Weinheim – Fünf Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der AWO Rhein-Neckar und der alwine Stiftung – in Würde altern

        Weinheim/Rhein-Neckar-Kreis/Metropolregion Rhein-Neckar. Am 1. April 2015 startete die AWO Rhein-Neckar das Projekt „Sicher und beschützt im Alter“. Martina Schildhauer, Gründerin der Stiftungsinitiative Altersarmut von Frauen in Weinheim, wollte damals ihr Projekt Altersarmut auf breitere Füße stellen und suchte für das operative Geschäft einen passenden Kooperationspartner. Das Thema Altersarmut passte gut ins Portfolio der AWO, die im Bereich Seniorenarbeit bereits sehr aktiv war und noch immer ist. Von daher war man von Seiten der AWO an einer Zusammenarbeit mit der Stiftungsinitiative interessiert, obwohl „Altersarmut“ zu diesem Zeitpunkt in den Köpfen der Menschen noch kein großes Thema war. Man war sich einig darüber, dass das Projekt erweitert werden sollte, denn auch Männer können in die Altersarmut abrutschen. Aus dem Projekt Altersarmut von Frauen wurde dann das Projekt „Sicher und beschützt im Alter“, unterstützt und finanziert von der Stiftungsinitiative Altersarmut, die heutige alwine Stiftung – in Würde altern.

        Im Gebäude der AWO Rhein-Neckar in Weinheim wurde eigens dafür eine Beratungsstelle mit zwei Mitarbeiterinnen und regelmäßigen Sprechzeiten (dienstags, mittwochs, 14:00 bis 16.30 Uhr und freitags 9:00 bis 11:30 Uhr) eingerichtet. Hier können sich in Not geratene Frauen und Männer ab 65 Jahren informieren und beraten lassen. Bei einer aktuellen finanziellen Notlage erhalten sie unbürokratisch und direkt Unterstützung in Form einer Einzelnotfallhilfe, z. B. zur Anschaffung von Haushaltsgeräten, Hilfe bei Wohnungswechsel, Zuschuss für medizinische Hilfsmittel, u.v.m.
        Nach 5 Jahren Erfahrung in der Beratungsstelle zeigt sich, dass die finanzielle Not der Menschen oftmals größer denn je ist. Laut Statistischem Bundesamt ist rund jeder Siebte der über 65-Jährigen von Altersarmut betroffen. Als arm wird derjenige eingestuft, der als Single weniger als 917 Euro im Monat zur Verfügung hat. Obwohl es immer noch mehr Frauen sind, die sich in einer finanziellen Notlage befinden, nimmt der Anteil der Männer ständig zu. Bemerkenswert ist auch, dass die Gruppe der ehemals selbstständig Tätigen oft keine Altersvorsorge haben. Neben der finanziellen Unterstützung suchen viele der AWO-Klienten auch das persönliche Gespräch. Sie suchen eine Person, die zuhört. Sie sind, ganz einfach ausgedrückt, einsam! Die seelische Armut ist oft ähnlich schlimm wie die finanzielle Armut. Scham, Einsamkeit und Isolation machen auf Dauer krank. Dabeisein, Mitmachen, Sozialkontakte gehören zu den wichtigsten Faktoren für ein emotionales Wohlbefinden.

        Die Projekt-Verantwortlichen überlegten: „Wie könnte man Menschen aus der Einsamkeit holen? Eine Disco für Ältere? Nein, aber eine Ü-60 Party mit Live-Musik wäre eine gute Therapie“ war das Ergebnis der Überlegungen. Es entstand im Sommer 2016 die erste Ü-60-Party mit dem Titel „Schön war die Zeit“ und weitere folgten. Der weit über die Region hinaus bekannte Musiker und Entertainer Martin Böhm und seine Kapelle stellten sich, ohne lange zu überlegen, in den Dienst der guten Sache. Sie unterhielten die Gäste mit Melodien aus den 50er, 60er und 70er Jahren – das alles live und ohne Gage! Doch eine Party im Jahr reicht selbstverständlich nicht aus, um Menschen aus der Einsamkeit zu holen.
        Brigitte Bell, Projektleiterin der AWO-Beratungsstelle, erinnert sich noch gut an ein Gespräch mit einer Klientin:Anna, 75 Jahre, (sie bezieht Grundsicherung) erzählte, dass sie so gerne nach dem Einkaufen in ein Café gehen würde, um eine Tasse Kaffee zu trinken und ein Stück Kuchen zu essen. Bei dieser Gelegenheit könnte sie sich mit anderen Leuten unterhalten, doch leider kann sie sich so etwas finanziell nicht leisten. Sie geht daher nach Hause, trinkt ihre Tasse Kaffee alleine und das alles ohne jegliche Ansprache, was sie sehr traurig macht.
        Diese Geschichte war Anlass dafür, ein Kaffeekränzchen als Informations- und Kontaktbörse zu gründen, bei dem Kaffee und Kuchen umsonst verabreicht werden; ganz einfach auf woinemerisch ausgedrückt, „fer umme“. Das war die Geburtsstunde vom Kaffeeklatsch fer umme, unterstützt durch die alwine Stiftung.

        Seit Januar 2017 treffen sich nun jeden zweiten Dienstag im Monat in der Cafeteria der AWO Frauen und Männer ab 60 + zum gemütlichen Beisammensein. Sie spielen, musizieren, diskutieren über Gott und die Welt und hören sich gegenseitig zu. Inzwischen haben sich sogar neue Freundschaften gebildet. Es gibt Gruppen, die sich auch außerhalb der AWO treffen. Sie verabreden sich zum Kartenspielen, zum Spazierengehen, besuchen gemeinsam Veranstaltungen oder gehen zusammen ins Kino. Bedürftige bekommen zudem einen Kino-Gutschein. Im Rahmen des Projekts unternahm die Gruppe im Jahr 2019 einen Tagesausflug zur Loreley, dem UNESCO-Weltkulturerbe im Mittelrheintal. Für viele der 50 Gäste war es die erste Schifffahrt auf dem Rhein überhaupt. Es war ein Tag, geprägt mit viel Neuem, Lachen und Unterhaltung, also ein Herauskommen „aus der Einsamkeit“. Den Teilnehmern sah man es an ihren zufriedenen, glücklichen und dankbaren Gesichtern an. Sie wünschten sich weitere Ausflüge. Geplant wurde danach der nächste Ausflug im Mai d. J. nach Baden-Baden, der traurigerweise der Corona-Krise zum Opfer gefallen ist. Eine weitere, tragende Säule unter dem Motto „Sicher und beschützt im Alter“ ist der alwine-Hausnotruf. 2017 ermöglicht durch eine großzügige Spende des Rotary-Clubs Weinheim an die alwine Stiftung, die diese Spende als Starthilfe für den Hausnotruf für Bedürftige einsetzte. Der Hausnotruf sorgt für mehr Sicherheit im Alltag, z. B. bei gesundheitlichen Problemen oder durch Bedrohung von außen.

        Hier ist der Kooperationspartner das Deutsche Rote Kreuz. Bis heute konnten 12 Hausnotruf-Telefone installiert werden. Die Einrichtungsgebühren und alle Folgekosten für die nächsten Jahre übernimmt ebenfalls die alwine Stiftung – in Würde altern.Schließlich und endlich startete im Januar 2020 die AWO das Projekt „Alltagshelfer mit Herz“. Diese Alltagshelfer unterstützen bedürftige Seniorinnen und Senioren bei kleinen Alltagsschwierigkeiten, die sie nicht mehr alleine bewältigen können. Als Beispiele wären zu nennen: Hilfe bei kleinen Arbeiten rund ums Haus oder Wohnung, Einkaufen, Begleitung zum Arzt oder Amt u.v.m.; ausgeschlossen sind Putz- und Reinigungsarbeiten sowie Pflegedienste.
        Die AWO sucht noch freiwillige Helfer und Helferinnen für dieses Projekt. Alle sind versichert und erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung. Nur durch die großzügige Unterstützung der alwine Stiftung konnte diese Einrichtung ins Leben gerufen werden. Fazit nach fünf Jahren Zusammenarbeit: Das Projekt Sicher und beschützt im Alter hilft direkt und unbürokratisch finanziell in Not geratenen älteren Menschen, unterstützt präventiv beim Thema Gewalt im Alter und unterstützt bei kleineren Problemen im Alltag, organisiert Tagesausflüge und bietet Vorträge und Workshops an.

        In Zusammenarbeit mit dem Referat der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Mannheim gab es z. B. im Herbst 2019 eine Informationsveranstaltung zum Thema “Trickbetrügereien / Abzocke“. Eine dreiteilige Veranstaltungsreihe zum Thema „sicher fit unterwegs“, beginnend im März d. J., musste aber auch aufgrund der infektionsschützenden Maßnahmen nach dem ersten Vortrag mit dem Titel „Was haben Medikamente und der Straßenverkehr miteinander zu tun?“ leider abgesagt werden. Es ist jedoch vorgesehen, die Folgeveranstaltungen zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.
        Aktuell profitieren ganz besonders ältere und isolierte Menschen von den „Alltagshelfern mit Herz“. Die in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkten Menschen werden in der Weise unterstützt, dass für ihren täglichen Bedarf an Grundbedürfnissen gesorgt wird. Das Telefon in der Beratungsstelle ist durchgehend besetzt. Die Geschäftsführerin der AWO Rhein-Neckar, Bettina Latsch, und ihr Team bedanken sich bei Martina Schildhauer für die große Unterstützung des Projekts „Sicher und beschützt im Alter“. Sie schätzen ihr unermüdliches Engagement für die Bedürftigen unserer Stadt bzw. Gesellschaft und wünschen sich, dass die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit noch lange fortgesetzt werden kann.

        Weitere Informationen:
        AWO Rhein-Neckar, Burggasse 23, 69469 Weinheim,
        Telefon: 06201 4853-421
        E-Mail: brigitte.bell@awo-rhein-neckar.de
        Sprechzeiten:
        Dienstag, Mittwoch: 14:00 bis 16.30 Uhr
        Freitag: 9:00 bis 11:30 Uhr
        Nach telefonischer Vereinbarung

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