Landau – Zuckerrüben stark gefährdet

        Landau/Metropolregion Rhein-Neckar. Der Beginn der Zuckerrüben-Kampagne steht vor der Tür und Anbauer wie auch Zuckerfabriken bereiten sich landesweit darauf vor. Aber der Zuckerrübenanbau in der Südpfalz ist stark gefährdet. Zum Auftakt der diesjährigen Zuckerrüben-Kampagne (Ernte und Verarbeitung der Rüben) wiesen bei einem Hofgespräch auf dem Betrieb des Landwirts Stefan Bohlender – an dem auch Landrat Dietmar Seefeldt teilnahm – Industrie und Anbauverbände auf die klimawandelbedingte Zunahme von Krankheiten und die sich weiter verschärfenden Wettbewerbsverzerrungen für den heimischen Rübenanbau hin. „Am Beispiel der aktuell gelben Zuckerrübenbestände in der Pfalz ist erkennbar, dass Blattläuse und Zikaden in einem bisher nie dagewesenen Maß Viren und Bakterien übertragen, da sie im Klimawandel leicht überwintern und gleichzeitig ihre Vermehrung begünstigt wird, erläuterte Dr. Christian Lang, Geschäftsführer des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer und Projektkoordinator des NIKIZ-Projektes (Nachhaltiges Insekten- und Krankheitsmanagement im Zuckerrübenanbau der Zukunft).

        „Im Moment ist das gesamte Gebiet der Pfalz (ca. 7000) als Befallsgebiet eingestuft. Somit sind auch im Landkreis Südliche Weinstraße und in der Südpfalz alle Flächen mehr oder weniger betroffen. Wir müssen dringend über Maßnahmen beraten, die den Rückgang des Rübenanbaus stoppen“, betonte Landrat Dietmar Seefeldt nachgehend. „Die Vergilbung der Zuckerrübenblätter nimmt immer größere Ausmaße an“, so Seefeldt weiter. „Der Rückgang des Anbaus hat teilweise bereits einen bedenklichen Umfang angenommen und würde ohne die dringend erforderliche vorübergehende Notfallzulassung möglicherweise sehr schnell zu einer Aufgabe des Anbaus und der Verarbeitung führen. Die vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche wären von Verlagerung und Niedergang bedroht. Dies sollte unbedingt verhindert werden“. Bei vielen Flächen werde man die Auswirkungen des Befalls im Ertrag und im Zuckergehalt sehen waren sich die Experten einig. Der Ertrag werde dadurch um bis zu 45 % vermindert, je nach Stärke des Schädlingsbefalls.

        „Gerade in der Zuckerrübe sind in den vergangenen Jahren viele bewährte Pflanzenschutzmittel weggefallen, ohne dass diese durch neue ersetzt werden konnten. Für die Bekämpfung von Schadinsekten stehen gerade noch einmal fünf Wirkstoffe zur Verfügung; vier davon haben eine ähnliche Wirkweise, was die Vorbeugung von Resistenzen erheblich erschwert“, erläuterte Frank Gemmer, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA). Dabei sei die Zuckerrübe für den Klimawandel hervorragend geeignet. Die Biodiversität von Zuckerrüben sei zudem außerordentlich hoch. Gerade in diesem Jahr mit trockenen Bedingungen werde dies in der Agrarlandschaft positiv deutlich. Durch die in der EU ungleiche Handhabung von Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel drohten deutschen Rübenanbauern aktuell erhebliche Wettbewerbsnachteile, so Gemmer weiter.

        Außerdem würden innerhalb der EU immer größere Wettbewerbsverzerrungen auftreten: „Die Hersteller von Rübenzucker und die Landwirte befinden sich seit dem Wegfall der Zuckerquoten in einem scharfen Wettbewerb. Viele Mitgliedsstaaten zahlen ihren Rübenanbauern gekoppelte Flächenprämien – dies verschafft Zucker aus diesen Ländern einen Preisvorteil gegenüber unserem heimischem Zucker, erklärte Dr. Georg Vierling vom Geschäftsbereich Zucker/Rüben der Südzucker AG. Hinzu komme eine unterschiedliche Regelung beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. „Diese unterschiedlichen Spielregeln sind schlicht nicht fair – eine echte Bedrohung für den Rübenanbau in Deutschland und damit auch die Zuckerfabriken in unseren ländlichen Regionen“, so Dr. Vierling.

        Hintergrund
        Im NIKIZ-Projekt werden seit Anfang des Jahres innerhalb eines weit gespannten Netzwerkes neue Lösungen für die Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen untersucht und erprobt. NIKIZ steht für „Nachhaltiges Insekten- und Krankheitsmanagement im Zuckerrübenanbau der Zukunft“ und soll mit Unterstützung der Europäischen Innovationspartnerschaft Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-Agri) zur Sicherung des Anbaus und Verarbeitungsstandortes in Rheinland-Pfalz führen.

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