Ludwigshafen – Podiumsdiskussion der OB-Kandidaten – klares Bekenntnis zur Hochschule und zur Öffnung des Posttunnels

        PodiumsdiskussionLudwigshafen/ Metropolregion Rhein-Neckar.Hochschule und zur Öffnung des Posttunnels
        Die OB-Kandidaten Jutta Steinruck (SPD) und Dr. Peter Uebel (CDU) stellten sich am Montag, dem 29. Mai 2017, auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema Bildungspolitik den Fragen der Studierenden. Die Gremien studentischer Selbstverwaltung der Hochschule Ludwigshafen am Rhein – Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA), Studierendenparlament (Stupa) und die Fachschaft des Ostasieninstituts (OAI) – hatten die Podiumsdiskussion eigenverantwortlich organisiert und durchgeführt. OB-Kandidat Dirk Schmitz und OB-Kandidatsanwärter Thorsten Portisch waren nicht auf dem Podium – Schmitz hatte nicht fristgerecht auf die Einladung reagiert; Portisch, der als Gast im Saal anwesend war, seine mögliche Kandidatur zu kurzfristig bekanntgegeben.
        Unter dem Titel „Bedürfnisse der Schüler und Studierenden von heute in finanziell schwierigen Jahren in LU – wer muss zurückstecken?“ nahmen die studentischen Moderatoren Jennifer Hotzel und Noah Kurz, Vorsitzende des 1. Fachschaftsrats des Ostasieninstituts die beiden OB-Kandidaten Jutta Steinruck (SPD) und Dr. Peter Uebel (CDU) in die Pflicht: Eine Stunde lang stellten die beiden stellvertretend für die Studierendenschaft der Hochschule Ludwigshafen vor dem Hintergrund der schwierigen Haushaltssituation der Stadt kritische Fragen zu den Themenfeldern Bildungsstil und Bildungssystem, studentisches Wohnen und Leben in Ludwigshafen, Infrastruktur und Verkehrssituation sowie Hochschulstadt Ludwigshafen. Die Fragen waren dabei eine Auswahl im Vorfeld eingereichter Fragen aller Hochschulangehörigen.
        Befragt nach ihrer Priorisierung im Bildungssektor legten beide Kandidaten einen Schwerpunkt auf den Investitionsstau in den städtischen Schulen. „Das ist eine Herkulesaufgabe, die die Amtszeit des künftigen OB maßgeblich beeinflussen wird“, ist sich Uebel sicher. Auch die Bedürfnisse von Schülerinnen, Schülern und Studierenden mit Migrationshintergrund wollten beide Kandidaten in den Fokus ihrer Oberbürgermeisterschaft stellen: „In der Integration müssen wir deutlich besser
        werden – Zugang zu Kultur und Bildung sind hier entscheidend und das ab der Kita“, sagte Uebel, „Wir brauchen frühe, sozialraumorientierte Sozialarbeit im Quartier“, ergänzte Steinruck und präzisierte: „Wir brauchen eine Analyse der IST-Situation und darauf aufbauend eine Integrationsstrategie mit klarer Aufgabenverteilung und transparenter Verwaltung“. Netzwerke müssten dabei gestärkt werden, eine enge Verzahnung von Stadt, Hochschule, Land und Bund sei hier entscheidend, so die Kandidatin der SPD. Bei Fragen nach dem Bildungssystem müsse man auch zunehmende psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen durch den erhöhten Leistungsdruck ernst nehmen, fügte Uebel, Stadtrat und Internist, noch an.
        Vom Allgemeinen zum besonderen kommend, hakten die beiden Moderatoren Hotzel und Kurz anschließend nach, wie die OB-Kandidaten Ludwigshafen als Wohn- und Studienort für Studierende attraktiver machen könne. Gerade der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und städtischen Studierendenwohnheimen sei ein Thema, das viele Studierende umtreibe, so Hotzel. Auch hier plädierten beide Kandidaten unisono für die Wichtigkeit des studentischen Wohnens, gerade im Innenstadtbereich. Während Uebel allerdings das Fehlen passender Bauflächen im Ortszentrum ansprach und auf bereits umgesetzte Projekte wie den Umbau des ehemaligen Corso-Kinos verwies, schlug Steinruck nach Mannheimer Beispiel eine Quotenlösung für Wohnraum in unterschiedlichen Preissegmenten vor und plädierte für den Umbau von Ladenleerständen in Wohnflächen.
        Anknüpfend an das Thema studentisches Wohnen in Ludwigshafen wurden auch Lage und Verkehrsanbindung der Hochschule diskutiert. Einigkeit herrschte dabei bei Steinruck und Uebel wie auch bei dem als Gast im Publikum anwesenden potentiellen OB-Kandidaten Portisch, dass die Lage am Rand von Mundenheim nicht ideal und eine Innenstadtlage eigentlich ein besserer Standort sei, auch für die Stadtentwicklung als Ganzes. „Wir müssen aber eben das Beste aus dieser Lage machen“, brachte es Uebel auf den Punkt und schlug eine verbesserte Taktung des ÖPNV und eine Optimierung der nahen S-Bahnhaltestellen vor. Auch müsse man beim verkehrspolitischen Konzept der Stadt die Studierenden im Blick haben, die mit dem Auto kommen. „Mir wäre es lieber, wir würden den öffentlichen Nahverkehr so attraktiv gestalten, dass man eben kein Auto braucht, um zur Hochschule zu gelangen“, entgegnete Steinruck, die ebenfalls auf eine verbesserte Taktung der Busanbindung plädierte, zugleich aber auch betonte, dass dieser Ausbau des ÖPNV bedarfsgerecht erfolgen müsse, im Dialog zwischen Stadt, Verkehrsbetrieben und Hochschulen. Steinruck wie Uebel sahen allerdings in der Öffnung des Posttunnels, der die Technologiemeile, Berufsschule und Hochschule mit dem Bahnhof und dem Stadtzentrum verbindet, die eigentliche Maßnahme der Wahl. „Die Öffnung des Posttunnels müsste bis Ende des Jahres geregelt sein. Wenn nicht, wird das Thema auf der Agenda des künftigen OB ganz oben stehen“, zeigte sich der CDU-Kandidat optimistisch. Steinruck, die ihrerseits die Öffnung des Posttunnels ebenfalls als elementar wichtig ansieht, formulierte etwas zurückhaltender: „Ich kämpfe seit 20 Jahren für die Öffnung des Posttunnels und es ist erst etwas Bewegung in die Diskussion gekommen, seit Anke Simon Ortsvorsteherin ist. Momentan liegt der Ball bei der Bahn und den TWL.“
        Bevor die studentischen Moderatoren noch einmal die Positionen der beiden Kandidaten zusammenfassten und die Fragerunde des Plenums eröffneten, bekundeten Steinruck wie Uebel ihre Verbundenheit auch mit der Hochschule. „Die Hochschule ist wichtig und auch der Austausch zwischen Stadt und Hochschule“, betonte Steinruck und versprach: „Wenn ich Oberbürgermeisterin werde, werde ich diesen Austausch – wie bisher auch – pflegen und auch bei den Kuratoriumssitzungen regelmäßig dabei sein.“ „Die Hochschule bringt der Stadt und den hier ansässigen Unternehmen viel. Wir sollten stärker mit ihr werben“, zeigte sich auch Uebel überzeugt. Beide regten an, Ludwigshafen durch entsprechende Beschilderungen am Ortseingang wie am Bahnhof als Hochschulstadt sichtbarer zu machen – eine Idee, die die Vertreter der Hochschulleitung vollends unterstützen.
        „Wir wollten mit der Einladung zu dieser Podiumsdiskussion zeigen, dass wir als Gremien der studentischen Selbstverwaltung hochschul- und wissenschaftspolitisch interessiert sind und die Belange der Studierendenschaft in der Hochschule selbst, aber auch in der Stadtgesellschaft aktiv vertreten. Die am 24. September 2017 in Ludwigshafen stattfindende Oberbürgermeisterwahl betrifft uns unmittelbar und wir danken der Kandidatin und dem Kandidaten, dass sie uns heute zu unseren ganz spezifischen Fragen Rede und Antwort gestanden haben“, zeigte sich Mitorganisatorin Jennifer Hotzel am Ende des Abends zufrieden.

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