Mannheim – Metropolregion Rhein-Neckar – Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar ehrte in einer Feierstunde im Musensaal des m:con Congress Center Rosengarten die 139 besten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Jahres 2012 an Prüfungen in der beruflichen Aus- und Fortbildung. IHK-Präsident Dr. Gerhard Vogel gratulierte den erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen zu ihren herausragenden Prüfungsergebnissen und dankte den ehrenamtlichen Prüfern, den Betrieben, den Ausbildern und den beteiligten Berufsschulen für ihr großes Engagement.
In seiner Ansprache betonte Vogel die glänzende Position der deutschen Wirtschaft im internationalen Vergleich und unterstrich die starke Stellung, die das Land im weltweiten Wirtschaftsgeschehen durch den technologischen Vorsprung und die Qualität seiner Produkte einnimmt.
„Dieser Erfolg“, so Vogel, „beruht vor allem auf den von den Betrieben selbst hervorragend ausgebildeten Fachkräften. Um unser deutsches System der beruflichen Bildung, also das Zusammenspiel aus beruflicher Ausbildung und anschließender beruflicher Anpassungs- oder Aufstiegsfortbildung werden wir weltweit beneidet, denn dieses System ist in der Lage, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer so zu qualifizieren, dass die Unternehmen die Herausforderungen des Weltmarktes annehmen und bestehen können“, sagte Vogel.
Damit Deutschland weiterhin im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleibe, sei es nötig, dass der Anteil des Fachkräftenachwuchses für die Unternehmen erhalten bleibe und kontinuierlich ausgebaut werde. Die demografische Veränderung stelle hier eine große Herausforderung dar, muss doch in den nächsten 15 Jahren ein Viertel der Beschäftigten ersetzt werden. „Völlig unverständlich ist mir deshalb das von unserer Politik immer wieder ausgerufene Ziel, die Quote der Studienabsolventen eines Altersjahrgangs auf bis zu 50% zu erhöhen“, betonte Vogel. Aus seiner Sicht bestehe für eine Erhöhung des Anteils der Studierenden kein realer Bedarf.
Ganz im Gegenteil: Es bestehe die große Gefahr, dass der Mangel an beruflich qualifizierten Fachkräften durch eine solche Politik noch verschärft werde.
In seiner Rede zur Prüfungsbestenfeier 2012 dankte der IHK-Präsident den Unternehmen für ihr ungebrochenes Engagement bei der Schaffung von Ausbildungsplätzen. Dies sei derzeit so hoch wie seit Jahren nicht mehr.
Nicht die Lehrstellen seien knapp, sondern den Lehrstellen gingen die Bewerber aus.
Insgesamt haben 2012 über 5300 Auszubildende im Bezirk der IHK Rhein-Neckar eine Abschlussprüfung abgelegt. Die vielfältige Palette der von der IHK durchgeführten Prüfungen umfasst 132 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe. Die Spannbreite reicht vom Buchhändler bis zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Zu den IHK-Fortbildungsprüfungen gehören neben bekannten Profilen wie dem Bilanzbuchhalter auch die relativ unbekannten Fachberater im Vertrieb oder der Immobilienfachwirt. In 35 verschiedenen bundesweit anerkannten Fortbildungen haben sich knapp 2200 Prüflinge einer Prüfung vor der IHK Rhein-Neckar unterzogen. IHK-Prüfungen sind keine Gefälligkeitsatteste – dennoch lag die Bestehensquote bei Fortbildungsprüfungen in diesem Jahr bei rund 83 Prozent und war damit besser als in den Vorjahren.
Probleme gäbe es jedoch zunehmend in den Berufsschulen. „Qualität in der Berufsausbildung hängt zu einem erheblichen Teil von der Qualität der Wissensvermittlung in der Berufsschule ab“, so Vogel. Seit Jahren betrage das strukturelle Defizit bei der Unterrichtsversorgung jedoch rund 4 Prozent im Landesschnitt, im Bezirk Nordbaden sogar über 8 Prozent. Massive Einsparungen, wie die Landesregierung sie derzeit plane, seien vor diesem Hintergrund nicht akzeptabel. Die Ausbildungsqualität und damit die Attraktivität der dualen Berufsausbildung seien dadurch in Gefahr.
Problematisch sind laut Vogel nicht nur strukturelle Probleme. Auch die Sachausstattung der Schulen lasse größtenteils zu wünschen übrig. „Obwohl Unternehmen die Schulen häufig mit der Bereitstellung von Maschinen, Laborausrüstung und anderen technischen Geräten unterstützen, ist die Ausstattung der Schulen und deren baulicher Erhaltungszustand zum Teil sehr unbefriedigend“, kritisierte Vogel. Für den IHK-Präsident eine nicht hinnehmbare Situation. In seiner Rede forderte er die Verantwortlichen im Land, in den Landkreisen und den Kommunen auf, schnell Abhilfe zu schaffen.
„Das ist eine Investition in unsere Zukunft, die sich lohnt!“, betonte Vogel.
In Anerkennung besonders herausragender Prüfungsleistungen haben Mitgliedsunternehmen der IHK auch in diesem Jahr Preisgelder gestiftet.
Bereits zum neunten Mal konnte der mit jährlich 5.000 Euro dotierte Ehrenpreis der Viktor und Sigrid Dulger Stiftung von der IHK verliehen werden. Er würdigt die jeweils beste Prüfungsleistung eines Jahres in Industrieberufen, sowohl in der Erstausbildung als auch in der Fortbildung.
Er ging zu gleichen Teilen an Robin Siebig von der AZO GmbH & Co.KG, Osterburken, erfolgreicher Teilnehmer an der Abschlussprüfung Technischer Zeichner, Fachrichtung Maschinen- und Anlagentechnik, sowie an Hans-Jürgen Back, von der Heidelberger Druckmaschinen AG, Wiesloch, erfolgreicher Teilnehmer an der Fortbildungsprüfung Geprüfter Technischer Betriebswirt.
Der Förderpreis der Wilhelm-Müller-Stiftung in Höhe von 9000 Euro für die beste Abschlussprüfung in den Berufen Industriekaufmann (-frau), Bürokaufmann (-frau) und Kaufmann (-frau) für Bürokommunikation, ging zu gleichen Teilen an Alexandra Butt (Industriekauffrau), ausgebildet bei der Siemens AG, Frankfurt am Main, Gina Mero (Bürokauffrau), ausgebildet von der Alstom Power GmbH, Zweigniederlassung Mannheim sowie Claire Müller-Dennhof (Kauffrau für Bürokommunikation), ausgebildet bei SAP AG, Walldorf.
Der Förderpreis der Sparkasse Rhein-Neckar Nord in Höhe von 4.000 Euro für den besten Absolventen im Ausbildungsberuf Bankkauffrau/ Bankkaufmann und den besten Prüfungsteilnehmer bei der Zusatzqualifikation Allfinanz für Bankkaufleute in Höhe von jeweils 2000 Euro ging an Rafael Josef Magosch
(Bankkaufmann) von der Sparkasse Heidelberg und an Alina Kirschner (Zusatzqualifikation Allfinanz für Bankkaufleute) von der Deutschen Bank
Privat- und Geschäftskunden AG, Eschborn.
Der mit 5000 Euro dotierte Förderpreis der Roche Diagnostics GmbH ging zu gleichen Teilen an Michaela Bult (Chemielaborantin) und Katharina Klemens (Geprüfte Industriemeisterin Fachrichtung Chemie), beide von der Roche Diagnostics GmbH, Mannheim.
Den Förderpreis der CEMA AG für die beste Prüfungsleistung in einem technischen und einem kaufmännischen Ausbildungsberuf der Informationstechnologie in Höhe von 3.000 Euro erhielten zu gleichen Teilen David Heiß (Fachinformatiker, Fachrichtung System-integration), Deutsches Krebsforschungszentrum Stiftung des öffentlichen Rechts, Heidelberg, und Nicolas Schell (Informatikkaufmann) Heidelberger Druckmaschinen AG, Wiesloch.
Zum ersten Mal wurde der Förderpreis der GBG – Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH in Höhe 1.500 Euro für den besten Absolventen im Ausbildungsberuf Immobilienkaufmann (-frau) vergeben. Preisträgerin ist Jennifer Freidel, GBG – Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH.
Die Feier mit über 1.000 Gästen wurde wieder in bester Manier von Christian „Chako“ Habekost moderiert. Für die musikalische Umrahmung des Abends sorgte „ Amokoma“, eine der beliebtesten und bekanntesten Funk & Soul Bands der Region.
Zuletzt aktualisiert am 5. November 2012, 20:13



































