Mannheim – Mahnmal für die Opfer der NS-Zwangssterilisierungen an die Hochschule Mannheim übergeben

        Mannheim/Metropolregion Rhein-Neckar. Im Rahmen einer Feierstunde, die u. a. von Schülern der Tulla Realschule und des Karl-Friedrich-Gymnasiums mitgestaltet wurde, fand am 27. März 2019 die Übergabe des Mahnmals „Zwangssterilisierung“ an die Hochschule Mannheim statt. Die Einrichtung des Mahnmals, das nun für ein Jahr vor Gebäude C stehen wird, wurde auf Initiative des „Arbeitskreises Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim“ vom Gemeinderat im Jahr 2012 beschlossen. Es wurde vom Künstler Michael Volkmer, der der Übergabe beiwohnte, geschaffen und wird jedes Jahr vor einer anderen öffentlichen Institution aufgestellt. Die Betreuung des Mahnmals wird dieses Mal von Schülern des Moll-Gymnasiums und der Merz-Akademie übernommen.

        Auf der Grundlage des ersten NS-Rassegesetzes wurde in Mannheim das sogenannte „Erbgesundheitsgericht“ am heutigen Standort des Amtsgerichts eingerichtet. Das Erbgesundheitsgericht war für die Anordnung der Zwangssterilisierungen von über 1.000 Mannheimer Bürgerinnen und Bürgern maßgeblich verantwortlich. Nicht weniger bedrückend als die Zwangssterilisierungen selbst waren die langen Jahrzehnte des Schweigens danach. Auch von der Gesellschaft wurde eine angemessene Hilfe und Wiedergutmachung verweigert. Die seelisch und körperlich verstümmelten Betroffenen der Zwangssterilisierungen wurden in der Nachkriegszeit nicht als Opfer anerkannt und erhielten keinerlei Wiedergutmachung. Die zugrunde liegenden Urteile aus der NS-Zeit galten bis 1998 als rechtens.

        Das Mahnmal mutet an wie ein großer Stapel aus 1000 zu einer homogenen und anonymen Masse verschmolzenen Würfeln. Jeder Würfel kann symbolisch für ein Einzelschicksal stehen, bei dem alle Ecken und Kanten abgeschliffen sind; jedes “Anderssein” wurde so nivelliert. Die Farbe erinnert an Krankenhäuser und Amtsstuben; die glänzende Oberfläche wirkt kalt und zurückweisend. Der Betrachter spiegelt sich schemenhaft darin und wird somit selbst Teil des Mahnmals – vielleicht wäre auch er damals involviert gewesen. Sei es als Opfer oder als Täter – so beschreibt der Künstler Michael Volkmer das Werk.

        „Der Verbrechenstyp, mit dem wir es hier zu tun haben, ist die Radikalvariante der sog. Rassenhygiene. Dieses Verbrechen wurde mit dem sog. „Gesetz zur Verhütung Erbkrankheit Nachwuchses“ legalisiert, das ein Beitrag sein sollte, den sog. „Neuen Menschen“ zu züchten. Diesem Zynismus sind etwa 500.000 Menschen zum Opfer gefallen, in Mannheim waren es ca. 1.000 Menschen. Das wandernde Mahnmal trägt dazu bei, dass sie nicht vergessen werden“, so Prof. Dr. Heidrun Deborah Kämper, SPD-Gemeinderätin und Vertreterin der Stadt Mannheim bei der Übergabe.

        „Die Hochschule Mannheim mit ihrer Fakultät für Sozialwesen zeigt mit der Aufstellung des Mahnmals vor ihrem Campus, dass sie sich der Verantwortung stellt, darauf hinzuweisen, dass sich auch die in den 30er Jahren in ihrer Vorläuferorganisation ausgebildeten Fürsorgerinnen am Unrecht der Zwangssterilisierung von Menschen mit Behinderung beteiligt haben, sowie Genaueres darüber herauszufinden. Dabei geht es aber nicht nur um die Vergangenheit, sondern die Fakultät Sozialwesen will auch darauf hinweisen, wie Menschen mit den verschiedenen Behinderungen heute leben, welche Wünsche sie in Bezug auf ihre Selbstbestimmung, auf Partnerschaft und Sexualität haben. Auch in Bezug auf die Zukunft sind viele Fragen zu stellen: Wie wollen wir in einer zunehmend digitalen und vernetzten Welt zusammen leben mit Menschen, die einen besonderen Bedarf haben, z.B. in Bezug auf Betreuung und Pflege. Welche sozialen und technischen Lösungen sind erstrebenswert, welche problematisch? Dazu sind alle Fakultäten der Hochschule eingeladen sich mit Veranstaltungen, Seminararbeiten und Projekten zu beteiligen“, nannte Prof. Dr. Astrid Hedtke-Becker, Dekanin der Fakultät für Sozialwesen, bei ihrem Grußwort die Gründe, warum sich die Hochschule um die Aufstellung des Mahnmals beworben hatte.

        Eine eigene Webseite zum Mahnmal wurde von den Schülerinnen und Schülern der Max-Hachenburg- Schule entwickelt und ist aufzurufen unter dem Link: http://mahnmal-ns-zwangssterilisation-mannheim.de

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