Mannheim – Die Zukunft der Therapieforschung: Das ZI eröffnet das Zentrum für Innovative Psychiatrie- und Psychotherapieforschung (ZIPP)

        Mannheim/Metropolregion Rhein-Neckar, 30.09.2019 – Psychische Erkrankungen sind Volkskrankheiten, neue Therapien werden dringend benötigt. In Anwesenheit von Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, sowie Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hat das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) nun das Zentrum für Innovative Psychiatrie- und Psychotherapieforschung (ZIPP) eröffnet. Das innovative Konzept des ZIPP soll die Entwicklung neuer Therapien in den kommenden Jahren deutlich beschleunigen.

          Die enge Verzahnung von Forschung und Behandlung mit dem Ziel, neue Therapien zu entwickeln, ist seit seiner Gründung die Mission des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim. Mit dem Zentrum für Innovative Psychiatrie- und Psychotherapieforschung hat sich das ZI nun konsequent weiterentwickelt und innovative Strukturen geschaffen, um die Qualität der Therapieforschung auf ein neues Niveau zu heben. In enger räumlicher Nähe und direkt angeschlossen an die Kliniken des ZI bündelt das ZIPP dafür eine deutschlandweit einmalige Forschungsinfrastruktur.

          Gefördert von Bund und Land
          „Psychische Erkrankungen werden gesellschaftlich immer bedeutsamer. Das Thema liegt dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sehr am Herzen. Neue Therapieansätze sind dringend gefragt. Die innovative Art und Weise, in der am ZIPP Therapieforschung betrieben wird, ist vielversprechend. Es freut mich daher sehr, dass dieses Forschungszentrum nun seine Arbeit aufnimmt“, sagte Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, anlässlich der feierlichen Eröffnung des ZIPP, die unter dem Motto „Die Zukunft der Therapieforschung“ stand. Das ZIPP wird sowohl durch das Bundesministerium als auch durch das Ministerium für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg gefördert. Ein weiterer wichtiger Förderer ist die Klaus Tschira Stiftung.

          Leuchtturm mit Magnetwirkung
          Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hob, ebenfalls im Rahmen des Festakts, die Bedeutung des ZIPP für die Forschungsstandorte Rhein-Neckar und Baden-Württemberg hervor: „Mit dem ZIPP entsteht eine in Europa bisher einmalige Struktur für die Erforschung neuropsychiatrischer Volkserkrankungen. Es wird internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Disziplinen anziehen und damit den Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg stärken.“ Zugleich werde durch das ZIPP die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen dem ZI, dem Universitätsklinikum Mannheim und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg intensiviert.

          Neue Forschungsgroßgeräte
          Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg, Vorstandsvorsitzender des ZI, hat das Konzept des ZIPP federführend entwickelt und sagte: „Mit dem ZIPP haben die Forscher und Kliniker des ZI eine ideale Struktur, um die Entwicklung wirklich neuer Psychotherapien und Pharmakotherapien rasch voranzubringen und die Chancen aus der Grundlagenforschung rasch in die Anwendung zu führen.“ Zur forschungstechnologischen Ausstattung des ZIPP zählen neben zwei 3-Tesla-Magnetresonanztomographen, die auch miteinander verbunden eingesetzt werden können (sogenanntes Hyperscanning), unter anderem auch ein neues Gerät für die kombinierte Positronenemissions- und Magnetresonanztomographie (PET-MRT). Sie ist eines der modernsten Verfahren der Hirnbildgebung und ermöglicht eine genaue Untersuchung der Aktivität von Botenstoffen (Neurotransmittern) und neuen Medikamenten im Gehirn. Ebenfalls neu installiert wurde ein Magnetenzephalograph (MEG) zur Erforschung der elektrischen Aktivität von Nervenzellen bei Prozessen des Wahrnehmens, Denkens und Empfindens.

          Virtuelle Realität und Biobank
          Ein Virtual-Reality-Labor ermöglicht die Erprobung neuer Psychotherapieverfahren auf Basis von computergenerierten, interaktiven Umgebungen. Die virtuellen Realitäten können hier sowohl über VR-Brillen als auch in einem begehbaren Projektionsraum erfahren werden. Weitere Forschungstechnologien, die am ZIPP eingesetzt werden, sind die funktionelle Nahinfrarot-Spektroskopie (fNIRS), die Transkranielle Magnetstimulation (TMS), Neurofeedback und Elektroenzephalographie (EEG). Ebenfalls Teil des ZIPP wird BioPsy Mannheim, die bereits am ZI etablierte, deutschlandweit größte psychiatrische Biobank – eine Einrichtung zur Gewinnung, Aufbereitung und Lagerung von Biomaterialien, mit deren Hilfe Mechanismen erforscht werden können, die psychischen Erkrankungen zugrunde liegen.

          Einzigartiges Raum- und Organisationskonzept
          Die kurzen Wege fördern nicht nur die Vernetzung der Forscherinnen und Forscher, sie erleichtern auch die Forschung mit Patientinnen und Patienten, die durch ihre Erkrankung besonders schonend und oft auch reizabgeschirmt behandelt werden müssen. Das ZIPP ist deshalb im selben Gebäude untergebracht wie die meisten Stationen der vier Kliniken des ZI. Es verfügt zudem über eine eigene Probandenstation für TeilnehmerInnen an klinischen Studien. Sowohl die Forschungsressourcen als auch die Patientinnen und Patienten werden über ein in das ZIPP integriertes Studienzentrum koordiniert.

          Gute Zukunftsperspektiven
          Die Forschungsinvestitionen in das ZIPP werden flankiert durch Investitionen des Landes Baden-Württemberg in die Krankenversorgung. Ziel ist ein Aufwuchs auf über 400 Behandlungsplätze mit Fertigstellung des Neubaus in J 4. Andreas-W. Möller, Kaufmännischer Vorstand des ZI, betonte: „Diese wesentlichen Investitionen und die fortgesetzte Unterstützung des Landes stellen das ZI gut auf für den kommenden Wettbewerb um Standorte eines Deutschen Zentrums für psychische Gesundheit sowie für die kontinuierliche Ausweitung und Optimierung der diagnostischen Möglichkeiten und therapeutischen Angebote für unsere Patientinnen und Patienten.“

          Über das ZI

          Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim steht für international herausragende Forschung und wegweisende Behandlungskonzepte in Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Suchtmedizin. Seine vier Kliniken gewährleisten die psychiatrische Versorgung der Mannheimer Bevölkerung. Psychisch erkrankte Menschen aller Altersstufen können hier auf fortschrittlichste, auf internationalem Wissensstand basierende Behandlungen vertrauen. In der psychiatrischen Forschung zählt das ZI zu den führenden Einrichtungen Europas. Das Institut arbeitet eng mit der Universität Heidelberg und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg zusammen. Mit über 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das ZI einer der großen Arbeitgeber Mannheims
          Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

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