Ludwigshafen – Festspiele Ludwigshafen 2020


        Ludwigshafen / Metropolregion Rhein-Neckar

        Zwei Eigenproduktionen der Pfalzbau Bühnen und ein exklusives internationales Tanzprogramm bestimmen die Festspiele Ludwigshafen 2020. Zur Eröffnung am 3. Oktober zeigt Intendant Tilman Gersch seine Sicht auf William Shakespeares Der Sturm. Drei Wochen später hat das Bürgerprojekt Ratten Ludwigshafen unter seiner Regie Premiere. Außerdem stehen zwei herausragende Aufführungen der Schaubühne Berlin auf dem Programm. Neben Katie Mitchells sensibler Inszenierung von August Strindbergs Fräulein Julie ist ein weiteres Gast-spiel geplant, dessen Titel noch bekannt gege-ben wird.
        Erstmals kuratiert der bekannte Choreograph Marco Goecke das Tanzprogramm der Festspie-le, das mit renommierten internationalen Ensembles und einem Gastspiel des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch Zeichen setzt. Nach dem Auftakt mit Jean-Christophe Maillots mo-der¬ner Neuinterpretation des Ballettklassikers Coppél-i.A. folgen u.a. Gastspiele des Spellbound Contemporary Ballet aus Italien und ein Tango¬abend der italienischen Compagnie Naturalis Labor zu Tango Nuevos von Astor Piazzolla. Marco Goecke ist mit seiner neuesten Produktion Lieben Sie Gershwin? und einer Choreographie im Rahmen von 25 Years Spellbound präsent. Ungewöhnliche Formate sind Steve Reichs meditativ-spannendes Kon¬zert Six Pianos, dargeboten von sechs bekannten Pianisten, und die Diskussionsabende Streit ums Politische mit dem Soziologen Heinz Bude.
        Intendant Tilman Gersch zog ein positives Fazit: „Ich bin überaus froh, dass die Festspiele Ludwigshafen in diesen Zeiten mit großen Tanzgastspielen und Eigenproduktionen im Schauspiel, wie Shakespeares Sturm, stattfinden. Das Publikum kann sich auf die Schaubühne Berlin und das Tanztheater Pina Bausch freuen!“

        Das Tanzprogramm der Festspiele Ludwigshafen 2020

        © Alice Blangero (8 MB)
        Coppél-i.A.
        Zum Jahresende 2019 schuf Jean-Christophe Maillot, künstlerischer Leiter von Les Ballets de Monte-Carlo, seine Neuinterpretation Coppél-i.A. des romantischen Ballettklassikers Coppélia. In seiner Choreographie kehrt er zum Handlungsballett in großem Format zurück und thematisiert darin anhand der Welt der Automaten nach E.T.A. Hoffmanns Erzählung

        Der Sandmann die Entwicklung der künstlichen Intelligenz in unserer Gesellschaft. Mit seiner opulenten, eleganten Fassung des berühmten Ballett-Stückes, einer äußerst aktuellen Analyse unserer Gegenwart einschließlich der Bedrohungen durch das Corona-Virus, eröffnet am 8. und 9.10.20 die Tanzsparte der Festspiele Ludwigshafen.

        Lieben Sie Gershwin?
        Lieben Sie Gershwin? ist eine Hommage an das Leben und an die Bewegung zur Musik des großen nordamerikanischen Komponisten und Pianisten (1898 – 1937), der wie kaum ein an-derer zwischen den Genres der E-und U-Musik wechselte: ein Abend, an dem zu populären Musical Songs wie Summertime, I Got Rhythm oder The Man I love, aber ebenso zu seinen Orchesterwerken getanzt wird. Die Tanzsprache Marco Goeckes steht im größtmöglichen Kontrast zu Interpreten wie Fred Astaire, Ginger Rogers oder Gene Kelly, die Gershwins Mu-sik in Filmklassikern in Bewegung umgesetzt haben. Da der Choreograph dafür bekannt ist, vor allem Arme und Oberkörper seiner Tänzer und Tänzerinnen in Vibration zu versetzen, darf man sich auf eine extrem spannungsreiche und originelle Begegnung freuen. Beide Künstler verbindet die trotz widriger Umstände nie verleugnete Lust am Leben durch die Kunst. Das Stück basiert wegen der besonderen Umstände seiner Produktion vor allem auf Soli und Zweierkombinationen.

        25 Years Spellbound
        Das römische Spellbound Contemporary Ballet hat sich seit seiner Gründung im Jahre 1994 unter der künstlerischen Leitung von Mauro Astolfi zu einem Ensemble entwickelt, das sich durch einen unver¬wechselbaren Stil auszeichnet und mittlerweile an der Spitze der italieni-schen Tanzszene steht. Seither ist die Gruppe zur Plattform für neue stilistische Experimente geworden. Mit technischer Brillianz und Choreographien voller Poesie und Bildkraft bestätigt die Compagnie ihren herausra¬genden Ruf immer wieder aufs Neue. In dem neuen Programm 25 Years Spellbound, das am 6. und 7.11.20 in Ludwigshafen zu sehen ist, feiert das En-semble sein Jubiläum mit einem besonderen Abend: Neben Mauro Astolfi wird Marcos Morau ein neues Werk für das Spellbound Contemporary Ballet schaf¬fen, ergänzt durch das Erfolgssolo Äffi von Marco Goecke.

        Retrospectrum 1 – 5 solos for 5 decades
        In Retrospectrum 1 – 5 solos for 5 decades verkörpert der 50jährige Choreograph und Tänzer Tomi Paasonen zum ersten Mal die kinetischen und ästhetischen Aspekte seiner Werke auf der Theaterbühne. Neun Monate lang beschäftigte sich Paasonen intensiv mit seinem zurück-liegenden Œuvre. Mit Retrospectrum legt er am 18.11.20 keine reine Retrospektive vor, son-¬
        dern ein selb¬ständiges Stück, in dem er sein Lebenswerk neu fokussiert. Eine Rückschau, die sich vorwärts bewegt. Entstanden ist eine queere Autobiographie, die Welten auffächert, die aus einem Pro¬zess der Rück¬schau, der Konsolidierung, des Destillierens und der Neuverkör-perung bishe¬riger Arbeiten herrühren.

        Piazzolla Tango / En tus Ojos
        Piazzolla Tango / En tus Ojos, bei den Festspielen am 22.11.20 zu Gast, zeigt nicht die übli¬che und schon oft gesehene Tangoshow: Choreograph Luciano Padovani verblüfft uns mit seiner einzigar¬tigen Vorstellungskraft, die dank des Tanzes weit hinaus geht über die Technik und Leiden¬schaft des Tango. Zu sehen ist zu den Tangos Nuevos von Astor Piazzolla ein ener¬gie-gela¬denes Ensemble, das zur live gespielten vibrierenden Musik in intimen Pas de deux und packenden Gruppenszenen die ungebrochene Faszination, Kraft und Erotik des Tangos mit dem modernen Tanz in Einklang bringt. Piazzolla Tango ist ein großartiger und beeindrucken-der Tanzabend, der den langen Premierenapplaus verdient hat.

        Displacement
        Zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, zu hell, zu dunkel, zu arm, zu reich, zu spießig, zu hip, zu ausgedreht, zu eingedreht, zu verdreht oder zu überdreht – diesem Körpergefühl, ab und zu irgendwie am falschen Ort, in der falschen Zeit, im falschen Körper oder sogar alles gleich-zeitig zu sein, geht dieses intime Tanzstück am 20.11.20 nach. displacement, der neue Tanz–abend von Ruben Reniers, setzt sich mit diesem Phänomen auseinander, wobei das Augen-merk vor allem auf körperliche Einschreibungen und deren Veränderbarkeit gerichtet wird.
        Pina Bausch hat Tanzgeschichte geschrieben. Sie begründete nicht nur die weltbekannte Compagnie in Wuppertal, sondern prägte ein ganzes Genre, das Tanztheater. Denn das war ihr Ziel: Tanz und Theater miteinander zu verbinden. Pina Bausch bereicherte den Tanz, fügte Sprache, Schauspiel, Gesang und Einflüsse aus der Kunst hinzu.

        Palermo Palermo
        In ihrem 1989 uraufgeführ¬ten Stück Palermo Palermo, das am 10., 11. und 12.12.20 den Ab-schluss der Festspiele Ludwigshafen bildet, wird dieser einzigartige Aufführungsstil sehr deut¬lich. Zu Beginn des Stückes ist auf der Bühne eine hohe Mauer aus Hohlblocksteinen auf-gebaut, die im diffusen Licht allmählich Konturen annimmt und dann wie von Geisterhand
        mit großem Gepolter wirkungsvoll in sich zusammenfällt. Die Tänzerinnen und Tänzer gehen, hüpfen, rennen und balancieren den ganzen Abend auf und über diesen Steinen, die den mit-tel¬alterlichen Zerfall der Stadt Palermo assoziieren. Die Zuschauer werden Zeugen eines fas-zinierenden Reigens eigenartiger akrobatischer und clownesker, spannungsvoller, anrührender und witziger Begeg¬nungen der Menschen in dieser Szenerie.

        Schauspiel
        Das Schauspielprogramm der Pfalzbau Bühnen bringt ein legendäres Theater nach Ludwigs¬ha-fen: Bei den Festspielen gastiert die berühmte Schaubühne Berlin mit zwei ausgewählten Pro¬duktionen. Seinen Ruf erhielt das 1962 gegründete und inzwischen nahe dem Kurfürsten-damm gelegene Privattheater durch den Regisseur Peter Stein und sein mit außergewöhn¬li-chen Darsteller*innen glänzendes Ensemble. Seit 1999 wird das Haus von Thomas Ostermeier geleitet, der den Ensemblegedanken weiterführte und die Schaubühne zu einem international beachteten Sprechtheater machte. Dazu zeigt Intendant Tilman Gersch mit Der Sturm>>Die bezauberte Insel und dem Bürgerprojekt Ratten Ludwigshafen zwei Eigenpro¬duktionen des Hauses.

        © Alen Ljubic (8 MB)
        Der Sturm
        An William Shakespeares Der Sturm interessiert Tilman Gersch der humanistische Gedanke eines weisen, vielschichtigen Spätwerks. Mit seiner Figur Prospero nimmt Shakespeare die Perspektive eines lebenserfahrenen Mannes ein, der in vielen Dingen fehlbar ist, am Ende aber den unbedingten Willen zur Versöhnung zeigt. Der menschlichen Zwietracht, die auch hier schonungslos offengelegt wird, begegnet das Stück mit Poesie und Humor. Zwei Schau¬spieler und eine Schauspielerin geben sich lustvoll den Charakteren hin, die sich zu einem Panoptikum der Helden und Antihelden fügen.

        © Alen Ljubic (5 MB)
        Ratten Ludwigshafen
        Mit seiner 1911 uraufgeführten Tragikomödie Die Ratten spiegelt Gerhart Hauptmann das soziale System einer bürgerlichen Gesellschaft, die sich bei näherer Betrachtung nicht sehr von der unseren unterscheidet. Damals wie heute gilt das Gesetz der Stärkeren, und wer ganz unten angekommen ist, wird kaum noch einmal die Aufstiegsleiter erklimmen. Aber alle – egal aus welchem Milieu sie stammen, ob sie auf der Seite der Sieger oder der Verlierer ste¬hen – wünschen sich ein besseres Leben und nähren sich von der Hoffnung, irgendwann das Glück zu finden. Menschen aus Ludwigshafen und Umgebung erzählen im Bürgerpro¬jekt Ratten Ludwigshafen Gerhart Hauptmanns Stück auf ihre Weise. Sie bereichern es mit ihren eigenen Biographien, mit Geschichten von unerfüllten und erfüllten Utopien. Sie zeigen, dass es möglich ist, dem Schicksal zu trotzen – und sei es mithilfe des Theaters. Premiere ist am 24.10.20, es folgen drei weitere Vorstellungen.

        Fräulein Julie
        In den multimedialen Produktionen der britischen Regisseurin Katie Mitchell bilden Klang und Video neben der schauspielerischen Darstellung eine eigenständige ästhetische Ebene. Auf diese Weise lenkt Mitchell den Blick auf szenische Details, die sonst eher im Verborge-nen bleiben. Es entstehen sensible, hochkomplexe Psychogramme der Bühnenfiguren, die bei Katie Mitchell meist Frauen sind. In ihrer Inszenierung von Strindbergs Drama Fräulein Julie rückt eine Frau in den Mittelpunkt, die eigentlich eher am Rand des Geschehens steht. Die Köchin Kristin muss heimlich beobachten, wie ihr Verlobter Jean sie mit der jungen Adligen Julie betrügt. Die Live-Kamera folgt ihr dabei und zeigt beeindruckend, wie sich Gefühle von Schmerz und Ohnmacht in ihr Gesicht einschreiben. Das Gastspiel der Schaubühne Berlin ist am 13. und 14.10.20 auf der Großen Bühne zu sehen.

        Streit ums Politische
        An zwei Diskussionsabenden beleuchtet der Kasseler Soziologe Heinz Bude das einschnei-den¬de Geschehen des Jahres 2020 aus politischer und kultu¬reller Sicht. Gemeinsam mit einem prominenten Gesprächspartner beschäftigt er sich unter dem Titel Streit ums Politische mit den sozialen Veränderungen in unserer Gesellschaft – mit besonderem Blick auf das Wachs¬tum im Klimawandel und auf den Konsens in der postmigrantischen Gesellschaft. Am 30. Oktober spricht er mit Ralf Fücks, der 21 Jahre lang Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung war und nun Gründer und Geschäftsführender Gesell¬schafter des Zentrums Liberale Moderne in Berlin ist. Am 23.11. ist sein Gesprächspartner Aladin El-Mafaalani, der mehrere Jahre Leh¬rer an einer Berufsschule war, als Abteilungsleiter die Integrations¬politik von Nordrhein-Westfalen koordinierte und mittlerweile Professor für Erziehungswissen¬schaften in Osna¬brück ist.

        Konzerte

        Herbst in Peking
        Wenn Underground das ist, was unter der Oberfläche brodelt, dann ist Herbst in Peking eine Band aus dem Untergrund. Der 30. Jahrestag der Deutschen Einheit ist für den sub¬versiven Charme dieser deutschen Kultband, die noch vor dem Mauerfall in Ostberlin gegründet wurde, geradezu prädestiniert. Ihre Musik speist sich aus den Tiefen des Unterbewusst¬seins. In ihrem Sound vermischen sich Rock, Elec¬tronic, Doom & Shanty zu einer zwingenden Me-lange. Herbst in Peking schreibt eine eigene dunkle Poesie und erweist am 3.10.20 großen Stimmen aus der Vergangenheit die Ehre.

        Six Pianos
        Six Pianos, komponiert von Steve Reich im Marz 1973, war ursprünglich für alle ver¬füg¬baren Pianos in einem New Yorker Klaviergeschäft gedacht, doch der daraus entstehen¬de Klang er-schien Reich angeblich als zu dicht. Daher beschränkte er sich auf sechs Flü¬gel, die in gutem Hörkontakt zueinan¬der stehen. Six Pianos folgt am 8.11.20 mit einer kurzen, rhythmisch-me¬lo-dischen Figur den typi¬schen Strukturen der sogenannten Minimal Music und durchläuft da¬bei eine Reihe von Wieder¬holun¬gen und Variationen. Die Musiker, allesamt bekannte Pianis¬ten, spielen teils synchron, teils um einige Takte versetzt — eine für Reich typische Komposi¬tions-tech¬nik, das sogenannte „Phasing“. Das einzel¬ne Spiel geht auf in einer Art musikali¬schem Mandala, das den Hörer allmählich mit einer geradezu meditativen Spannung auflädt.

        Driftmachine
        Andreas Gerth und Florian Zimmer sind das Synthesizer-Duo Driftmachine. Der Name kenn-zeichnet ihre Musik: Minimalismus und technische Präzision paaren sich mit sphä¬rischen, hypnotischen Sounds. Neben der Veröffentlichung mehrerer Alben auf dem renommierten mexikanischen Experi¬mental-Imprint Umor Rex produzierte Drift¬machine auch Klangmon-tagen für die Bildende Kunst. Bei Live-Acts ist als drittes Mit¬glied der Videokünstler Mika Shkurat dabei. So entsteht am 28.11.20 ein audiovisuelles Erlebnis voller Komplexität und Sinnlichkeit.

        Yusuf Sahilli
        Yusuf Sahilli, in Berlin geboren und aufgewachsen, und seine Musiker Damian Giambazi (Bass) und Martin Krummling (Schlagzeug) präsentieren am 12.12.20 alternativen Folk¬rock im Gläsernen Foyer. Neben temperamentvollen Rockrhythmen geht es dabei aber auch Indie-mäßig, akustisch, soft und folkig zu, dabei arrangiert er immer wieder be¬kannte Songs neu und modern. Sänger Sahilli hat eine ausdrucksstarke und warme Stim¬me und die Presse bescheinigt ihm brillantes Können.
        Kartentelefon 0621/504 2558

        Quelle Theater im Pfalzbau

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          Pfalzbau Ludwigshafen


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