Worms/Metropolregion Rhein-Neckar-Gemeinsame Erklärung des Oberbürgermeisters der Stadt Worms, Michael Kissel, der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Mainz/Worms, Frau Stella Schindler-Siegreich und des Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, Dr. Peter Waldmann
Mit Fassungslosigkeit und Bestürzung mussten wir von dem in der vergangene Nacht auf die Wormser Synagoge verübten Brandanschlag Kenntnis nehmen. Der Angriff auf ein Gotteshaus ist ein niederträchtiges, verabscheuungswürdiges Verbrechen, das wir auf das Schärfste verurteilen. Rassismus und Antisemitismus, egal von welcher Herkunft oder politischen Richtung geäußert, dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz finden. Dieser Anschlag auf die ehrwürdige Synagoge in Worms zeigt uns abermals, dass alle gesellschaftlichen Institutionen wachsam sein müssen. Antisemitismus, Rassismus und politischer Extremismus dürfen in keiner Form geduldet oder toleriert werden.
Die Wormser Synagoge ist ein bedeutendes Zeugnis der einzigartigen über 1000-jährigen jüdischen Geschichte in Worms. Bis zur völligen Zerstörung vom 9. auf den 10. November 1938 und der Auslöschung der Jüdischen Gemeinde durch die Nationalsozialisten war die Synagoge das Symbol jüdischer Frömmigkeit und Gelehrsamkeit im europäischen Judentum. In den Jahren 1959 – 1961 wurde die Synagoge auf Initiative von emigrierten Wormser Juden und mit Unterstützung der Bundesregierung wieder aufgebaut. Sie ist heute – im Kontext mit dem jüdischen Friedhof „Heiliger Sand“ – ein wichtiger religiöser Ort für Juden aus aller Welt und ein Kultusdenkmal von europäischem Rang.
Die Synagoge ist im Bewusstsein der Wormser ein zentrales Element der städtischen und bürgerschaftlichen Identität. Die Stadt Worms, die Jüdische Gemeinde Mainz/Worms und der Verein WARMAISA (Gesellschaft zur Pflege und Förderung jüdischer Kultur in Worms) pflegen und bewahren dieses bedeutende Erbe. Seit dem Raschi-Jahr 2005 führen sie als Kooperationspartner jährlich jüdische Kulturtage durch. Außerdem ist die Stadt Worms seit Jahren in der Gedenkarbeit aktiv. Gemeinsam mit Mainz und Speyer und unter Federführung des Landes bereiten wir derzeit einen Antrag als Anerkennung der SCHUM-Städte als UNESCO-Weltkulturerbe vor.
Der Aufmerksamkeit einer Anwohnerin und dem schnellen Eingreifen der Wormser Feuerwehr ist es zu verdanken, dass schlimmere Schäden an der Synagoge verhindert werden konnten. Wir danken auch den Organen der Staatsanwaltschaft und der Polizei für die sofortige Einleitung umfangreicher Ermittlungen und wir hoffen, dass der oder die Täter überführt und der Justiz überstellt werden können.
Zuletzt aktualisiert am 17. Mai 2010, 16:23

































