
          Tochtergeschwülste und nicht der Primärtumor wurden entscheidend für das
          Überleben.

          Bei ihrer Suche nach Wegen, die Entstehung von Metastasen zu verhindern,
          nahm das Forscherteam die Zellen ins Visier, die die Lymphgefäße von innen
          auskleiden, die sogenannten Lymph-Endothelzellen. Endothelzellen steuern
          viele wichtige Eigenschaften der Blut- sowie der Lymphgefäße und produzieren
          dazu zahlreiche Botenstoffe und Wachstumsfaktoren. Die Forscher fanden
          heraus, dass der Botenstoff Angiopoietin 2 das Überleben von
          Lymph-Endothelzellen in Tumoren sichert. Ein Antikörper, der Angiopoietin-2
          blockiert, ließ die Lymphgefäße im Tumor selektiv absterben. Damit waren die
          Transportwege für sich ablösende Krebszellen unterbrochen und eine
          Ausbreitung in nahegelegene Lymphknoten verhindert. In der Folge bildeten
          sich weniger Tochtergeschwülste in weiter entfernten Organen und die Mäuse
          überlebten signifikant länger.

          Oft bleiben nach einer Krebsoperation noch bösartige Zellen im Körper, die
          Ausgangspunkt für einen Rückfall sein können. “Überraschenderweise konnten
          wir bei den Mäusen die Ausbreitung der Tumoren selbst dann effektiv
          verhindern, wenn wir Angiopoietin-2 erst kurz vor der Tumoroperation
          blockierten”, sagt Studienleiter Hellmut Augustin. “Noch allerdings haben
          wir nur in Versuchstieren zeigen können, dass die Angiopoietin-2-Blockade in
          diesem Behandlungsfenster eine therapeutische Wirkung hat. Ob dieser Ansatz
          auch beim Menschen gegen die Ausbreitung von Tumoren hilft, muss in weiteren
          Untersuchungen geklärt werden.”

          Nicolas Gengenbacher, Mahak Singhal, Carolin Mogler, Ling Hai, Laura Milde,
          Ashik Ahmed Abdul Pari, Eva Besemfelder, Claudine Fricke, Daniel Baumann,
          Stephanie Gehrs, Jochen Utikal, Moritz Felcht, Junhao Hu,Matthias Schlesner,
          Rienk Offringa, Sudhakar R. Chintharlapalli, Hellmut G. Augustin: Timed
          Ang2-targeted therapy 1 identifies the Angiopoietin-Tie pathway as key
          regulator of fatal lymphogenous metastasis.
          Cancer Discovery 2020, DOI: 10.1158/2159-8290.CD-20-0122

          • PREMIUMPARTNER
            Pfalzbau Ludwigshafen


            PREMIUMPARTNER
            Congressforum Frankenthal


            PREMIUMPARTNER
            HAUCK KG Ludwigshafen

            PREMIUMPARTNER
            Schuh Keller


            PREMIUMPARTNER
            VR Bank Rhein-Neckar

            PREMIUMPARTNER
            Hochschule Ludwigshafen


            PREMIUMPARTNER


            

            web
stats

            ///MRN-News.de      
            NACH OBEN SCROLLEN
            X