Hockenheim - Neue Reihe im Pumpwerk schult Jugendliche im Umgang mit modernen Medien

03.02.2012 17:56 | Rubrik: Regional | Ort: Hockenheim 
Hockenheim - Neue Reihe im Pumpwerk schult Jugendliche im Umgang mit modernen Medien

Hockenheim/Metropolregion Rheinneckar - Viele haben die Schlagworte schon einmal gehört. „Cybermobbing“, „Datenklau“, „fehlende Privatsphäre“ – im Kinder- und Jugendzentrum Pumpwerk wurde ein Projekt gestartet, damit Jugendliche mit diesen Problemfeldern nicht mehr alleine gelassen werden. Oliver Böser, der im Pumpwerk den offenen Treff leitet, sieht, dass seine Schützlinge täglich mit den modernen Medien konfrontiert sind. „Viele von ihnen sind tiptop, was die Technik angeht. Was aber steht eigentlich hinter dem Ganzen, welche Gefahren gibt es, davon wissen sie oft wenig. Da sind sie manchmal einfach blauäugig“, berichtet er von seinen Erfahrungen.

Als einer seiner Schützlinge ihm ein nicht jugendfreies Video auf seinem Smartphone zeigte, das er ohne Probleme aus dem Internet heruntergeladen hatte, war für Böser die Zeit des Handelns gekommen: Er konzipierte eine Reihe zur modernen Mediennutzung. „Mir war wichtig, vertrauensvoll mit den Jugendlichen darüber zu reden, was sie heute in den Medien erwartet – positiv wie negativ. Es geht nicht darum, ihnen mit erhobenem Zeigefinger zu sagen, was verboten ist“, so Böser.

Der angehende Jugend- und Heimerzieher beschäftigte sich deshalb zunächst damit, welche Angebote die Hockenheimer Jugendlichen, die das Pumpwerk besuchen, heute vor allem in der mobilen Welt nutzen. Informationen für die Schule, Spiele, Musik hören und soziale Netzwerke – das waren die Favoriten, die auf Smartphone oder Computer genutzt werden.

„Das entspricht den Ergebnissen, die in der Studie ‚Jugend – Information – Medien‘ (JIM) bundesweit erhoben wurden. Für Jugendliche heute ist es selbstverständlich, praktisch 24 Stunden am Tag Zugang zur virtuellen Welt zu haben“, so Böser. Trotz oder gerade wegen dieser Dauerzugangs hätten jugendliche Nutzer jedoch oftmals Schwierigkeiten, zwischen der virtuellen und der realen Welt zu unterscheiden.

„Gerade Jugendliche, die noch wenig Erfahrung in Beziehungen haben, lassen sich z. B. leicht von Videos mit pornografischen Inhalt aus dem Internet beeinflussen. Sie meinen, dass das, was sie da sehen, auch in Realität so ist. Hier gilt es zu sensibilisieren“, erklärt Böser.

Anfang des Jahres hatte der Pumpwerk-Mitarbeiter deshalb im Rahmen des offenen Treffs in einer Gesprächsrunde das Thema Gefahren im Internet auf der Tagesordnung. „Es ging mir darum, hier in vertrauensvoller Atmosphäre über die Dinge zu reden, die nur einen Mausklick entfernt von ihnen sind. Wir haben uns ihre Videos oder andere Beispiele angeschaut und uns dann darüber unterhalten, warum sie das Angebot nutzen und wie sie es beurteilen“, schildert Böser.

Deutlich sei dabei geworden, dass die jungen User oft niemanden haben, mit dem sie über diese Dinge reden können – entweder weil zuhause kein Ansprechpartner ist oder weil sich die Bezugspersonen selber nicht mit den modernen Medien auskennen. „Das merken die Jugendlichen ganz schnell, wenn man nicht weiß, wovon man spricht. Deshalb habe ich mich im Vorfeld natürlich intensiv mit verschiedenen Angeboten beschäftigt“, erklärt Böser.

Dabei sei er auch über das so genannte „Happy Slapping“ gestolpert, bei dem unvermittelte körperliche Angriffe – meist auf Unbeteiligte - gefilmt und anschließend von Smartphone zu Smartphone getauscht werden. Zusammen mit den Jugendlichen hat Böser erarbeitet, dass diese vermeintlich lustigen Filme auch immer einen Leidtragenden haben: Nämlich das Opfer, das geschlagen wird. „Anfangs hieß es: In Wirklichkeit wird doch niemand dadurch verletzt. Im Laufe der Diskussion haben sich die Jugendlichen in die Lage des Opfers versetzt und sind sich darüber klar geworden, dass das sehr real und verletzend ist, wenn man selber betroffen ist“, fasst der Erzieher zusammen.

Immer wieder sei seitdem der Umgang mit den modernen Medien Thema im Offenen Treff gewesen. Die Jugendlichen selber suchen, nachdem das Eis gebrochen ist, den Austausch und den Rat von Oliver Böser – ein erstes Anzeichen für einen bewussteren Umgang mit den neuen Medienformaten. So habe der Offene-Treff-Leiter mitbekommen, dass die Jugendlichen untereinander nun einige Angebote anders wahrnehmen und beurteilen als früher. „Die Jugendlichen selber sollen fit sein für das neue Medienzeitalter. Sie dafür zu sensibilisieren, ihnen bewusst zu machen, was sie da nutzen, das ist unsere Aufgabe und nicht, Verbote auszusprechen.“

Diesen Ansatz führt Böser mit Unterstützung des Pumpwerk-Teams um die Leiterin des Kinder- und Jugendbüros Kristina Rühl auch künftig weiter: Zwei weitere Diskussionsrunden zum Umgang mit modernen Medien finden am 28. März und 25. April im Pumpwerk statt. Der offene Treff mit Spielen, Angeboten und Projekten für Kinder und Jugendliche ab acht Jahren ist von Sonntag (15 – 19 Uhr) bis Mittwoch geöffnet, von Montag bis Mittwoch jeweils von 14 – 19 Uhr.