Speyer – Ehrenamt kompetent fördern und begleiten

        Speyer/Metropolregion Rhein-Neckar. Speyer. Was bewegt Menschen, die sich als Sakristan, Hospizhelferin, in der Telefonseelsorge oder als Mitglied in einem Pfarreirat engagieren? Welche Motivation ist für ihr ehrenamtliches Engagement ausschlaggebend? Welche Erwartungen haben Ehrenamtliche in Pfarreien gegenüber Hauptamtlichen und welche Kompetenzen brauchen Hauptamtliche in der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen? – Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Studie, die das Bistum Speyer in den letzten zwei Jahren in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für angewandte Pastoralforschung an der Ruhr-Universität in Bochum (ZAP) durchgeführt hat.

          „Ziel der Studie war, begleitend zum Reformprozess ‚Gemeindepastoral 2015‘, herauszufinden, was wir für Ehrenamtliche tun können, wo und wie wir sie fördern und unterstützen können“, erklärt Dr. Thomas Kiefer. Der Leiter der Abteilung „Seelsorge in Pfarrei und Lebensräumen“ hat die Untersuchung in Absprache mit Generalvikar Dr. Franz Jung und mit Unterstützung von Domkapitular Franz Vogelgesang initiiert und von Seiten des Bistums begleitet. „Wir wollten unter Berücksichtigung der wichtigen Rolle von Ehrenamtlichen im neuen Seelsorgekonzept des Bistums und dem Grundsatz von ‚ermöglichender Leitung‘ alles zusammengetragen, was Ehrenamtliche in diesem Zusammenhang brauchen.“

          Auf der Grundlage von 21 qualifizierten Interviews mit Ehrenamtlichen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, verschiedenen Lebensaltern und sozialen Schichten, entwickelten zwei Wissenschaftlerinnen des ZAP, Theresa Reinke und Christine Zimmerhof, eine Typologie von vier verschiedenen ehrenamtlich im Bistum Speyer Engagierten. Zusätzlich zu den Interviews befragten die Forscherinnen eine Reihe von Pastoralteams im Bistum zu ihren Erfahrungen mit Ehrenamtlichen.

          Vier verschiedenen „Ehrenamtstypen“
          Zwei der „Ehrenamtstypen“, so das Ergebnis der Studie, sind vor allem in der eigenen Pfarrei engagiert und das meist seit vielen Jahren. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch, dass die erste Gruppe fest in den Traditionen und Aufgaben ihrer Kirchengemeinde eingebunden ist und eher weniger Interesse an der Übernahme von leitenden Funktionen hat. Die zweite Gruppe bringt sich zwar ebenfalls lokal aktiv ein, ist aber auch außerhalb der Pfarrei in religiös geprägten Gemeinschaften eingebunden und erfährt von dort auch Bestätigung und geistliche Motivation. Eher losgelöst von der Pfarreiebene engagiert sich der dritte „Ehrenamtstyp“. Diese meist in einem Verband aktiven Frauen und Männer sind es gewohnt, über Angebote und Rahmenbedingungen ihrer Tätigkeit mitzubestimmen und sie legen Wert auf Fortbildung und Begleitung durch Hauptamtliche.

          Die vierte Gruppe wird von den Mitarbeiterinnen des ZAP als „Bürgerschaftlich-sozial Engagierte in katholischen oder ökumenischen Einrichtungen“ charakterisiert. Ihre Mitglieder schätzen die Kirche als professionellen Träger und legen sehr großen Wert auf eine gute Aus- und Fortbildung und eine Vernetzung mit anderen Ehrenamtlichen in diesem Bereich. Die konfessionelle Ausrichtung der jeweiligen Einrichtung spielt für ihr Engagement eher eine nebensächliche Rolle.

          Diese Ergebnisse und die Überlegungen, wie Ehrenamt im Bistum Speyer typengerecht gefördert und weiter entwickelt werden kann, führte in der die Studie begleitende Arbeitsgruppe des Bistums zu einer weiteren Fragestellung.

          Kompetenzmodell für Hauptamtliche
          „In einem zweiten, weitergehenden Schritt haben wir dann die ursprüngliche Ausgangsfrage gedreht und uns gefragt: Welche Qualifikation und Kompetenzen brauchen denn hauptamtliche pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Zusammenarbeit mit diesen verschiedenen Ehrenamtstypen?“, berichtet Kiefer. Dazu wurden die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Personalabteilung mit ins Boot geholt und zusammen mit ihnen ein Modell von fünf Kompetenzfeldern entwickelt, die Hauptamtliche im Umgang mit Ehrenamtlichen mitbringen oder erwerben sollten. Neben der Fähigkeit, die eigene Rolle zu hinterfragen, zählt dazu unter anderem die Bereitschaft, Aufgaben zu delegieren oder die Kompetenzen und Begabungen ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entdecken, sie für die jeweils geeigneten Aufgaben zu gewinnen, zu qualifizieren und zu begleiten. Außerdem gehören dazu Kenntnisse der Milieu- und Lebensraumforschung und der Instrumente der Sozialraumorientierung.

          Um Hauptamtliche für diese Anforderungen fit zu machen, sollen in einem nächsten Schritt in enger Verzahnung mit den Verantwortlichen für die Aus- und Fortbildung die vorhandenen Aus- und Fortbildungsangebote im Bistum überprüft und wo notwendig überarbeitet werden. „Es sollen keine zusätzlichen Aus- und Fortbildungsangebote aufgelegt werden, sondern geschaut werden, an welchen Stellen etwas so verbessert werden kann, dass Hauptamtliche ‚ermöglichende Leitung‘ – einen Kerngedanken von ‚Gemeindepastoral 2015‘ – noch kompetenter in die Praxis umsetzen können“, erläutert Kiefer.

          Auf einem Kongress des Zentrums für angewandte Pastoralforschung an der Universität Bochum mit dem Titel „Für eine Kirche, die Platz macht…“ werden vom 13. bis 14. Februar unter anderem auch die Ergebnisse der Diözese Speyer vorgestellt. Die sogenannten „Workingpapers“ dazu sind auf der Homepage des ZAP Bochum unter dem Link
          http://www.zap-bochum.de/ZAP/anbieten/workingpaper.php zu finden.

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