Ludwigshafen / Metropolregion Rhein-Neckar – IHK-Konjunkturbericht Frühjahr 2011: Frühlingsgefühle im Winter – Handel und Dienstleister optimistischer als Industrie
Die Konjunktur ist auf hohem Niveau stabil. Dies ist das wichtigste Ergebnis der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage für das Frühjahr 2011, die mit 127 Punkten den gleichen Wert beim Konjunkturklimaindex* erreicht wie bei der letzten Umfrage im Herbst. Dabei haben die Teilindizes für Handel und Dienstleistungsgewerbe noch einmal zugelegt, während der Industrieindex leicht von 128 auf 125 Punkte gesunken ist. Die Geschäftserwartungen sind über alle Branchen leicht um zwei Prozentpunkte gestiegen. Die Unternehmen rechnen mit einer dynamischen Entwicklung des Exports im Verlauf dieses Jahres. Im Gegensatz zur letzten Umfrage schlägt die gute Konjunktur sich nun auch zunehmend in substantiellen Investitionsplänen und stärkerer Nachfrage am Arbeitsmarkt nieder. Sorge bereiten hingegen vor allem die Energie- und Rohstoffpreise, daneben die anstehenden Tarifverhandlungen, steigende Steuern und Abgaben sowie eine mögliche Eskalation der europäischen Schuldenkrise.
Industrie
Trotz einer leichten Abschwächung bleibt das Geschäftsklima in der Industrie überaus günstig. Jedes zweite Industrieunternehmen vermeldet eine befriedigende geschäftliche Situation gegenüber 48% im Herbst; 37% sprechen heute von einem überaus günstigen Geschäftsverlauf. Besonders skeptisch ist das Baugewerbe. Genauso wie im Herbst erwartet die Hälfte aller befragten Industriebetriebe eine gleich bleibende Wirtschaftsentwicklung, unverändert 38% gehen von einem anhaltenden Aufschwung aus. Bei der Auslandsnachfrage zeichnete sich im Herbst des vergangenen Jahres noch eine Beruhigung ab, die inzwischen von den Unternehmen revidiert wurde. So gehen heute vier von zehn Betrieben (34%) von einer lebhafteren Exportnachfrage in den nächsten Monaten aus, 52% (59%) rechnen mit einer konstanten Geschäftstätigkeit im Ausland. Die Investitionsneigung nimmt auch in der Industrie zu; hier vor allem bei der Vorleistungs- und Konsumgüterindustrie. 27% der befragten Hersteller (22% im Herbst) planen eine Erhöhung ihrer Investitionsausgaben. Nach Ersatzbeschaffung und Rationalisierung rangiert die Kapazitätsausweitung an dritter Stelle der Investitionsgründe und hat seit der letzten Umfrage um fünf Prozentpunkte auf 31% zugelegt (Mehrfachantworten möglich). Die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird sich in der Industrie in den nächsten zwölf Monaten wohl nicht nennenswert verändern.
Handel
Die Händler sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage überdurchschnittlich zufrieden: Jeweils 44% charakterisieren ihre Geschäftstätigkeit als gut oder akzeptabel. Insbesondere die Einzelhändler sehen die Lage positiv, was auch auf das gute Weihnachtsgeschäft zurückzuführen ist. Knapp 60% gehen für die nächsten zwölf Monate von einer gleich bleibenden Wirtschaftsentwicklung aus; rund ein Drittel erwartet eine weitere Belebung. Die Kfz-Händler blicken nach dem Wegfall der Abwrackprämie mit deutlich größerer Skepsis in die Zukunft als die übrigen Händler. Einige Händler mehr als im Herbst wollen ihre Investitionen ausweiten (22% gegenüber 17%). Hier steht die Kapazitätserweiterung mit 33% nach der Ersatzbeschaffung an zweiter Stelle der Motive. Auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich eine leichte Belebung ab. Zu Jahresbeginn 2011 geben 16% (10% im Herbst) der Händler an, dass sie über die Einstellung zusätzlichen Personals nachdenken. Dies sind vor allem Einzelhändler. Bei 74% der befragten Händler wird es in den nächsten zwölf Monaten keine nennenswerten personellen Veränderungen geben.
Dienstleistungen
Über die Hälfte der befragten Dienstleistungsbetriebe meldet zu Jahresbeginn ein gutes Geschäftsklima. Damit hat sich die ohnehin günstige Beurteilung der Unternehmen nochmals gegenüber dem Herbst (44%) verbessert. Gleichzeitig sprechen 35% der Dienstleister (49%) von einer befriedigenden Situation und 12% (5%) bezeichnen ihre derzeitige Lage als schlecht – letzteres vor allem die Unternehmen des Transportgewerbes. Mit 63% der befragten Betriebe geht die Mehrheit der Dienstleistungsunternehmen von einer konstanten Wirtschaftsentwicklung aus. Zugleich halten 28% (27%) eine weitere Verbesserung für wahrscheinlich. Mit großem Optimismus (55%) blicken die unternehmensorientierten Dienstleister in die Zukunft. Die Investitionsbereitschaft im Dienstleistungsbereich wächst deutlich. Doppelt so viele Dienstleister wie noch im Herbst (29% gegenüber 15%) wollen mehr investieren. Auch bei den Dienstleistern rangiert die Kapazitätserweiterung an Platz zwei hinter der Ersatzbeschaffung, und zwar mit 30% gegenüber 14% im Herbst. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes gewinnt im Dienstleistungsbereich an Dynamik: Anfang 2011 meldet jeder fünfte Betrieb (12% im Herbst), dass er neue Arbeitsplätze schaffen will, und 68% (75%) werden in den nächsten Monaten ihre Mitarbeiterzahl konstant halten.
Der Konjunkturbericht der IHK Pfalz beruht auf der regelmäßigen Befragung von rund 1.800 Unternehmen, überwiegend Handelsregister-Firmen aus den Wirtschaftssektoren Industrie, Handel und Dienstleistungen. Sie repräsentieren rund 70 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Pfalz. Die Ergebnisse sind nach Beschäftigtengrößenklassen gewichtet. Die Konjunkturberichte der IHK Pfalz finden Sie im Internet unter www.pfalz.ihk24.de, Dokument-Nummer 417.
* Bei einem Wert von 100 Punkten würden alle befragten Unternehmen sowohl ihre geschäftliche Lage als auch ihre Aussichten als befriedigend bewerten.
Zuletzt aktualisiert am 26. Januar 2011, 10:26

































