Weinheim/Stuttgart / Metropolregion Rheinneckar - Ein Landessieg aus Empörung - Weinheimer Schülerin Constanze Wollenweber siegte mit „Weinheimer Skandal“ im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten „Ich war total empört, und als ich mich genauer mit dieser Polizeiaktion beschäftigt habe, habe ich mich beinahe persönlich als Frau angegriffen gefühlt“, erklärt Constanze Wollenweber, 17-jährige Weinheimer Schülerin des Werner-Heisenberg-Gymnasiums. Dieses Gefühl stand am Anfang. Am zunächst vorläufigen Ende von Monate langen Recherchen, Mitschrieben, Gesprächen und Veröffentlichungen stand jetzt der Landessieg im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten mit Preisverleihung in Stuttgart.
Constanze Wollenweber nahm den Preis im Haus der Geschichte aus den Händen von Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer entgegen – jetzt bewirbt sich die gescheite junge Frau um den Bundessieg. Das historische Thema lautet: „Der Weinheimer Skandal“.
Stadtarchivarin Andrea Rößler, mit deren Hilfe die Recherchen zur preisgekrönten Arbeit stattfanden, und Weinheims Kulturamtsleiter Dietmar Pfennigschmidt gratulierten jetzt der
Preisträgerin persönlich zu diesem Erfolg.
Constanze Wollenweber hat ein heißes Eisen angefasst. „Es ist immer noch ein Tabuthema in der Stadt“, hat sie herausgefunden. Und das obwohl damals bundesweit die Gazetten das Thema verbreiteten. Unter anderem gab es eine Fotoreportage in der „Quick“. Die literarisch sehr interessierte Schülerin war durch ihren Geschichtslehrer auf das Ereignis aufmerksam geworden. Es war 1951, als fast 200 Frauen ohne Ansehen der Person von der Polizei zu einem Verhör geladen worden. Alle Frauen hatten während ihrer Schwangerschaft das Kind verloren. Die Staatsanwaltschaft wollte durch die umstrittene Aktion, die sich ausgerechnet auf ein NS-Gesetz stützte, Lohnabtreibern auf die Schliche kommen. Der Generalverdacht gegenüber den Weinheimer Frauen, so stellte Constanze Wollenweber fest, berührt noch heute die Betroffenen so sehr, dass niemand richtig darüber reden will.
Aber historische Quellen gibt es natürlich ordnerweise im Weinheimer Stadtarchiv, das immer wieder für wissenschaftliche Arbeiten zur Stadtgeschichte genutzt wird. So entstand nicht nur eine sorgfältig zusammengetragene wissenschaftliche Arbeit, „die auch an jeder Uni bemerkenswert wäre“, wie Andrea Rößler bescheinigt. Constanze Wollenweber hat auch – ohne dass es gefordert gewesen wäre – einen literarischen Teil angefügt, in dem sie den recherchierten historischen Stoff als Grundlage verwendete. Übrigens hatte der „Weinheimer Skandal“ seine ganz realen Folgen. Kurze Zeit später wurde in Baden-Württemberg die seit der Nazi-Zeit bestehende Meldepflicht bei Früh- und Fehlgeburten abgeschafft.
































